Von 2003 bis 2016 prägten Pierre Mirabaud und Patrick Odier das Gesicht der Schweizerischen Bankiervereinigung. Deren Namen stehen für zwei alteingesessene Genfer Banken, die im Zusammenhang mit der rechtlichen Aufarbeitung von zwei handfesten Geldwäschereiskandalen gerade unrühmliche Publizität geniessen.
Gewiss, beide Skandale liegen mehr als zehn Jahre in der Vergangenheit, und im Fall von Lombard Odier muss auch die Unschuldsvermutung gelten. Die Bundesanwaltschaft behauptet, die Bank habe in den Geschäftsbeziehungen mit einer mutmasslich kriminellen Organisation aus dem Umfeld der Tochter des ehemaligen usbekischen Alleinherrschers Islam Karimow weder die damals geltenden Standards in der Geldwäschereibekämpfung noch die eigenen, internen Richtlinien eingehalten. Lomboard Odier bestreitet dies.
Rechtskräftig ist hingegen die im September nach einem einjährigen Gerichtsstreit publizierte Verfügung der Finanzmarktaufsicht gegen Mirabaud & Cie, nach der es die Privatbank unterlassen habe, die wirtschaftlichen Hintergründe einer «komplexen» Firmenstruktur ausreichend abzuklären, obschon es Hinweise und konkrete Warnmeldungen auf erhöhte Geldwäschereirisiken geben habe.
Die Publizität ist schlecht für die genannten Banken, aber sie ist auch negativ für den guten Ruf der Branche und deren Standesorganisation, die gerade jetzt mehr Glaubwürdigkeit dringend nötig hätte.
Es mag naiv sein, festzustellen, dass ein Interessenverband wie die Bankiervereinigung seine Energie nur auf Ideen verwendet, die der eigenen Klientel den allergrössten Nutzen bringen. Doch in einem Land, in dem die Gesetze von einem Parlament geschaffen werden, das mindestens formell aus Milizabgeordneten besteht, ist eine konstruktive, dem Gesamtinteresse des Landes dienende Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaftsverbänden unerlässlich.
Um bei den Banken zu bleiben: Dringend nötig wäre eine solche Zusammenarbeit insbesondere mit Blick auf die anstehende Lex UBS und die anderen regulatorischen Massnahmen, wie sie die Politik parallel zu einer verschärften Eigenkapitalverordnung demnächst wird beschliessen müssen. Aber Hand aufs Herz: Wer glaubt, dass die Bankiervereinigung mit ihrem übermächtigen Mitglied UBS eine solche Diskussion zielführend und mit gemeinnützigen Argumenten alimentieren kann?
Erinnern wir uns an Zeiten, als es die Credit Suisse noch gab: 2016, als Patrick Odier nach sieben Jahren sein Mandat als Bankierpräsident zur Verfügung stellte, war er für Kantonal-, Regional- und Raiffeisenbanken längst ein rotes Tuch. Die Genfer Banquiers hätten das Leben des steuerlichen Bankgeheimnisses nur künstlich verlängert und mit Ideen wie der Abgeltungssteuer den Bundesrat von der Entwicklung zukunftsträchtigerer Strategien bloss abgelenkt, lautete selbst in den eigenen Reihen die berechtigte Kritik.
Ebenso glorios wie Patrick Odier war schon sein Vorgänger Pierre Mirabaud gescheitert. Der Mann mit dem lustigen Schnurrbart war ein streitbarer Lobbyist, der den Zusammenhalt seiner Herde über den Angriff auf ihre äusseren Feinde suchte. Lieber skandalisierte er die zweifellos anmassenden Äusserungen des ehemaligen deutschen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, als sich im Hintergrund für ein gutes und langfristig zielführendes Geschäftsgebaren seiner Branche starkzumachen.
Auch auf dem Weg bis zum Untergang der Credit Suisse spielte die Bankiervereinigung keine Rolle, obschon das Ereignis für den Finanzplatz die vielleicht grösste Zäsur der vergangenen Jahrzehnte darstellte.
Der Vereinigung fehlt es seit Jahren an der politischen Glaubwürdigkeit, die nötig wäre, um bei der Neugestaltung der Rahmenbedingungen eine positive Rolle zu spielen. Auch deshalb sind Reminiszenzen wie die vorliegenden Geldwäschereifälle ein veritables Ärgernis.
«Danke, danke, danke …», sagte der Verband 2012 anlässlich seines 100-jährigen Bestehens mit einem aufwendig gestalteten Fotoband, der die Verbundenheit der ganzen Branche zu Land und Leuten zum Ausdruck hätte bringen sollen. Vielleicht sollte man solches Verfehlen hehrer Absichten als Zeichen verstehen, dass sich auch Verbände überleben können.