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Generationen-Barometer 2023: So denken Schweizer – in 15 Grafiken

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15 Punkte, die zeigen, wie wir über unser Leben denken

Der Generationen-Barometer 2023 zeigt, was die Menschen aus verschiedenen Generationen über aktuelle Probleme denken. Kurz zusammengefasst: Der Graben zwischen Arm und Reich geht auf, die jüngeren Menschen sind unzufriedener.
01.02.2023, 07:0002.02.2023, 16:40
Reto Fehr
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Das Schweizer Forschungsinstitut Sotomo zeigt im Auftrag des Berner Generationenhauses mit dem Generationen-Barometer 2023, was die Menschen in der Schweiz heute bewegt. Wir haben 15 Punkte daraus herausgepickt und zeigen von der Lebensarbeitszeit über die Erweiterung der Wehrpflicht auf Frauen bis zum Beziehungsmodell, wie die verschiedenen Generationen darüber denken.

Hier driftet die Schweiz auseinander

Nachdem beim letzten Generationen-Barometer 2021 noch die Covid-19-Massnahmen die Gesellschaft geteilt hatten, steht jetzt wieder der Unterschied zwischen Reich und Arm bei der Differenzierung der Schweiz zuoberst. Erst dahinter folgt die politische Ausrichtung.

Die Jungen sehen ein Problem

Auffallend ist, dass in diesem Jahr insbesondere die 18- bis 25-Jährigen ein Auseinanderdriften der Gesellschaft sehen. Bei den älteren Generationen nimmt diese Ansicht deutlich ab.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Diese Menschen können sich gut in andere einfühlen

Arme, ältere, politisch links eingestellte Frauen, die auf dem Land wohnen, gelten als einfühlsamste Personen. Allgemein gelten gemäss dem Generationen-Barometer Frauen als besonders einfühlsam, Reiche dagegen überhaupt nicht.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Massive Unterschiede bei der Selbstwahrnehmung

Auffallend ist, wie sehr sich die Selbst- und Fremdwahrnehmung unterscheidet. Am ausgeglichensten sind die jungen Menschen. Bei Frauen/Männern, Stadt-/Landbevölkerung sieht dies nicht mehr sehr ausgewogen aus.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Eine sehr grosse Diskrepanz gibt es vor allem bei der Eigen- und Fremdeinschätzung aus beiden politischen Lagern und bei Armen und Reichen:

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

«Erbschaft für alle» hat es schwer

Jede Person erhält mit 25 Jahren einmalig 120'000 Franken als «Startkapital ins Erwachsenenleben»? Die Idee des französischen Ökonomen Thomas Piketty will mit der «Erbschaft für alle» der Vermögensungleichheit entgegenwirken.

In der Schweiz steht über die Hälfte dieser Idee kritisch gegenüber. In den Unterkategorien sprechen sich einzig Personen mit höherer Bildung knapp für ein solches Modell aus.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Erweiterte Wehrpflicht für alle

Soll die Wehrpflicht für Männer auf einen obligatorischen Gemeinschaftsdienst für Männer und Frauen ab 18 Jahren ausgeweitet werden? Statt Militärdienst könnte man dann beispielsweise auch einen Pflegedienst für ältere Menschen absolvieren.

Bei den 18- bis 25-Jährigen findet diese Idee immer mehr Anklang. In der aktuellen Befragung sprachen sich schon 58 Prozent dafür aus, 13 weitere sind eher dafür. Auch bei älteren Semestern kommt die Idee grundsätzlich gut an und erreicht eine Zustimmung von fast 75 Prozent.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

«Lebensarbeitszeit» erhält Zustimmung

Eine andere Reformidee erhält fast so viel Zustimmung. Bei der «Lebensarbeitszeit» geht es darum, dass Personen, die später ins Berufsleben einsteigen, auch später in Pension gehen sollen.

Rund zwei Drittel halten die Idee für gut. Auffallend ist hier, dass vor allem bei der jüngsten Bevölkerungsgruppe die Zustimmung gegenüber der letzten Befragung zugenommen hat.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Zufriedenheit steigt

Gegenüber 2020 nahm die Zufriedenheit insgesamt von 83 auf 89 Prozent zu. Dabei ist der Anteil der «sehr zufriedenen» bei den Ü55-Jährigen deutlich am höchsten. Jüngere Generationen sind dagegen nur «eher zufrieden».

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Eher pessimistische Blicke in die Zukunft

Das Jahr 2052 stellen sich alle Altersgruppen nicht sehr rosig vor. Insbesondere die 18- bis 25-Jährigen malen eher schwarz. Aber auch bei den älteren Generationen sind rund zwei Drittel der Meinung, dass unser Leben in 30 Jahren nicht besser sein wird.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Eigener Einfluss klein

Immerhin glaubt die jüngste Generation noch an einen sehr grossen Einfluss, den sie auf die Zukunft der Gesellschaft hat. Je älter die Personen werden, desto kleiner sehen sie ihre Möglichkeiten.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Nachhaltigkeit ist wichtig, der Lebensstil hinkt hinterher

Nur etwas über der Hälfte (52 Prozent) aller Schweizerinnen und Schweizer ist es wichtig, sich ökologisch nachhaltig zu verhalten. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren gar ein kleiner Rückgang.

Bei der Selbsteinschätzung im tatsächlichen Verhalten zeigt sich gar, dass viele im Klimahandeln noch unter dem Klimabewusstsein leben. Insbesondere junge Menschen wissen zu 71 Prozent, dass Nachhaltigkeit wichtig ist, als klimafreundlich bezeichnen aber nur 42 Prozent von ihnen den eigenen Lebensstil.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Offene Beziehungen kommen für Mehrheit nicht in Frage

Knapp jede/r Fünfte kann sich eine offene Beziehung oder eine Beziehung mit mehreren Personen vorstellen. Den grössten Anklang findet diese Idee mit 25 Prozent noch bei Männern.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Diese Altersgruppen sind offen für offene Beziehungen

Schauen wir hier noch etwas genauer hin. Bei den Frauen können sich 18- bis 35-Jährige am ehesten offene Beziehungen vorstellen. Bei den Männern sind es die 46- bis 55-Jährigen, welche so einem Modell mit 35 Prozent zustimmen. Auffallend: Bei den Frauen ist dies genau diejenige Altersgruppe, in welcher eine offene Beziehung am wenigsten Anklang findet.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Geld oder Freizeit: Die schwierige Frage

Wenn du wählen könntest: Würdest du Geld oder Freizeit nehmen? Die Frage spaltet die Gesellschaft. Insgesamt würden 56 Prozent (höchster Wert) der Frauen Freizeit bevorzugen, bei den Männern würden 53 Prozent das Geld bevorzugen.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023

Junge Frauen und ältere Männer wollen Geld

Bei der Frage, ob Geld oder Freizeit, lohnt sich der Blick auf die Geschlechter und die Lebensphasen. Jungen Frauen (18- bis 25-Jährige) ist Geld wichtiger als gleichaltrigen Männern. Allerdings wechselt dies im Verlauf des Lebens. So gewichten Frauen über 55 Jahren Freizeit höher als Geld, bei Männern geht die Entwicklung in die andere Richtung.

Generationen-Barometer 2023 Sotomo
Bild: Sotomo/Generationen-Barometer 2023
Daten und Quellen
Das Forschungsinstitut Sotomo hat zu diesen Themen im Auftrag des Berner Generationenhauses zwischen dem 8. und dem 21. November 2022 genau 2787 Personen befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die sprachintegrierte Bevölkerung in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz ab 18 Jahren.

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selbst rekrutieren (opt-in), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. Den Verzerrungen in der Stichprobe wird mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt. Hier gibt's die ganze Studie.
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9 Kommentare
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DieFeuerlilie
01.02.2023 18:10registriert März 2017
Wäre sicher ein interessanter Artikel.
Besonders die Grafiken.

Wenn ich mir die denn in der Zoom-Ansicht in Ruhe anschauen könnte, sie nicht sogleich wieder in die kleine Ansicht springen würden, sobald ich sie loslasse.

Und wenn ich nicht nach jeder Grafik wieder von Neuem in den Artikel reinklicken und mich zur nächsten Grafik scrollen müsste.

Aber so, wie's jetzt ist, ist mir das viel zu mühsam und zeitraubend.

Schade, wären sicher sehr interessante Grafiken..
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i schwörs
01.02.2023 20:23registriert April 2016
Interessanter Sorgenbarometer.
70% sehen ein Auseinanderdriften zwischen Reich und Arm. Da kann ich nur raten: befasst euch mit den Parteien, wofür sie einstehen, wo sie wirken und wie. Und dann, geht wählen. Ich weiss, "die da oben machen eh was sie wollen" und so, Aber es ist nur die Politik, die der Gier Grenzen setzen kann und für gerechte Verhältnisse sorgen sollte.
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