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Wallis lehnt Solarenergie-Projekt ab: So geht es nun weiter

Une vue de l'installation test des panneaux solaires pour le projet Grengiols Solar a une altitude de 2'500 metres le jeudi 20 juillet 2023 a Furggerschaeller dans le Saflischtal au-dessus d ...
Eine Testanlage für das Projekt Grengiols Solar. Seit Sonntag ist seine Zukunft ungewiss.Bild: keystone
Analyse

Trotz Nein im Wallis: So kann der Solarexpress gelingen

Das Walliser Stimmvolk hat dem Bau alpiner Solaranlagen einen Dämpfer versetzt. Das Nein aber ist selbst verschuldet. Wie man es besser macht, zeigt der Nachbarkanton Bern.
13.09.2023, 05:26
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Der Solarexpress ist am Sonntag im Wallis nicht entgleist. Aber aus dem Schnellzug wurde «ein Bummler», wie der enttäuschte Energiedirektor Roberto Schmidt (Neo/Mitte) feststellte. Mit knapp 54 Prozent Nein lehnte das Stimmvolk ein Dekret ab, das den Bau alpiner Solaranlagen im Bergkanton beschleunigen und vereinfachen wollte.

Nun bleibt er möglich, muss aber das ordentliche Bewilligungsverfahren durchlaufen. Damit scheint es zumindest fraglich, ob die Kriterien des vor einem Jahr vom Parlament in Bern beschlossenen Solarexpress erfüllt werden können. Demnach müssen alpine Anlagen bis Ende 2025 teilweise ans Netz gehen, damit sie Bundessubventionen erhalten.

Das Walliser Nein ist ein Dämpfer für den mit dem Bundesgesetz erhofften raschen Zubau von solarem Winterstrom. Gibt es sogar «grünes Licht für den Atom-Express», wie ein aus dem Oberwallis stammender NZZ-Journalist insinuiert? Angesichts des massiven Widerstands, den diese Idee provozieren würde, kann man darüber nur schmunzeln.

«Nicht gegen alpine Solarenergie»

Die Akzeptanz von Solarstrom hingegen ist und bleibt hoch. Selbst Brigitte Wolf, die Präsidentin der Oberwalliser Grünen und treibende Kraft beim Referendum gegen das Regierungsdekret, betonte in der SRF-«Tagesschau», die Bevölkerung sei «nicht gegen solare Energie und nicht gegen alpine Solarenergie». Es gehe um die Verfahren.

In dieser Hinsicht ist im Wallis tatsächlich einiges schiefgelaufen. Nach der Verabschiedung des Solarexpress in Bern entstand so etwas wie Goldgräberstimmung. Das beste Beispiel ist die geplante Anlage im Saflischtal oberhalb von Grengiols im Oberwallis, die vom früheren SP-Präsidenten und heutigen Briger Hotelier Peter Bodenmann propagiert worden war.

Unseriöse Planung

Erste Visualisierungen zeigten ein mit fast einer Million Solarpanels zugepflastertes Bergtal. Sie dürften eine abschreckende Wirkung gehabt haben. Inzwischen ist das Projekt stark geschrumpft, denn einige Aspekte wurden unterschätzt. Die Initianten verweisen auf die Bundesverordnung, wonach bis Ende 2025 zehn Prozent der Anlage am Netz sein müssten.

Grengiols Solar: Visulasierungen Frühjahr 2023 – nicht mehr aktuell.
Fast eine Million Solarpanels in einem unberührten Bergtal: So sollte Grengiols Solar ursprünglich aussehen.Bild: Nightnurse Images AG

Für die Gegner des Solarparks war die Planung schlicht unseriös. Das Problem sei nicht der rechtliche Rahmen, sondern die Natur. Tatsächlich kann in den Bergen nur in einem beschränkten Zeitfenster gebaut werden. Hinzu kommt ein im Wallis verbreiteter Reflex: Umweltschützer werden nicht selten als «Feinde» betrachtet, vor allem beim Reizthema Wolf.

Sechs bis neun Anlagen in Bern?

«Bei uns im Wallis geht niemand auf die Umweltverbände zu», sagte Brigitte Wolf gegenüber CH Media. Wie man's besser macht, zeigt der Nachbarkanton Bern. Dort haben die zuständigen Ämter im Austausch mit Umweltorganisationen und weiteren Interessengruppen eine Liste mit geeigneten Standorten für alpine Solarparks ausgearbeitet.

Bern werde bis Ende 2025 «sechs bis neun alpine Photovoltaikanlagen am Netz haben», sagte der kantonale Energiedirektor Christoph Ammann (SP) vorletzte Woche bei der Einweihung einer Pilotanlage in der Gemeinde Saanen. Der WWF bezweifelt dies, doch auch er hält gemäss CH Media gegen ein halbes Dutzend Projekte für realisierbar.

Nur in erschlossenen Gebieten

Für die Umweltorganisationen entscheidend ist die Wahl des Standorts. «Die Anlagen sollen in Gebieten gebaut werden, die bereits durch Strassen und Bergbahnen genutzt werden und auch mit Stromleitungen in ausreichender Kapazität erschlossen sind», teilte die Schweizerische Energiestiftung (SES) nach der Walliser Abstimmung mit.

Des skieurs descendent la piste du domaine skiable entre Les Mazots et Les Diablerets le mardi 27 decembre 2022 dans les Alpes vaudoises. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
Skipisten wie hier in den Waadtländer Alpen sind ein starker Eingriff in die Natur. Und bieten sich an für alpine Solaranlagen.Bild: keystone

Also möglichst nicht in unberührten Landschaften wie dem Saflischtal. Sondern zum Beispiel am Rand von Skipisten. Diese stellen bereits einen starken Eingriff in die Natur dar. Und der dort gewonnene Strom kann vor Ort verwendet werden, für Beschneiungsanlagen, Lifte, Bahnen und Beizen. Dies entlastet im Winter die Stromversorgung im Flachland.

«Energielandschaft» am Nufenen

In der «Skination» Schweiz ist das Potenzial beträchtlich. Auch Staumauern und Stauseen bieten sich an für den Bau von Solarkraftwerken. Brigitte Wolf verweist auf die grossen Windturbinen am Nufenenpass. Daneben könne man einen Solarpark erstellen, «wir hätten dann dort eine Energielandschaft», sagte die streitbare Walliser Grüne zu CH Media.

Alpine Anlagen für Winterstrom können auch nach der Abstimmung vom Sonntag schnell realisiert werden. Voraussetzung ist der Einbezug aller relevanten Player schon in der Planungsphase und die Nutzung «von bestehender Infrastruktur und bereits belasteten Gebieten», so die SES. So kann der Solarexpress gelingen – sogar im «renitenten» Wallis.

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101 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Spina_iliaca
12.09.2023 08:28registriert November 2017
Wenn die Walliser ihre Skigebiete nur noch mit Solarstrom betreiben dürften, ginge es plötzlich ganz schnell 😀
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offgrid
12.09.2023 06:57registriert Oktober 2019
Der Fluch der erneuerbaren wie Wind und Sonne ist, dass sie Platz brauchen und zwar so richtig viel. Man sollte aber meinen, dass bei 25.5% Naturfläche und 30.8% Waldfläche 0.5% für Energieproduktion genutzt werden könnten ohne in eine Biodiversitätskrise zu laufen. Damit könnten wir die Schweiz ohne AKW, Gas und Öl mit 100% erneuerbarer Energie versorgen. Reden ist silber, handeln ist Gold. Go Parlament, go!
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Katerchen
12.09.2023 08:44registriert März 2023
Die Überlegung mit den Solaranlagen in den Skigebieten wo der Strom gleich vor Ort verbraucht werden kann macht in meinen Augen Sinn.
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