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Bei der PostFinance kann man jetzt ETH staken.

Bei der PostFinance kann man jetzt Ethereum «staken». ???Wt*??? ... wir erklären es dir

16.01.2025, 11:2316.01.2025, 12:24
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Als erste systemrelevante Bank der Schweiz ermöglicht die PostFinance Besitzern der Kryptowährung Ethereum (hinter Bitcoin die Nummer Zwei) sogenanntes «Staken». Ethereum-Besitzer können damit ein passives Einkommen zwischen in der Regel drei bis sechs Prozent generieren. In Zusammenarbeit mit der Finma-regulierten Kryptobank Sygnum prescht die PostFinance damit in einen Milliardenmarkt vor, der bisher vorwiegend von ausländischen Anbietern dominiert wurde. Doch was ist eigentlich «Staking»? Und ist es nicht etwas dubios, wie dieses passive Einkommen generiert wird?

Offenlegung der Interessensverbindung: Der Autor dieses Artikels besitzt verschiedene Kryptowährungen, darunter die hier erwähnten Bitcoin und Ethereum.

Im Gegensatz zum Bankenwesen existiert bei echten Kryptowährungen keine zentrale Autorität, die Transaktionen legitimiert. Bei Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum erledigen diesen Job (im besten Fall) tausende Knotenpunkte – überall auf der Welt verteilt. Fällt einer aus – nicht so schlimm. Es gibt ja noch Tausende andere. Die Dezentralität macht Bitcoin und Co. so sicher und so interessant.

Doch sie birgt auch Schwierigkeiten.

Denn das dezentrale System benötigt einen Mechanismus, der überprüft, dass bei Transaktionen nicht getrickst wird – einen sogenannten Konsensmechanismus. Und der muss bei tausenden Knotenpunkten überall auf der Welt doch sehr ausgeklügelt sein.

Bitcoin setzt dabei seit Jahr und Tag auf den «Proof of Work»-Mechanismus (PoW). Dieser sehr rechenintensive Ablauf ist für den enormen Stromkonsum des Netzwerks verantwortlich – sorgt parallel dazu aber auch für die Sicherheit (je höher der Stromverbrauch, desto sicherer das System).

Die Nummer Zwei in der Kryptowelt, Ethereum, geht einen anderen Weg. Ethereum setzt auf «Proof of Stake» (PoS). Wer 32 Ethereum (aktueller Wert ca. 100’000 Franken) besitzt, kann diese «staken» – hinterlegen. Das legitimiert den Besitzer, mit der entsprechenden Hardware zu einem sogenannten «Validator» zu werden – einem Knotenpunkt im Netzwerk, der im Zusammenspiel mit anderen Knotenpunkten Transaktionen autorisiert.

Der Vorteil von Proof of Stake: PoS benötigt weniger Strom (man geht von 99,9 Prozent weniger aus) – und das Netzwerk kann die Menge der Transaktionen einfacher erhöhen (das nennt sich «skalieren»).

Der Nachteil: Nur «reiche» Teilnehmer können Validatoren werden und deshalb kann die Dezentralisierung und damit auch die Sicherheit etwas geringer ausfallen.

Aber warum will man überhaupt Validator werden? Weil man zum Dank, dass man mithilft, das Netzwerk zu unterhalten, mit einem Anteil der Transaktionsgebühren und der neu geschaffenen Coins pro Block belohnt wird – man erhält Rewards, eine Belohnung. Aktuell (bei Ethereum) pendelt der Prozentsatz zwischen drei bis sieben Prozent. Ein Validator mit 32 Eth bringt beim aktuellen Kurs also etwa drei- bis siebentausend Franken pro Jahr. Dies aber nur, wenn er sich an die Regeln des Netzwerks hält. Betrügerische oder unzuverlässige Validatoren verlieren Anteile ihrer hinterlegten Eth. Das nennt sich dann «slashing».

Weil 32 Eth ein undankbar hoher Betrag ist, haben clevere Entwickler bereits Mittel und Wege gefunden, wie auch weniger «reiche» Ethereum-Besitzer in den Genuss dieses passiven Einkommens kommen können – indem Kleineinlagen gebündelt werden. Deshalb ist es auch bei der PostFinance möglich, bereits ab 0.1 Eth am Staking-Programm teilzunehmen.

Hat das Ganze einen Haken? Ja.

Wer «staked», verliert die Möglichkeit, seine Coins spontan zu verkaufen. Denn gestakte/hinterlegte Coins sind für einen vordefinierten Zeitraum gebunden und damit nicht mehr verkäuflich. Sollte der Preis von Ethereum ins Bodenlose fallen, müssen Staker hilflos zusehen, wie ihre Anlage an Wert verliert.

Bei der Postfinance beträgt dieser Zeitraum 12 Wochen. Das ist im Vergleich zu ausländischen Anbietern ein langer Zeitraum. Üblich sind dort zwischen zwei bis zehn Tagen. Dafür ist das Angebot der Postfinance in die bekannte Online-Umgebung (App oder Computer) eingebunden. Das Einloggen in eine nicht immer transparente und vielleicht weniger vertrauenerweckende Kryptobörse in den USA (oder auf einem karibischen Inselstaat) entfällt.

Apropos Transparenz. Die gibt es auch in Sachen Gebühren: 20 Prozent der Staking-Einnahmen gehen zurück an die PostFinance. Auch das ist vergleichsweise stolz und wird sich wohl anpassen müssen, sobald in der Schweiz ernsthafte Konkurrenz entsteht.

Noch beschränkt sich das Staking-Angebot auf Ethereum. Die PostFinance gibt an, in Zukunft weitere Kryptos berücksichtigen zu wollen. Das Vorpreschen beim Staking setzt nun andere Schweizer Player wie die Kantonalbanken unter Druck, die ebenfalls bereits über ein Handels- und Verwaltungsangebot von Kryptowährungen verfügen. Während die PostFinance laut eigenen Angaben bereits über 25'000 Kryptoportfolios verwaltet, verfügen diverse renommierte Schweizer Privatbanken noch immer über kein Angebot in dieser Richtung.

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68 Kommentare
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m!k
16.01.2025 11:37registriert August 2018
Bei PostFinance hat man keinen Zugriff auf die Wallets. Wer also bereits Coins besitzt, kann diese nicht auf sein PostFinance Kryptoaccount senden. Antwort PostFinance: bestehende Coins auf einer Cryptobörse verkaufen und das Geld auf PostFinance einzahlen um wieder Coins zu kaufen. Habe mein Crypto-Konto wieder aufgelöst.
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