Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Gefechtsuebung des Panzerbataillons 14 am Medientag der RUAG und der Schweizer Armee im Gefechtsausbildungszentrum (GAZ) in Bure, am Mittwoch, 26. April 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Die Führungsspitze der Schweizer Armee hat ein Mobbing-Problem. Bild: KEYSTONE

Die beste Intriganten-Truppe der Welt – die Armee hat ein Mobbing-Problem

Die Armee hat ein Führungsproblem: Intrigen bringen Kadermänner zu Fall – nun interveniert ein Gericht.

andreas Maurer / schweiz am wochenende



Ein Artikel von

Der Führungsstab der Armee ist für die grossen Einsätze des Schweizer Militärs verantwortlich. Derzeit ist er aber mit anderen Fragen beschäftigt. Hat ein Kadermann einen seiner Untergebenen als «Idiot» und «Arschloch» bezeichnet? Nein, er bezeichnete ihn als «Hobbyjuristen». Dies ist eines der Resultate einer seit 2015 laufenden Disziplinaruntersuchung.

Angeordnet hatte sie der damalige Armeechef André Blattmann. Er liess den Beschuldigten freistellen und ihm 2016 die Kündigung schicken. Nun stellt das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 3. Mai 2017 fest, dass die Armee den altgedienten Führungsmann zu Unrecht fallen gelassen hat. Es hiess seine Beschwerde gut.

Das Verteidigungsdepartement wirft dem Mann vor, sich diffamierend über Mitarbeiter, Vorgesetzte und höchste Kaderangehörige der Armee geäussert zu haben. Er solle «grosse formelle und informelle Macht» ausgeübt haben und ihm missliebige Mitarbeiter in den offiziellen Beurteilungsstufen degradiert, einen unqualifizierten Leutnant hingegen befördert haben. Zudem habe er über einen Bewerber einen Strafregisterauszug einholen lassen, obwohl auch dies nicht erlaubt sei. Eine Kontrollinstanz habe er umgestaltet, um deren Einfluss zu reduzieren.

Geheime Ermittlungsakten

Der Beschuldigte sieht sich als Opfer einer Intrige einiger weniger Mitarbeiter. Die Armeeführung legte ihm nur Zusammenfassungen der Untersuchungsergebnisse vor, zum Beispiel ein Dokument mit dem Titel «Üble Nachrede». Darin wird aufgelistet, wann er welche Armeeangehörige beleidigt habe. Die Quellen hält die Armee geheim, um die Mitarbeiter zu schützen. Sie gibt auch nicht an, wie die Befragungen durchgeführt wurden.

Die St.Galler Richter werfen dem Führungsstab der Armee nun vor, das rechtliche Gehör des Beschuldigten verletzt und die Untersuchungspflicht nicht erfüllt zu haben. Da die Armee dem Mann ein generelles problematisches Führungsverhalten, aber keine einzelnen konkreten Handlungen vorwerfe, hätte sie die Beweise besonders breit abstützen sollen. Der Führungsstab muss den Fall deshalb nochmals aufrollen. Das könnte teuer enden. Der freigestellte Kadermann bezieht seit zwei Jahren Lohn, ohne zu arbeiten. Er fordert zusätzlich eine Entschädigung von zweieinhalb Jahreslöhnen, falls er nicht weiterbeschäftigt wird.

«Vor dem Hintergrund dieser Indiskretionen gibt es tatsächlich ein paar höhere Offiziere, die nochmals in den Kindergarten müssten.»

Ueli Maurer, Ex-VBS-Chef

Der Fall illustriert, dass SVP-Bundesrat Ueli Maurer seinem Nachfolger Guy Parmelin nicht wie angekündigt die beste Armee der Welt hinterlassen hat, sondern eher die beste Intriganten-Truppe. Das schlechte Arbeitsklima war einer der Gründe, die Maurer den Wechsel ins Finanzdepartement erleichtert hatten. Nach der Stabübergabe äusserte er sich im «Blick» zu den internen Machtkämpfen und Intrigen um das Rüstungsprojekt Bodluv. Maurer sagte: «Vor dem Hintergrund dieser Indiskretionen gibt es tatsächlich ein paar höhere Offiziere, die nochmals in den Kindergarten müssten.»

Parallelen zum Fall Stettbacher

Zum aktuellen Fall will sich die Armee nicht äussern, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Sprecher Daniel Reist sagt, das Arbeitsklima im Führungsstab sei grundsätzlich gut. Auch die Disziplinaruntersuchung deutet er positiv: «Wie der vorliegende Fall zeigt, werden Hinweise von Mitarbeitenden sehr ernst genommen und detailliert abgeklärt.» Es handle sich um den ersten Fall des Führungsstabs, der bis vor Gericht gelangt sei.

Was es bedeuten kann, wenn die Armeeführung Hinweise der Mitarbeiter ernst nimmt, erlebt auch Oberfeldarzt Andreas Stettbacher. Im Dezember 2016 stellte ihn das Verteidigungsdepartement frei, zeigte ihn wegen Vermögensdelikten an und teilte dies öffentlich mit. Der Arzt geriet in die Schlagzeilen. Es hiess, er habe Weihnachtsessen für 500 Franken pro Person organisiert. Das wäre allerdings noch kein Grund für ein Strafverfahren.

Andere Gründe hat ein eingesetzter Strafrechtler bisher nicht gefunden. Er vereinbarte mit der Militärjustiz, er würde sie umgehend informieren. Bei der Militärjustiz heisst es, die im April in der «Schweiz am Wochenende» gemachte Aussage sei aktuell: «Wir warten immer noch auf Ergebnisse.» Aus Stettbachers Umfeld hiess es damals, er sei Opfer eines Rufmords.

Wie im neu aufgetauchten Fall handelt es sich um Schüsse aus den eigenen Reihen. Ob sie zu Recht oder zu Unrecht abgefeuert wurden, müssen die Untersuchungen zeigen. Bei beiden Varianten ist der Schaden für die Armee beträchtlich.

So rüstete sich die Armee im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis: Das Reduit

Das könnte dich auch interessieren:

«So sehen Depressionen aus» – Facebookpost einer jungen Frau geht viral

Link zum Artikel

Kann Basel YB wieder gefährlich werden? Alle Transfers der Super League im Überblick

Link zum Artikel

Mehr Spass! Hier kommen die 24 lustigsten Fails, die das Internet gerade zu bieten hat

Link zum Artikel

Kommen Sie, kommen Sie! PICDUMP!

Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

16
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mantarochen 28.05.2017 23:09
    Highlight Highlight Würde diese Armee nicht immer solchen Scheiss abziehen, würden sie auch besser dastehen und mehr Leute wären bereit, ins Militär zu gehen. Soll man sich nun von den Möchtegernchefs anschreien und beleidigen lassen?

    Aber nein, schon am Orientierungstag muss man sich diese Schundpropaganda anhören. Der Orientierungstag und der halbe Tag bei der Aushebung vor dem Doppel-UT waren die grösste Zeitverschwendung in meinem Leben. Da schmerzt die Wehrpflichtersatzabgabe schon gleich viel weniger.

    Bringt diese Armee mal auf den Stand von heute, es geht mehr mit Anstand und höflicher Disziplin.
  • Sicher..,nicht immer. 28.05.2017 17:15
    Highlight Highlight ...aber, aber Ueli. Dein Spruch ist eine Beleidigung an den Kindergarten und die Kindergärteler.
  • 7immi 28.05.2017 16:54
    Highlight Highlight dass hier einige militärler rumzicken ist nicht gut, ein mobbingproblem hat sie deshalb aber nicht. sobald menschen da sind menschelt es eben und es gibt differenzen, sei es das militär, ein bundesamt, eine firma, ein verein, die polizei, die feuerwehr, usw. scheinbar erwartet man beim militär eine nulltoleranz diesbezüglich, was aber nicht realistisch ist... toll ist es nicht, wir sind aber alle nur menschen, egal welche kleider wir tragen.
  • demian 28.05.2017 16:53
    Highlight Highlight Ach alles halb so wild, die verblödeln ja nur Steuergelder....
  • Lowend 28.05.2017 16:05
    Highlight Highlight Seit das bewusste, kampagnenmässige Mobbing gegen Armeechefs, Nationalbank- oder Stadtpräsidenten, WissenschaftlerInnen und vielen anderen zum normalen Mittel der Schweizer Politik geworden ist, darf man sich nicht wundern, dass dieses Verhalten auch in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen immer öfter zum Normalfall wird.

    Die Frage, wer dieses Polit-Mobbing zum Dauerwahlkampf mit möglichst hinterhältigen Angriffen auf die Person erfunden hat und wer dafür Millionenbeträge ausgegeben hat, ist da eher eine rhetorische.
    • Moti_03 28.05.2017 19:38
      Highlight Highlight Bei dir ist schon immer nur jemand schuld.. Langweilig, gähn.... Alles so zusammengesetzt das es in dein ideologisches Weltbild passt.. Man muss ja schon komplexe haben.
    • 7immi 28.05.2017 21:03
      Highlight Highlight @moti
      so funktioniert nun mal die ideologie: sich es einfach machen und gegen etwas hetzen (bei lowend SVP (habe ich jetzt einfach mal so spontan erraten)) und den gleichen ebendies zu unterstellen. generell lässt sich damit auch denkenergie sparen. bei abstimmungen muss man sich nicht mehr dem mühseligen abwägen und eine eigene meinung bilden. wenns von links kommt ists sicher gut, von rechts sicher schlecht. immer. und wer das nicht checkt ist ein nazi. amen
    • Lowend 28.05.2017 23:36
      Highlight Highlight Und als ob sie es beweisen möchten, wie richtig meine Analyse ist, spielen Moti_03 und 7immi gleich voll auf den Mann und verunglimpfen meine Person, vermutlich um mich so zu mobben und unglaubwürdig zu machen.

      Faktisch haben beide rein gar nichts zu erwidern, da sie lieber beweisen, dass die Verluderung des Umgangstons genau von ihrer Seite kommt. QED.

      PS: Die überproportionale "Ablehnung" und "Zustimmung" lässt jeden Mathematiker schmunzeln und wer es nötig hat, solche Pools zu manipulieren, zeigt nur sein armseliges Wesen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • gügschh 28.05.2017 16:02
    Highlight Highlight Wenn jemand von jemanden Oberrangugem als Arschloch bezeichnet wird und dann zu noch höheren " Gerichten" heulen geht, gehört nicht ins Militär.
    • John Smith (2) 28.05.2017 18:13
      Highlight Highlight Richtig. Das sollen sie gefälligst wie echte Männer im Morgengrauen mit dem aufgepflanzten Bajonett ausfechten.
  • Menel 28.05.2017 15:10
    Highlight Highlight Zicken-Krieg 😂

Der Armee gehen die Soldaten aus – und Schuld sei der Zivildienst

Der Bundesrat schlägt Alarm: Weil zu wenige Dienstpflichtige Militärdienst leisten, kann die Armee die von ihr geforderte Leistung nicht erbringen. Auch die Ausrüstung der Verbände ist noch nicht komplett.

Die Weiterentwicklung der Armee, bekannt auch unter dem Kürzel WEA. Die entsprechende Armeereform wird seit 2018 umgesetzt und ist laut Bundesrat grundsätzlich auf Kurs. Die verbesserte Kaderausbildung, die regionale Verankerung und die höhere Bereitschaft eines Teils der Formationen …

Artikel lesen
Link zum Artikel