Während sich viele Menschen am Feuerwerk zu Neujahr erfreuen, bedeuten die Silvester-Böller für die meisten Tiere vor allem eines: Angst und Stress.
Hundetrainerin Maximiliane Lotz der Martin Rütter Hundeschule Zürich Oberland hat watson Tipps gegeben, wie Hundehalter mit ihren Vierbeinern umgehen können, um ihr Leiden etwas zu lindern.
Wie können wir unserem liebsten Vierbeiner an Silvester helfen? Wir haben ein paar Profi-Tipps:
Maximiliane Lotz: Das Wichtigste ist, für den Hund da zu sein und ihn auf keinen Fall in der Situation alleine zu lassen. Was jedem einzelnen Hund konkret guttut, ist allerdings sehr individuell. Wichtig ist in diesem Kontext aber, zu erkennen, wann der eigene Hund Stress hat und sich in der Situation unwohl fühlt.
Hat ein Hund Angst oder ist verunsichert, weil er bestimmte Reize (wie z. B. Feuerwerke) nicht richtig einschätzen und zuordnen kann, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen. Manche Hunde verkriechen sich am liebsten in einer Art «Höhle», wie z. B. in der Hundebox, unter der Sitzbank oder im Kleiderschrank. In diesem Fall wäre es wichtig, dem Hund diese Orte zugänglich zu machen, damit er sich verkriechen kann.
Andere Hunde suchen die Nähe zu ihren Menschen und möchten am liebsten «in sie hineinkriechen». Hier ist es wichtig zu wissen, dass man diesfalls die Angst des Hundes nicht verschlimmert, sondern vielmehr die Nähe zulassen darf, um für den eigenen Hund da zu sein.
Nochmals anderen Hunden tut es gut, etwas zu schlecken oder zu kauen, da dies auch eine beruhigende Wirkung hat. In diesem Fall wäre ein Kauknochen oder eine Schleckmatte hilfreich.
Dies ist leider eine noch immer verbreitete Ansicht, welche allerdings pauschal nicht ganz zutrifft. Sucht ein Hund aus Unwohlsein die Nähe der eigenen Vertrauens- und Bezugsperson, so kann diese Bezugsperson das subjektive Gefühl der Angst des Hundes nicht verschlimmern, indem man «für den Hund da ist». Im Gegenteil, das sogenannte «Kuschelhormon» Oxytocin ist angstlösend und bindungsstärkend und in solchen Situationen äusserst hilfreich. Es wäre kontraproduktiv, einen Hund, der die Nähe seiner Bezugspersonen sucht, wegzuschicken und mit seiner Angst alleine zu lassen.
Wichtig ist jedoch, dass dem Hund die körperliche Nähe auch wirklich guttut. Wie auch bei uns Menschen möchte nicht jeder bei Unwohlsein in den Arm genommen werden. Die Angst oder die Situation, welche das Unwohlsein auslöst, würde dadurch aber dennoch nicht verschlimmert werden, da es ein subjektives Gefühl ist.
So gibt es auch Hunde, die lieber in der Nähe oder bei den Menschen sind, aber nicht von ihnen gestreichelt werden wollen. Dies würde man daran erkennen, dass der Hund stärkere Stresssignale oder Meideverhalten zeigt, wenn man ihn «knuddelt» oder streichelt. In diesen Situationen sollte man einfach bei seinem Hund bleiben, ihn aber nicht streicheln.
Hat jedoch der Mensch selber bereits Angst vor Feuerwerken oder Knallgeräuschen, so kann es natürlich sein, dass er diese Stimmung auf den Hund überträgt. So wäre es kontraproduktiv, wenn man den Hund aus eigener Angst kuschelt und der Hund dadurch selber wiederum verunsichert wird, weil sich der Mensch bei jedem Knall erschrickt.
Ein «Anti-Knall-Training» bzw. eine Geräuschdesensibilisierung ist in jedem Fall äusserst hilfreich und sinnvoll. So sind die Gegenkonditionierung der Knallgeräusche, das Üben unterschiedlicher Stressbewältigungsstrategien, das Schaffen sicherer Rückzugsorte, das Stärken des Selbstbewusstseins und der Beziehung zum Menschen wichtige Bestandteile des Trainings.
Auch, wenn Traumatas nicht «löschbar» sind, so ist das Erlernen bestimmter Stressbewältigungsstrategien deshalb so hilfreich, weil der Hund schneller wieder zur Entspannung kommen kann, was die Lebensqualität bereits enorm verbessert.
Gleichzeitig gehört das Stärken der Beziehung zwischen dem Menschen und dem Hund auch zum Training dazu. Um Ängste überwinden zu können, braucht es nämlich dem Therapeuten gegenüber (also dem eigenen Menschen gegenüber) enormes Vertrauen. Nur, wer jemandem vertraut, kann sich seiner Angst stellen.
Das Einnehmen von Heilmitteln oder Medikamenten kann in bestimmten Situationen unterstützend helfen. Allerdings muss man sich stets vor Augen halten, dass sie die Angst nicht an ihrer Ursache bekämpfen oder verhindern und deswegen kein Training, keine Verhaltenstherapie und auch keine Mensch-Hund-Beziehung ersetzen können.
Ausserdem brauchen solche Hilfsmittel meist die richtige Einstellung durch eine Fachperson und gegebenenfalls auch eine bestimmte Vorlaufzeit, damit sie ihre Wirkung überhaupt entfalten können. Daher sollte man nicht erst wenige Tage vor Silvester oder an Silvester dem Hund das allererste Mal solche Mittel verabreichen.
In vielen Wohnungen oder Häusern ist das Badezimmer ein nach Innen gelegter Raum, mit kleinen oder gar keinen Fenstern und daher schalldichter und dunkler, als bspw. das Wohnzimmer mit vielen Fenstern. Fühlt sich der Hund im Badezimmer am wohlsten, so sollte man den Ort für den Hund zugänglich und bequem gestalten und ggf. die Hundebox oder das «Lieblings-Hundebett» dort hineinlegen. Nimmt es der Hund an, so kann man ihm auch eine Schleckmatte oder einen Kauartikel zur Beruhigung geben. Vielen Hunden hilft es auch, wenn man sich einfach zum Hund ins Badezimmer setzt und die Zeit gemeinsam durchsteht.
Wichtig ist es, nicht leichtsinnig mit diesem Thema umzugehen und die nötigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und für den Hund da zu sein. Auf dem Spaziergang sollte der Hund daher immer gesichert sein und im besten Fall auch einen GPS-Tracker tragen.
Auch, wenn der Hund keine Angst vor Feuerwerken hat, lohnt es sich, sich über die Themen Angst und Desensibilisierung zu informieren, da Ängste oder Unsicherheiten auch erst im Alter entstehen oder unabhängig von Silvester auftreten können.
(ome/sim)
Gerade im Winter leiden die Wildtiere ganz besonders. Verbrauchen sehr viel Energie für das Flüchten.
Auch produziert das Feuerwerk viel Feinstaub und der ganze Abfall!
Bitte hört mit dieser Knallerei auf.