Michael Miles ist 71 Jahre alt und hat schon 158 Tauchgänge absolviert. Er ist eine der 44 Personen, die sich an Bord der Sea Story in Ägypten auf einen mehrtägigen Tauchausflug begaben. Das Schiff sank. Nur 33 Personen wurden gerettet.
Am Sonntag kam er aus Ägypten zurück in die Schweiz, am Tag darauf erzählte er seine Geschichte bereits der Redaktion von 24 Heures. Gut eine Woche nach der Tragödie befinde er sich immer noch «im Überlebensmodus», so Miles.
Eigentlich wäre ein anderes Boot vorgesehen gewesen, doch kurzfristig kam die Sea Story zum Einsatz. Geplant war eine fünftägige Kreuzfahrt von Port Ghalib aus. Miles hatte bei der Abreise bereits eine Art Vorahnung: «Für mich war die Sea Story mit ihren vier Decks zu hoch für ein Boot, das keinen Kiel hat.» Eine Kieleinrichtung hätte der Sea Story Stabilität gegeben, doch sie hatte keine.
Als am Sonntag vor einer Woche die Reise begann, fand ein erster Tauchgang an einem kleinen Riff statt. So sollte das Niveau der 31 Touristen getestet werden. Ein zweiter Tauchgang fand bei Nacht statt. Zu einem dritten kam es nicht mehr.
Mitten in der ersten Nacht traf eine riesige Welle eine Seite der Sea Story. Miles schildert den Moment:
Er öffnete die Tür, doch der Gang war bereits zu zwei Dritteln überflutet. In der Kabine stieg das Wasser. Die beiden Hobbytaucher wollten zuerst aus dem Schiff tauchen, doch sie schätzten ihre Überlebenschancen höher ein, wenn sie in ihrer Kabine bleiben würden.
Es hatte sich eine Luftblase gebildet, die ihnen das Atmen ermöglichte. Die Möbel in der Kabine waren durch die Wellen stark beschädigt, Nägel verletzten Miles und den Finnen. Die Notsender an ihren Rettungswesten funktionierten nicht – es waren keine Batterien eingelegt.
Der Waadtländer erzählt, er habe nie Angst gehabt. Er sei in voller Alarmbereitschaft gewesen. Doch das Zeitgefühl schwand allmählich:
Am nächsten Morgen nahm Miles eine Abschiedsbotschaft für seine Frau und seine zwei Töchter auf – für den Fall der Fälle.
Doch als der Gang bereits vollständig unter Wasser war, sah er durch einen Schlitz in der Kabinentür einen Lichtstrahl.
Miles und sein finnischer Gefährte kämpften sich schliesslich mit Flaschen ausgerüstet durch einen 60 Zentimeter langen Schacht und eine offene Luke, in völliger Dunkelheit. Dann endlich waren sie an der frischen Luft. Nach 36 Stunden unter Wasser.
Vier Personen konnten nur noch tot geborgen werden, sieben werden weiterhin vermisst.
Miles hingegen ist überzeugt, dass er wieder tauchen gehen wird, sogar im Roten Meer.
(rbu)
Was stimmt hier nicht? Horror!