Schweiz
Auto

Beispiel Genf zeigt: Darum ist die Umsetzung von Tempo 30 so schwierig

verkehr autos stau
Schweizerischer Städteverband verlangt Tempo 30 in allen Städten.Bild: shutterstock

Das Beispiel Genf zeigt: Einführung von flächendeckendem Tempo 30 ist schwierig

Der Schweizerische Städteverband fordert in sämtlichen Städten ein Tempolimit von 30 km/h. Das Beispiel von Genf zeigt aber, dass die Umsetzung dieser Forderung schwierig werden könnte.
20.12.2022, 08:4320.12.2022, 08:59
Mehr «Schweiz»

Einige Schweizer Städte wie Zürich und Winterthur liebäugeln mit einer flächendeckenden Einführung der Höchstgeschwindigkeit 30. Dieses Vorhaben hat sich in den vergangenen Jahren zu einem viel diskutierten Politikum entwickelt. Von verschiedenen Seiten hagelt es Kritik. Unter anderem haben die FDP und SVP im Kanton Zürich eine Initiative gegen Tempo 30 eingereicht.

Der Schweizerische Städteverband verlangt nun, dass Tempo 30 in allen Städten zur Norm wird. Das Hauptargument ist, dass diese Geschwindigkeitsanpassung den Verkehrslärm reduzieren würde. Das Beispiel von Genf zeigt jedoch, dass die Umsetzung dieser Forderung harzig werden könnte.

Hohe Lärmbelastung in Genf

Auf der anderen Seite des Röstigrabens ist die Geschwindigkeitsreduktion ebenfalls schon lange Diskussionsthema. Lausanne hat die Geschwindigkeitsreduktion während der Nacht erfolgreich durchgesetzt und positive Bilanz in puncto Lärmreduktion gezogen.

Genf plante die Tempo-30-Einführung in der Innenstadt. Dieses Projekt wollte man eigentlich noch dieses Jahr umsetzen. Im Oktober 2022 stellte der Kanton eine Geschwindigkeitsstrategie vor. Diese sollte das Leben der Bürgerinnen und Bürger erleichtern und den Strassenlärm bekämpfen.

watson hat eine Genferin nach ihrer Einschätzung gefragt. Sie berichtet: «Ich bewege mich fast täglich in der Innenstadt. Es ist noch immer sehr laut und auf fast allen Strassen staut es zwischen 16 und 19 Uhr.»

Vielversprechender Testdurchlauf

Die genannte Strategie umfasst zwei Punkte: Zum einen soll es Geschwindigkeitsregulierungen auf mehreren Verkehrsachsen geben, da der Lärm auf diesen Strassen die vorgegebenen Normen überschreitet. Zum anderen soll die allgemeine Einführung von 30 km/h im Stadtzentrum vorangetrieben werden.

Zum letzten Punkt wurde bereits ein Test an der zentral gelegenen Rue de Caroline ausgeführt. Die Strasse wurde von einer 50er-Zone in eine Tempo-30-Zone umgewandelt. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) dokumentierte den Ablauf. Es hält fest, dass die Strasse insgesamt zwei Dezibel leiser war am Tag und drei Dezibel in der Nacht. Dies, obwohl der durchschnittliche tägliche Verkehr von 8'900 Fahrzeugen auf 10'150 Fahrzeuge stieg. Dieser Anstieg impliziert einen besseren Verkehrsfluss.

Einsprachen stoppen die Einführung

Obwohl die Bilanz des Tests positiv scheint, kann die Strategie des Kantons Genf nicht durchgeführt werden. Grund dafür: Einsprachen von der FDP, der SVP und der MCG, letztere ist eine lokalpatriotische Protestpartei.

Ein Kritikpunkt ist, dass solche Strategien die Wirtschaft, insbesondere KMU schwächen, weil gewisse Aufträge nicht in nützlicher Frist erledigt werden könnten. watson hat den Kanton Genf mit diesem Vorwurf konfrontiert. Die Medienstelle entgegnet: «Studien haben gezeigt, dass niedrigere Geschwindigkeiten in Innenstädten zu einem besseren Verkehrsfluss führen und daher nicht nachteilig für den Berufsverkehr sind. Neben der Lärmbekämpfung führt die Senkung der Geschwindigkeit zu einer Beruhigung des Verkehrs und einer Verringerung der Unfallzahlen.»

Doch der Kanton ist sich auch sicher, dass noch weitere Massnahmen ergriffen werden müssen, um den Autoverkehr in der Stadt zu verringern. «Beispielsweise mit Fahrgemeinschaften, Mobilitätsplänen von Unternehmen, Erhöhung des Angebots an Bussen und Strassenbahnen und der Radwegen», so die Medienstelle.

Der Kanton Genf hat eine Vision: «Letztlich besteht unser Konzept darin, die Nutzung des Privatautos in der Stadt so weit wie möglich einzuschränken. Es braucht gute Alternativen, um die Änderungen der Gewohnheiten voranzutreiben. So kann man die Nutzung der Strasse für diejenigen priorisieren, die keine Alternative haben, z. B. Unternehmen und Behinderte.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
9 Tage feiern, einen Tag im Stau stehen – Mega-Verkehrschaos nach «Burning Man»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Hast du technische Probleme?
Wir sind nur eine E-Mail entfernt. Schreib uns dein Problem einfach auf support@watson.ch und wir melden uns schnellstmöglich bei dir.
300 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Aspirin
20.12.2022 06:10registriert Januar 2015
Der Titel ist etwas irreführend. Schwierig ist die Einführung nur, weil gewisse Kreise dagegen sind, obwohl Studien belegen, dass der Verkehrsfluss besser und der Lärm geringer wird. Und ob man nin in den Stosszeiten bei 30 oder 50 steht, ist irrelevant. Inwiefern dies auf den Hauptverkehrsachsen umgesetzt werden sollte, bleibe noch dahingestellt.
13037
Melden
Zum Kommentar
avatar
khargor
20.12.2022 06:28registriert Februar 2014
Ich schliesse mich den anderen Kommentaren an: Nur weil FDP, SVP und MCG am täubelen sind, muss es nicht heissen, dass die Massnahme für die Katz war. Eine effektive Massnahme um Handwerker zu fördern, ist ineffiziente Fahrten zu reduzieren, also die Bürogummis und Alleinfahrer*innen aus ihren Autos zu holen z.B. mit hohen Parkgebühren, brauchbaren (gelbe Farbe reicht nicht) Velowegen und gutem ÖV. Handwerker kann man mit günstlgen Blaue-Zonen-Parkkarten abholen. Zusätzlich bitte beachten: Die db(A)-Skala ist logarithmisch. D.h. 2 bzw. 3 Dezibel machen ordentlich was aus.
13860
Melden
Zum Kommentar
avatar
bikobeko
20.12.2022 06:47registriert Januar 2016
Die Einleitung ist nicht korrekt, es wird nicht flächendeckend Tempo 30 gefordert. Es wird gefordert, dass Tempo 30 normalerweise gilt. Ausnahmen (mit Tempo 50) können immernoch gemacht werden, müssen aber begründet werden. Dies ist auch völlig legitim und Verhältnismässig. Anders ist das Lärmproblem mit erträglichen Kosten nicht zu lösen.
3214
Melden
Zum Kommentar
300
In «schwieriger Lebenssituation»: Randalierende Person löste in Basel Polizeieinsatz aus

Eine randalierende Person hat am Donnerstagmittag an der Basler Burgfelderstrasse einen Polizei-Grosseinsatz ausgelöst. Die Polizei konnte den 33-jährigen Mann anhalten. Drittpersonen waren nicht gefährdet, wie die Basler Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte.

Zur Story