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Es hat sich ausgejasst: So werden die Online-Jasser beim SRF seit kurzem begrüsst.  screenshot: srf

Weshalb das SRF 40'000 Jassern die Karten wegnimmt

Onlinegame: Das Schweizer Fernsehen schliesst aus finanziellen Gründen das beliebte Spiel «Samschtig-Jass»

fabio vonarburg / Aargauer Zeitung



Die Internetseite des Schweizer Fernsehens (SRF) war jahrelang ein Treffpunkt für Jasser. 24 Stunden am Tag klopften leidenschaftliche Spieler die Karten, spielten über das Internet gegeneinander oder gegen den Computer einen Schieber, Coiffeur oder Differenzler. Gemütlich von zu Hause aus.

Nun hat es sich ausgejasst – die Kartenspieler werden vertrieben. Nach zehn Jahren stellt SRF das Onlinespiel «Samschtig-Jass» per 1. Januar ein. Diese Meldung können die 40'000 registrierten Jasser auf der Website von SRF lesen.

Die App ist gerettet

Auf Anfrage der «Nordwestschweiz» begründet SRF den Entscheid: «Es entspricht nicht dem Kernauftrag von SRF, unterhaltende Onlinegames zu produzieren und bereitzustellen», schreibt SRF-Mediensprecherin Corinne Bauer. Deshalb habe man entschieden, weniger Mittel in solche Begleitprodukte zu investieren. Von diesem Entscheid ist in erster Linie die Online-Version des Spiels betroffen. Denn die Jass-App ist gerettet. Swisslos hat die Technologie von SRF übernommen.

Das Spiel für SRF entwickelt und betreut hat die Firma Optobyte AG aus dem Kanton Aargau. «Wir sind nicht enttäuscht von SRF», sagt Geschäftsleiter Werner Bättig. Dass ein Unternehmen nach 10 Jahren ein Projekt beende, dafür hätte er Verständnis. Leid tue es ihm aber für die Online-Jasser. «Es ist in den letzten Jahren eine grosse Community entstanden, die nun bald ohne Spiel dasteht.»

«Es entspricht nicht dem Kernauftrag von SRF, unterhaltende Onlinegames zu produzieren und bereitzustellen.»

Corinne Bauer, SRF-Sprecherin

Am Abend spielen meist über 1000 Personen gleichzeitig auf dem Portal. Darunter häufig auch Yvonne Stanik aus Wettingen. Sie jasst seit drei Jahren auf der Website, hat dabei mehr als 7000 Jasspartien bestritten, sich mittels Chatfunktion mit anderen Jassern ausgetauscht und Bekanntschaften geschlossen.

Über das Aus des Spiels schreibt sie: «Sie können sich kaum vorstellen, was das für Tausende Spieler bedeutet. Vieles sind alleinstehende, ältere und kranke Leute, die sich so mit Gleichgesinnten unterhalten und spielen konnten.»

Nun müssen Yvonne Stanik und die anderen Online-Jasser eine Alternative finden. Jene, die möglichst nach demselben Spiel suchen, werden zukünftig auf den Internetseiten www.schieber.ch oder auch www.differenzler.ch fündig. Über diese Adressen bietet Optobyte ab Neujahr eine beinahe Original-Kopie des Spiels an. Bättig: «Wer das Spiel auf SRF geschätzt hat, wird auch den Ersatz mögen.» Das Spiel ist kostenlos und soll mittels Werbung finanziert werden.

SRF wusste von nichts

SRF hat bisher ihre Online-Community nicht über dieses Ersatzangebot informiert, sondern antwortete auf Anfragen von enttäuschten Jassern: «Eine Übergabe an eine neue Betreiberin kam, anders als bei der Jass-App, nicht infrage.» Auf Nachhaken der «Nordwestschweiz» begründet SRF, man habe erst seit kurzem Kenntnis über das Ersatzspiel und habe seither Interessierte über dieses Angebot informiert. Doch auf der Website von SRF fehlte auch am Dienstagabend noch ein entsprechender Hinweis.

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