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«Wonka»: Timothée Chalamet und Hugh Grant machen Musical. Muss das sein?

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Was nach einer ganz und gar friedlichen Schifffahrt im Winter aussieht, wird für Willy Wonka (Timothée Chalamet) und den Umpa Lumpa (Hugh Grant) gleich zu einer «äggschnriiche» Prüfung (wie es im «Bachelor» heissen würde).Bild: www.imago-images.de
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Timothée Chalamet und Hugh Grant machen Musical. Muss das sein?

Ja! Ihr «Wonka» ist ein zauberhafter Weihnachtsfilm für die ganze Familie. Ab sechs Jahren.
05.12.2023, 16:2005.12.2023, 17:02
Simone Meier
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Er habe sich für seine Rolle als Willy Wonka auf seine Jugendsünde besinnen müssen, sagt Timothée Chalamet. Die Jugendsünde heisst Timmy Tim und ist Chalamets Rapper-Pseudonym, und man darf offen sagen: Der Wunderknabe kann vieles, aber rappen kann er schlecht. Er weiss das. Und er machte sich in «Saturday Night Live» gemeinsam mit Pete Davidson einmal sehr brachial über das eigene Unvermögen lustig.

Doch die Erinnerung an Timmy Tim half Timothée, sich für «Wonka» locker zu machen. All die «seriösen» Arbeitsjahre mit Regisseuren wie Luca Guadagnino («Call Me by Your Name», «Bones and All»), Greta Gerwig (Little Women), Wes Anderson (The French Dispatch) und Dennis Villeneuve (Dune) zu vergessen und einfach mal ein zauberhaftes Weihnachts-Wohlfühlmusical zu drehen.

Chalamet und Davidson in «Saturday Night Live»

Er stach dabei den Musicalmann schlechthin aus, nämlich Ryan Gosling, und man darf offen sagen: Gosling kann vieles ganz wunderbar, besonders in «Barbie», aber Chalamet ist definitiv von einer naturbreiteren Verrückheit. Und sowas braucht es ja in der Nachfolge von Johnny Depp als Wonka in «Charlie and the Chocolate Factory» (2005).

Depps Figur war damals eine Schöpfung von zwei Herren der Finsternis, von Roald Dahl und Tim Burton, Dahl hatte sein Kinderbuch um den teuflischen Chocolatier, der winzige humanoide Schokosüchtige namens Umpa Lumpas in seiner Fabrik beschäftigt, 1964 publiziert. Fünfzig Jahre später zeigte Burton seinen Wonka als kompletten Soziopathen, der als Kind von seinem Zahnarzt-Vater gefoltert worden war und mit Schokoladenkonsum rebelliert hatte.

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Johnny Depp 2005 als Willy Wonka.Bild: www.imago-images.de

Und jetzt kommt also Paul King, der Mann hinter den beiden hinreissenden «Paddington»-Filmen, und liefert mit «Wonka» das Prequel zu «Charlie and the Chocolate Factory». Und die Frage war: Werden wir mehr über den sadistischen Zahnarzt erfahren? War nicht schon die Herkunft des kleinen Paddington-Bären von King ungewöhnlich herzzerreissend geschildert worden? Und werden wir mehr darüber wissen, wie Willy die Umpa Lumpas erst um ihre Kakaobohnen brachte, sie anschliessend als billige Arbeitskräfte nach England lockte und sich damit wie irgendein klassischer Kolonialist verhält?

Die Antwort lautet Jein. Denn «Wonka» ist nicht das Prequel zu Burton, sondern zu «Willy Wonka & the Chocolate Factory» von 1971 mit Gene Wilder. Nix da mit dem diabolischen Dentisten, der neue Willy Wonka ist so herzig wie Chalamet und gut dazu, ein empathischer Fantast, der von seiner lieben, alleinerziehenden Mutter (einer Köchin mit Spezialkompetenz Schokolade) mit auf den Weg gekriegt hat, dass alle Gute auf der Welt mit einem Traum beginnt. Am besten mit einem süssen.

Gene Wilder, Peter Ostrum, Jack Albertson, Paris Themmen & Nora Denney Characters: Willy Wonka, Charlie, Grandpa Joe, Mike Teevee, Mrs. Teevee Film: Willy Wonka & The Chocolate Factory USA 197 ...
Wonkas Welt 1971.Bild: www.imago-images.de

Und weil Willy mit seiner Mutter auf dem idyllischsten und verbasteltsten aller Hausboote aufgewachsen ist, geht er danach logischerweise zur See und sammelt erst einmal die Wohlgerüche der ganzen Welt, bevor er sich in einer ungenannten, pittoresken Stadt (gedreht wurde in Bath, Oxford und London) als Chocolatier niederlassen will. Er ist der nerdige Tüftler, der unter anderem das Salzkaramell in die Schokolade bringt.

Es passt natürlich wie die Faust aufs Auge, dass Chalamet, der immer so aussieht, wie sich Hipster einen besonders angesagten Millennial vorstellen, jetzt in der Über-Hipster-Branche der unendlichen Schokoladenverfeinerung zu sehen ist. Was für ein zeitgemässer Weihnachtsfilm für kleine Schleckmäuler und ihre Eltern! Und für alle dazwischen, die Chalamet als Popstar unter den Schauspielern betrachten! Und für die noch älteren, die vor 30 Jahren für die fast annähernd so lockige und ebenso betont linkische Chalamet-Vorlage Hugh Grant schwärmten!

Trailer zu «Wonka»

Denn Grant ist der (wie in der 1971er-Verfilmung) etwa 25 Zentimeter grosse, orangegesichtige und grünhaarige Umpa Lumpa, dem Wonka aus Versehen seine Kakaobohnen geraubt hat. Jetzt will er den Wert der Bohnen in Schokolade zurück. Grant absolviert das mit äusserstem Genuss an jeder Facette von Fiesheit, keiner kann das so gut wie er.

Aber richtig böse sind andere, etwa Olivia Colman als Herbergsmutter, die ihre Gäste in eine Falle lockt und nur knapp nicht so weit geht wie der – ebenfalls einmal von Depp gespielte und von Burton inszenierte – tödliche Coiffeur im Düstermusical «Sweeney Todd». Natürlich wird der handwerklich und olfaktorisch hochbegabte Analphabet Wonka ihr Opfer. Und dann ist da auch noch das Kartell der lokalen Chocolatiers, das weder vor Geheimlogen noch vor «Death by chocolate» (ja, eine Band dieses Namens gibt es bereits und sie ist made in Switzerland) zurückschreckt.

Timothee Chalamet USA. Timothee Chalamet in a scene from the CWarner Bros new film: Wonka 2023 . Plot: The story will focus specifically on a young Willy Wonka and how he met the Oompa-Loompas on one  ...
Logisch, dass Wonka heute zuallererst einen Regenbogen herstellen muss ;-)Bild: www.imago-images.de

Man könnte Schokolade auch durch jede marktbestimmende Droge ersetzen. Denn da wird Schokolade gestreckt, da gibt es Beschaffungskriminalität und Bestechungspralinen, da hat Schokolade halluzinogene Wirkungen oder bringt Menschen zum «Fliegen», da ist Schokolade überhaupt die grösste aller Volksdrogen, der sich selbst die Religion (vertreten durch Rowan Atkinson) unterordnet.

Doch das wäre selbstverständlich eine ganz andere Geschichte. Paul King, der dem Teddybären mit dem Confi-Brot zu einer derartigen Renaissance verhalf, dass selbst die Queen in einem Paddington-Video mitspielte, hat einen Film für Menschen ab sechs Jahren gedreht. Und mit denen kann man nun ganz problemlos ins Kino gehen.

Paddington und die Queen.

«Wonka» ist von seinem Temperament her bei aller Schoggisucht weit näher an «Mary Poppins» als an «Charlie and the Chocolate Factory». Dunkle Bitterschokolade sucht man hier vergebens. Es ist ein singendes, klingendes Wintermärchen, ein in jeder Hinsicht süsser, genial verspielter, fantasietriefender, liebevoller Film mit ein paar Kalendersprüchen der Zwischenmenschlichkeit. Und mit einem astreinen, total charismatischen Helden der Herzen.

«Wonka» läuft ab dem 7. Dezember im Kino.

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