Schweiz
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Glarner krebst im Asyl-Knatsch zurück: Doch keine Klage gegen Studentin Johanna Gündel

Kurz vor Weihnachten krebst Andreas Glarner zurück: Der SVP-Politiker und der Gemeinderat Oberwil-Lieli verzichtet auf eine Anzeige gegen Studentin Johanna Gündel und lädt sie zu einer Aussprache ein. 

Fabian Hägler / Aargauer Zeitung



Andreas Glarner Oberwil-Lieli

SVP-Gemeindeammann Andreas Glarner
Bild: Aargauer Zeitung

«Wir werden Frau Gündel vor unserer Sitzung vom 18. Januar zu einem Gespräch einladen» – das sagt SVP-Gemeindeammann Andreas Glarner auf die Frage, wie der Gemeinderat Oberwil-Lieli im Konflikt mit der kritischen Studentin weiter vorgeht.

Die Behörde sei bei der letzten Sitzung am Montagabend zum Schluss gekommen, keine Anzeige wegen übler Nachrede oder Verleumdung gegen Gündel einzureichen.

Diese hatte vor gut drei Wochen gesagt, Reiche würden in Oberwil-Lieli bevorzugt, Gemeindeammann Andreas Glarner lese ihnen die Wünsche von den Augen ab und die Behörden nähmen es bei guten Steuerzahlern mit den Vorschriften nicht so genau.

Glarner und der Gemeinderat reagierten umgehend: In einem eingeschriebenen Brief forderten sie die Studentin auf, ihre Aussagen zu belegen oder zurückzunehmen. Für den Fall, dass sie dies nicht tue, drohte der SVP-Politiker ihr in der AZ mit einer Klage.

In der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 gab sich Glarner vor einer Woche dann versöhnlicher. Man suche eine Lösung, um Gündel eine goldene Brücke zu bauen, «damit sie wieder aus dieser Sache herauskommt», sagte er. Sie habe sich wohl etwas weit aus dem Fenster gelehnt mit ihren Aussagen, das komme bei jungen Leuten vor.

Johanna Gündel, Oberwil-Lieli

Johanna Gündel kämpft gegen Glarner.
Bild: AZ

Johanna Gündel krebste aber nicht zurück, sondern engagierte den früheren SP-Grossrat Markus Leimbacher als Rechtsanwalt. Dieser liess verlauten, seine Mandantin könne in mindestens drei Fällen ihre Vorwürfe gegen Glarner und den Gemeinderat belegen.

Die entsprechenden Beweise werde sie in einem allfälligen Gerichtsverfahren vorlegen – vorher nicht, um den Persönlichkeitsschutz der involvierten Einwohner zu gewährleisten.

Glarner: «Gibt es bei uns nicht»

So weit kommt es nun nicht, wie Glarner erklärt: «Wir möchten Frau Gündel treffen und mit ihr über ihre Aussagen sprechen.» Er hält an seiner Aussage fest, in Oberwil-Lieli gebe es keine gesetzeswidrige Bevorzugung von guten Steuerzahlern.

«Wer etwas anderes behauptet, müsste dies beweisen und zwar an ganz konkreten Fällen. Herr Leimbacher müsste also aufzeigen, dass ein besonders reicher Einwohner zum Beispiel näher an die Grenze zum Nachbarn bauen, einen illegalen Anbau erstellen oder eine zu hohe Mauer errichten durfte, während ein weniger Wohlhabender dies nicht durfte», sagt Glarner.

Ob die Studentin, die an der Gemeindeversammlung einen Antrag zur Aufnahme von Asylbewerbern durchgebracht hatte, das Gesprächsangebot annimmt, ist offen. Weder Johanna Gündel noch Markus Leimbacher waren für eine Stellungnahme erreichbar. Bereits letzte Woche hatte Leimbacher mitgeteilt, seine Mandantin sei – ebenso wie er selber – über die Festtage bis Anfang Januar in den Ferien.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Frischling 22.12.2015 17:10
    Highlight Highlight Glarners Übung beschreibt für mich leider den täglichen, ganz normalen, schweizerischen Alltag.

    in der Regel warten wir aber vergebens auf unbeschwerte, gut beratene Menschen die mit Standhaftigkeit, Überzeugung, Klugheit und Engagement dem ganz normalen Wahnsinn etwas entgegenhalten können. Hut Ab!
    12 2 Melden
  • Asmodeus 22.12.2015 16:15
    Highlight Highlight Der feine Herr Glarner scheint am Blattersyndrom zu leiden.

    Alle anderen sind schuld und im Unrecht. Nur er hat die Weisheit mit Löffeln gefressen.

    Wenn er merkt, dass er sich verrannt hat, versucht er das Ganze in einen engen Rahmen zu pressen.

    Bei Blatter heisst es: "Beweisen Sie mir, dass ich Geld angenommen habe" während er mit Millionen von CHF die Leute bestochen und Stimmen gekauft hat.

    Bei Glarner heisst es: "...näher an die Grenze zum Nachbarn bauen, einen illegalen Anbau erstellen oder eine zu hohe Mauer errichten..." während vermutlich ähnliche Fälle offensichtlich sind.
    32 4 Melden
  • cassio77 22.12.2015 16:02
    Highlight Highlight glarner kriegt kalte füsse und krebst zurück wie ein kleines mädchen (wie sexistisch, asche über mein haupt)... da beweist die persona non grata wesentlich mehr eier (ooops, I did it again), als dies der grosse glarner bisher tat
    28 3 Melden
  • phreko 22.12.2015 13:51
    Highlight Highlight Wenn jemand angezeigt gehört, dann Glarner selbst!
    85 8 Melden
    • Marbek 22.12.2015 17:02
      Highlight Highlight ... und auf welcher Rechtsgrundlage?
      4 11 Melden
  • Triesen 22.12.2015 12:59
    Highlight Highlight "...damit sie wieder aus dieser Sache rauskommt" - ich habe eher den Eindruck das der stramme SVP-Vertreter allmählich unter öffentlichen Druck gerät. Er hat sich wohl etwas überschätzt oder wurde durch seine Partei schlecht beraten...
    113 8 Melden
  • koks 22.12.2015 12:38
    Highlight Highlight den glarner und seinen svp dorffilz sollte man meines erachtens jetzt weiter ausleuchten. da würde wahrscheinlich erschreckend viel günstlingspolitik, käuflichkeit und amtswillkür zum vorschein kommen. wenn güdel die beweise schon hat, versucht der glarner von der svp jetzt natürlich alles unter den teppich zu kehren.
    83 6 Melden
  • stadtzuercher 22.12.2015 12:23
    Highlight Highlight Mir scheint, der SVP-Glarner hat Schiss bekommen und versucht einen Abgang zur Hintertür raus. Weshalb habe ich das Gefühl, der Glarner hat sich selbst etwas weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Aussagen, der Dorfkönig?
    "Man suche eine Lösung, um Gündel eine goldene Brücke zu bauen, damit sie wieder aus dieser Sache herauskommt, sagte er. Sie habe sich wohl etwas weit aus dem Fenster gelehnt mit ihren Aussagen"
    109 8 Melden
  • ferox77 22.12.2015 12:13
    Highlight Highlight Eine Aussprache ist immer gut. Noch besser allerdings ist, dass nun Oberwil-Lieli Asylbewerber aufnimmt und die dadurch entstehenden Kosten umgehend und ohne jeden Widerspruch bezahlt.
    80 9 Melden
    • koks 22.12.2015 12:40
      Highlight Highlight nein. eine entschuldigung von glarner und der svp wäre das mindeste.
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