Schweiz
Energie

Grengiols-Solar: Solaranlage im Wallis wird kleiner als einst geplant

Riesen-Solaranlage im Wallis wird massiv kleiner als einst geplant

15.05.2023, 13:0915.05.2023, 17:23

Statt fast einer Million Solarpanels sind nur noch rund 160'000: Die Initianten haben das Solarprojekt im Oberwalliser Saflischtal stark verkleinert. Das noch vor zwei Monaten als machbar bezeichnete Potenzial von jährlich 600 Gigawattstunden Strom lässt sich laut den Projektverantwortlichen nun jedoch bei weitem nicht ausschöpfen.

Grengiol Solar: Angepasste Visualisierungen Mai 2023
Die geplanten 160'000 Solarmodule im Saflischtal.Bild: Nightnurse Images AG

Der rechtliche Rahmen und der Faktor Zeit würden dem Projekt Grenzen setzen, heisst es in einer Mitteilung von Grengiols-Solar vom Montag. Die Projektverantwortlichen wollen sich nach eigenen Angaben am «Realisierbaren orientieren».

Auf einer Fläche von rund einem Quadratkilometer sollen nun rund 160'000 Solarmodule jährlich ungefähr 110 Gigawattstunden Strom liefern. Das entspricht dem Strombedarf von rund 37'000 Haushalten. 42 Prozent des Stroms sollen im Winter produziert werden.

Ursprünglich gingen die Initianten von 910'000 Solarmodule auf 3,4 Quadratkilometern Fläche aus, die rund 600 Gigawattstunden Strom pro Jahr produzieren könnten.

So viel kleiner ist das Projekt nun:

image after
image before

Die Zeit drängt

Die Initianten begründen die Verkleinerung mit den Rahmenbedingungen: Bis Ende 2025 müssten ein Teil oder mindestens 10 Prozent des Stroms ins Netz eingespeist und bis Ende 2030 die gesamte Anlage vollständig in Betrieb genommen werden. So schreiben es die Verordnungen zum Bau alpiner Photovoltaikanlagen vor. Deshalb habe man das Projekt redimensioniert – auch wenn so nur ein Teil des Potenzials ausgeschöpft werden können.

Die alpine Solaranlage soll auf 2500 Metern über Meer im Naturpark Binntal im Saflischtal gebaut werden. Sie ist eines von sechs angekündigten Solarparkprojekten im Wallis und Teil der nationalen Solaroffensive.

Die Initianten des Projekts sind die Walliser Elektrizitätswerke FMV, die Gemeinde Grengiols und die Energie Brig-Aletsch-Goms (EnBAG). Hinzu kommen Schweizer Partner wie das Westschweizer Energieunternehmen Groupe E, die Industriellen Werke Basel (IWB) und die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ).

Anschluss ans Netz steht

Gemäss den Initianten ist der Anschluss ans Netz gesichert: Der Strom der Solaranlage soll nach Heiligkreuz abgeleitet und dort in die bestehende, ins Rhonetal führende 65-Kilovolt-Leitung der Gommerkraftwerke eingespiesen werden. Die Kapazität der Leitung genüge für den Abtransport des Solarstroms. Auch bei der bestehenden Übertragungsleitung der Swissgrid im Rhonetal sei die nötige Kapazität vorhanden.

Ziel ist es, das Bauprojekt bis Ende 2023 beim Kanton Wallis einzureichen. Die Grundeigentümer und die Bevölkerung von Grengiols müssen den Plänen zuvor allerdings zustimmen.

«Ob und wie das weitere Potenzial von Grengiols-Solar in Zukunft ausgeschöpft werden kann oder soll, hängt vom rechtlichen Rahmen, vom politischen Willen und letztlich von der gesellschaftlichen Akzeptanz ab», halten die Projektpartner in der gemeinsamen Mitteilung fest.

Natur setzt Grenzen

Die IG Saflischtal bezeichnete es als wenig überraschend, dass das das Projekt erneut verkleinert wird. Sie wirft den Verantwortlichen jedoch vor, die Redimensionierung mit ungünstigen rechtlichen Bedingungen zu begründen. Damit wollten sie davon ablenken, dass die Planung von Grengiols Solar und der nationalen Solaroffensive überstürzt und unseriös gewesen sei.

Nun sei das Projekt 20 Mal kleiner als ursprünglich geplant. «Der Solartraum platzt wie eine Seifenblase», schreibt die Interessengemeinschaft Saflischtal. Grenzen setze aber die Natur und nicht der rechtliche Rahmen.

Die Gruppierung fordert weiter, dass das Projekt ganz aufgegeben wird. Im Binntal, einem regionalen Naturpark von nationaler Bedeutung, seien die technischen Herausforderungen zu gross, die Geologie zu ungeeignet, der Eingriff in die Natur zu massiv und die Akzeptanz in der Bevölkerung zu gering. (mlu/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die herzigste Solaranlage der Welt steht in China
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
So teuer ist Parkieren in der Schweiz – in Bern und am Oeschinensee wird's richtig happig
Eine Stunde Parkieren kostet in Bern fünfmal so viel wie in Frauenfeld. Und wer in Davos sein Ticket verliert, zahlt 300 Franken. Ein Vergleich zeigt, wo es teuer wird.
Spätestens seit den höheren Parkgebühren im Alpstein ist klar: Das Auto abzustellen, kann einen Ausflug spürbar verteuern. Die Reiseplattform HolidayCheck hat die Tarife von über 180 Parkhäusern und Parkplätzen in 20 Schweizer Städten sowie an mehr als 30 Ausflugszielen ausgewertet. Das Fazit: Wer nicht vorher nachschaut, zahlt schnell drauf.
Zur Story