Schweiz

Demo gegen Spesenexzesse in Genfer Stadtregierung

Wütende Proteste vor dem Genfer Stadtparlament

13.11.2018, 20:3213.11.2018, 20:47

In Genf haben am Dienstag rund hundert Personen auf der Strasse lautstark ihre Missbilligung über die exzessiven Spesenbezüge der Genfer Stadtregierung bezeugt. Im Stadtparlament stand am Abend eine Debatte über die politischen Konsequenzen der Spesen-Affäre an.

Spesenexzesse in Genfer Stadtregierung treiben Menschen auf die Strasse

1 / 6
Wütende Proteste vor der Genfer Stadtregierung
Die Demonstranten warteten vor dem Stadtparlament. Dort stand am Abend eine Debatte über die politischen Konsequenzen der Spesen-Affäre an.
quelle: keystone / salvatore di nolfi
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Die Parlamentsmitglieder wurden mit Pfiffen und Rücktrittsforderungen auf Transparenten zu ihrer Open-End-Sitzung empfangen. Zum Protest aufgerufen hatte Jérôme Fontana, GLP-Vizepräsident im Kanton Genf. Das Stadtparlament wollte am Dienstagabend über die Konsequenzen diskutieren, die aus dem Bericht des Rechnungshofes zu ziehen seien.

Keine Worte für die Wut

«Die Bevölkerung ist schockiert», sagte Ratspräsident Eric Bertinat (SVP) vor dem Eintreten in den Ratssaal. Man werde eine Lösung finden müssen. Ein möglicher Weg wäre, von den Ratsmitgliedern die vollständige Rückzahlung der Spesen zu fordern.

Sämtliche Parteien hatten sich nach der Veröffentlichung des Berichtes über die zum Teil masslosen Spesenbezüge der Stadtregierung erbost gezeigt und dringliche Vorstösse eingereicht. Fontana kritisierte «inakzeptables Verhalten» der Mitglieder der Stadtregierung und forderte vollständige Transparenz bei den Spesen.

Juristische Folgen

Die Kundgebungsteilnehmer forderten auf Transparenten den Rücktritt der Regierungsmitglieder und nannten sie «Diebe». Eine 64-jährige Frau, die sich als einfache Stimmbürgerin und Steuerzahlerin bezeichnete, sagte, sie finde keine genügend harten Worte, um ihre Wut über die Regierung auszudrücken.

Die Auswüchse bei den Spesen der Genfer Stadtregierung haben auch juristische Folgen. Die Genfer Staatsanwaltschaft leitete ein Strafverfahren wegen ungetreuer Amtsführung ein. Das Verfahren läuft gegen Unbekannt. Die fünf aktuellen Stadträte müssen als Auskunftspersonen zu Verfügung stehen.

Der Genfer Rechnungshof hatte bei seiner Untersuchung der Spesen der Genfer Stadt-Exekutive Ausgaben festgestellt, die keinen beruflichen Zusammenhang hatten. Der Prüfungsbericht kritisiert allen voran CVP-Nationalrat Guillaume Barazzone, der seit 2012 in der Stadtregierung von Genf sitzt.

Barazzone war laut dem Prüfungsbericht dasjenige Exekutivmitglied, das 2017 mit 42'000 Franken die meisten Spesen verrechnete. Von dieser Summe entfallen über 17'000 Franken auf Mobiltelefonkosten. Barazzone räumte «ungewollte Fehler» ein und zahlte über 50'000 Franken an die Stadt zurück. (tam/sda)

Loro & Nicos Spesen unter der Lupe

Video: watson/nico franzoni, laurent äberli
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
«Wenn du einen anderen Mann triffst, bringe ich dich um»: Wie der Fall Ramiswil eskalierte
Zur Massentötung auf dem Bodenhof kam es, nachdem die Hofbesitzerin geflüchtet war. Neue Akten zeigen die Gefahr.
Am 6. und 7. November 2025 liess das Solothurner Veterinäramt 122 Hunde auf dem Bodenhof in Ramiswil töten. Die Behörden begründeten den Schritt damit, die Hunde seien verwahrlost und nicht mehr zu retten gewesen. Wie konnte es so weit kommen?
Zur Story