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Studie untersucht Rassehunde: Inzucht führt zu gesundheitlichen Problemen

06.12.2021, 14:04

Das Knautsch-Gesicht des Mopses, die kurzen Beine des Dackels oder das gepunktete Fell eines Dalmatiners: Die deutlichen Unterschiede zwischen Hunderassen sind häufig das Ergebnis von Inzucht, berichten Forschende im Fachblatt «Canine Medicine and Genetics».

Waldi spielt mit einem Ball.
Waldi spielt mit einem Ball. getty

Ein hoher Grad an Inzucht könne demnach im Laufe der Zeit zu verschiedenen Gesundheitsproblemen für die Vierbeiner und zu teuren Tierarztrechnungen führen.

Tatsächlich ist bereits seit langem bekannt, dass die durch Menschen kontrollierte Zucht nicht nur eine grosse Vielfalt an Hunderassen hervorgebracht hat, sondern damit auch massive gesundheitliche Probleme für die Tiere entstanden sind. Bekanntestes Beispiel dafür sind sogenannte brachycephale, also kurzköpfige Rassen, zu denen etwa Englische oder Französische Bulldoggen sowie Möpse gehören.

Ein kulleräugiger Mops.
Ein kulleräugiger Mops.Bild: getty

Lebenslange Atemprobleme stellen für sie nur einen Punkt auf einer ganzen Liste wahrscheinlicher Gesundheitsrisiken dar. Für Cavalier King Charles Spaniels, einem beliebten Familienhund, wiesen schwedische Wissenschaftler erst kürzlich nach, dass Inzucht in der Zuchtpraxis zu einer hohen Zahl krankheitsverursachender Genmutationen geführt hat.

Ein kecker Cavalier King Charles Spaniel.
Ein kecker Cavalier King Charles Spaniel.getty

Genetischen Ähnlichkeit wie zwischen zwei Geschwistern

Die Autorinnen der aktuellen Studie wollten nun herausfinden, wie sehr sich Inzucht auf reinrassige Hundepopulation im Allgemeinen auswirkt. Dafür nutzte ein internationales Team um die Veterinärgenetikerin Danika Bannasch von der University of California, Davis, eine genetische Datenbank, welche die Ergebnisse kommerzieller DNA-Tests von knapp 50'000 Hunden enthält und insgesamt 227 Rassen umfasst. Die Wissenschaftlerinnen analysierten die durchschnittliche genetische Ähnlichkeit der Hunde innerhalb einer Rasse, um den Grad der Inzucht auf einer Prozentskala von 1 bis 100 zu bestimmen.

Das Resultat: Im Durchschnitt lag der Inzuchtgrad der analysierten Rassen bei etwa 25 Prozent, was ungefähr der genetischen Ähnlichkeit zwischen zwei Geschwistern und damit Werten entspricht, die weit über dem liegen, was für Menschen oder Wildtierpopulationen als unbedenklich gilt.

Zwei Dalmatiner – aber nur ein Spielzeug.
Zwei Dalmatiner – aber nur ein Spielzeug.Bild: getty

Beim Menschen werde ein hohes Mass an Inzucht – also in etwa drei bis sechs Prozent – mit einer erhöhten Prävalenz komplexer Krankheiten und weiterer Leiden in Verbindung gebracht, so die Autorinnen. «Daten von anderen Tierarten in Verbindung mit einer starken Veranlagung einer Rasse für komplexe Krankheiten wie Krebs und Autoimmunkrankheiten unterstreichen die Bedeutung einer hohen Inzuchtrate bei Hunden für deren Gesundheit», sagte Bannasch.

Niedrige Inzuchtrate da, wo der Fokus in der Zucht nicht beim Aussehen liegt

Zu den Rassen mit besonders niedrigen Inzuchtraten gehörten demnach vor allem jene, die erst kürzlich eingekreuzt wurden, darunter der Tamaskan, der Barbet und der Australian Labradoodle, ebenso Landrassen wie der Dänisch-Schwedische Farmhund, der Mudi und der Koolie.

Ein Australian Labradoodle – (noch) von einer niedrigen Inzuchtrate betroffen.
Ein Australian Labradoodle – (noch) von einer niedrigen Inzuchtrate betroffen. Bild: getty

Bannasch wurde durch ihren eigenen Hund dazu motiviert, sich mit der Populationsstruktur verschiedener Rassen zu befassen: Bannasch ist Halterin eines Dänisch-Schwedischen Farmhundes. Diese überdurchschnittlich gesunden Vierbeiner weisen einen geringen Grad an Inzucht auf, was darauf zurückgeführt wird, dass sie aus einer relativ grossen Gründungspopulation stammen und der Fokus bei ihrer Zucht eher auf Funktion als auf Aussehen lag.

Umgekehrt führe eine auf das Aussehen konzentrierte Selektion kombiniert mit einer kleinen Gründungspopulation zu einem höheren Inzuchtgrad und damit einhergehend bei den meisten Rassen auch zu grösseren Gesundheitsrisiken, so Bannasch.

Sorgfältiges Management von Zuchtpopulationen gefordert

In einem zusätzlichen Schritt glichen die Veterinärgenetikerin und ihr Team die Ergebnisse mit Informationen aus einer Tierversicherungsdatenbank ab: Indem sie Versicherungsansprüche für nicht routinemässige Tierarztbesuche als Indikator für die Gesundheit von Hunden verwendeten, fanden sie heraus, dass Hunderassen mit einem höheren Grad an Inzucht eher eine zusätzliche tierärztliche Versorgung benötigen als andere.

Im Durchschnitt waren darüber hinaus brachycephale Rassen weniger gesund, ebenso spielte die Körpergrösse der Tiere eine Rolle. «Unsere Studie hat gezeigt, dass Hunde, die kleiner sind und nicht durch Inzucht gezüchtet werden, viel gesünder sind als grössere Hunde mit hoher Inzuchtrate», fasst Bannasch zusammen.

Die Autorinnen schliessen ihre Arbeit mit einem Plädoyer für Züchterschulungen, die Überwachung des Inzuchtniveaus durch direkte Genotypisierungstechnologien und Auskreuzungen zur Erhöhung der genetischen Vielfalt, wie sie für einige Rassen bereits durchgeführt würden. Insgesamt sei ein sorgfältiges Management von Zuchtpopulationen nötig.

Wie dieses aussehen könnte, zeigt ein Beispiel der Niederlande: Dort gelten seit 2019 strenge Regeln zur Zucht brachycephaler Rassen. Mops-Welpen und Co. bekommen nur eine Ahnentafel vom Zuchtverein, wenn ein tierärztliches Zeugnis vorliegt. Mit diesem wird beispielsweise festgestellt, dass nicht beide Elterntiere extrem kurzschnäuzig sind.

(yam/sda/dpa)

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