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Gesunkene Sea Story in Ägypten: Schweizer erzählt, wie er überlebte

Schweizer überlebte Schiffunglück in Ägypten – jetzt spricht er

03.12.2024, 10:5003.12.2024, 15:37
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Michael Miles ist 71 Jahre alt und hat schon 158 Tauchgänge absolviert. Er ist eine der 44 Personen, die sich an Bord der Sea Story in Ägypten auf einen mehrtägigen Tauchausflug begaben. Das Schiff sank. Nur 33 Personen wurden gerettet.

Am Sonntag kam er aus Ägypten zurück in die Schweiz, am Tag darauf erzählte er seine Geschichte bereits der Redaktion von 24 Heures. Gut eine Woche nach der Tragödie befinde er sich immer noch «im Überlebensmodus», so Miles.

«Meine Priorität ist es, die Kontrolle über mein Leben zurückzugewinnen, das mir an Bord dieses Boots entglitten ist. Es geht darum, meinen verletzten Körper wieder in Ordnung zu bringen.»
Michael Miles

Die Reise

Eigentlich wäre ein anderes Boot vorgesehen gewesen, doch kurzfristig kam die Sea Story zum Einsatz. Geplant war eine fünftägige Kreuzfahrt von Port Ghalib aus. Miles hatte bei der Abreise bereits eine Art Vorahnung: «Für mich war die Sea Story mit ihren vier Decks zu hoch für ein Boot, das keinen Kiel hat.» Eine Kieleinrichtung hätte der Sea Story Stabilität gegeben, doch sie hatte keine.

Sea Story
Eine vorläufige Untersuchung ergab, dass die Sea Story keine technischen Mängel hatte.Bild: liveaboard

Als am Sonntag vor einer Woche die Reise begann, fand ein erster Tauchgang an einem kleinen Riff statt. So sollte das Niveau der 31 Touristen getestet werden. Ein zweiter Tauchgang fand bei Nacht statt. Zu einem dritten kam es nicht mehr.

Die Welle

Mitten in der ersten Nacht traf eine riesige Welle eine Seite der Sea Story. Miles schildert den Moment:

«Ich teilte meine Kabine mit einem Finnen auf dem unteren Deck. Er flog durch die Luft und wurde auf mein Bett geschleudert. Das Boot kippte um. Der Boden war zur Decke geworden und umgekehrt.»

Er öffnete die Tür, doch der Gang war bereits zu zwei Dritteln überflutet. In der Kabine stieg das Wasser. Die beiden Hobbytaucher wollten zuerst aus dem Schiff tauchen, doch sie schätzten ihre Überlebenschancen höher ein, wenn sie in ihrer Kabine bleiben würden.

Es hatte sich eine Luftblase gebildet, die ihnen das Atmen ermöglichte. Die Möbel in der Kabine waren durch die Wellen stark beschädigt, Nägel verletzten Miles und den Finnen. Die Notsender an ihren Rettungswesten funktionierten nicht – es waren keine Batterien eingelegt.

Der Waadtländer erzählt, er habe nie Angst gehabt. Er sei in voller Alarmbereitschaft gewesen. Doch das Zeitgefühl schwand allmählich:

«Die Stunden vergingen. Wir fühlten uns allein. Niemand suchte nach uns. Wir hörten nichts. Niemanden, der uns mit dem Megafon rief.»
Michael Miles

Am nächsten Morgen nahm Miles eine Abschiedsbotschaft für seine Frau und seine zwei Töchter auf – für den Fall der Fälle.

Doch als der Gang bereits vollständig unter Wasser war, sah er durch einen Schlitz in der Kabinentür einen Lichtstrahl.

«Ich schob eine schwere, mit Wasser gefüllte Matratze beiseite, die den Eingang versperrte, zog an der Klinke und sah Blasen. Endlich Taucher!»

Miles und sein finnischer Gefährte kämpften sich schliesslich mit Flaschen ausgerüstet durch einen 60 Zentimeter langen Schacht und eine offene Luke, in völliger Dunkelheit. Dann endlich waren sie an der frischen Luft. Nach 36 Stunden unter Wasser.

Vier Personen konnten nur noch tot geborgen werden, sieben werden weiterhin vermisst.

Miles hingegen ist überzeugt, dass er wieder tauchen gehen wird, sogar im Roten Meer.

(rbu)

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Amseilruntertaucher
03.12.2024 11:21registriert August 2021
36 Stunden für ein Eintreffen eines Rettungstauchers 40 km vor der Küste?
Was stimmt hier nicht? Horror!
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ReMoo
03.12.2024 13:17registriert Dezember 2020
Was mich erstaunt das 2 Personen so lange in einer Luftblase überleben konnten, der Sauerstoff in der Luft hält nicht all zu lange, es sei den die Luftblase war sehr gross, aber 2er Schlafkabinen auf Safaribooten sind meistens nicht sehr gross. Aber toll das er überlebt hat
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Walter Sahli
03.12.2024 12:55registriert März 2014
Verstehe ich das richtig, die Rettungstaucher haben ihnen Tanks und Atemregler in die Kabine gebracht? Und Tarierwesten? Aber keine Lampe? Oder war es eher so, dass sie sich bei den Rettungstauchern an den Oktopus gehängt haben und von ihnen rausgezogen wurden? Die obige Schilderung hinterlässt bei mir viele offene Fragen.
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