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Aargauer Polizeioffizier liess Wohnung zu früh stürmen – Bundesgericht will höhere Strafe



Das Obergericht Aargau muss einen Polizeioffizier auch wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung verurteilen. Dies hat das Bundesgericht entschieden. Der Offizier liess 2009 eine Wohnung stürmen. Dabei wurde ein randalierender Mann durch zwei Schüsse verletzt.

Die Lausanner Richter haben in einem am Mittwoch publizierten Urteil die Beschwerde der ausserordentlichen Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau teilweise gutgeheissen.

Sondereinheit Argus der Aargauer Polizei beim Training. (Bild: az)

Die Sondereinheit Argus beim Training. Bild: az

Die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, dass der verantwortliche Polizeioffizier zusätzlich zum Amtsmissbrauch und der Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruchs und mindestens der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig zu sprechen sei.

Stürmung nach nur 90 Minuten

Der Offizier liess im Mai 2009 eine Wohnung in Wohlen AG durch die Sondereinheit Argus stürmen. In der Wohnung befand sich ein betrunkener, randalierender Mann. Seine Frau war mit dem Kind zu den Nachbarn geflüchtet. Von dort aus hatte sie die Polizei alarmiert.

Der Mann in der Wohnung drohte damit, sich mit dem Messer umzubringen oder vom Balkon zu springen, sollte die Polizei die Wohnung betreten. Trotzdem liess der Polizeioffizier die Wohnung nach nur 90 Minuten stürmen.

Dabei gab ein Polizist zwei Schüsse auf den betrunkenen Mann ab, der mit einem Messer herumfuchtelte. Die Kugeln trafen das Opfer im Unterleib.

Sondereinheit Argus der Aargauer Polizei beim Training. (Bild: az)

Die Sondereinheit Argus beim Training. Bild: az

Abwarten oder verhandeln

Bezirks- und Obergericht sprachen den Polizeioffizier vom Vorwurf der vorsätzlichen oder fahrlässigen schweren Körperverletzung frei. Das geht aus Sicht der Lausanner Richter jedoch nicht. Wie sie in ihren Erwägungen schreiben, ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Stürmung der Wohnung mit Schusswaffen und schweren Verletzungsfolgen ab einem gewissen Zeitpunkt die einzig mögliche Massnahme gewesen sein soll.

Das Aargauer Obergericht habe in seinen Ausführungen selbst geschrieben, dass das Eingreifen der Sondereinheit und die daraus resultierende Verletzung des Mannes vermeidbar gewesen wären. So hätte einfach abgewartet oder ein Verhandler hätte aufgeboten werden können. Beides sei nicht geschehen.

Die Sondereinheit Argus beim Training. (Bild: az)

Die Sondereinheit Argus beim Training. Bild: az

Das Bundesgericht hat auch den Freispruch vom Hausfriedensbruch aufgehoben. Das Obergericht muss nun einen neuen Entscheid fällen und das Strafmass anpassen. Im ersten Anlauf hatte es den Offizier zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 180 Franken verurteilt.

Die Stürmung der Wohnung im Jahr 2009 führte zu zwei weiteren Anklagen. Der Polizist, der die beiden Schüsse abgab, wurde schliesslich von den Vorwürfen der schweren Körperverletzung und der versuchten vorsätzlichen Tötung freigesprochen. Einen Gruppenleiter der Sondereinheit sprach bereits das Bezirksgericht frei. (whr/sda)

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • andrew1 06.02.2019 20:37
    Highlight Highlight Vielleicht wäre ja etwas schlimmeres passiert wenn sie nicht gestürmt hätten. Tönt etwas gesucht das ganze. Im nachhinein nach 10 Jahren Aktenstudium ist man bestimmt schlauer
  • Chriguchris 06.02.2019 13:46
    Highlight Highlight Und die ganze Nachbearbeitung hat bloss 10 Jahre gedauert.... natürlich soll man sorgfältig und exakt arbeiten aber bitte in einem Tempo in dem weniger Steuergeld verschwendet wird..
    • Hierundjetzt 06.02.2019 14:57
      Highlight Highlight Es waren Ermittlungen und 5 Instanzen bis zur Verurteilung. Das 10 Jahre zu lang sind ist offensichtlich, dass der Verteidiger auf Zeit spielte, ebenso

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