DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Gefängnis

Ohne Krankenversicherung im Knast: So düster sieht's für Berner Gefangene aus

Viele Gefängnisinsassen im Kanton Bern haben keine Krankenversicherung. Für ihre Operationen will oft niemand aufkommen. Sie leiden dann bis zu ihrem Haftende.



Der Fall macht die Tagesschau publik: Einem 61-jährigen Häftling droht ein Harnverhalt, womit er nicht mehr urinieren könnte. Mit der bereits bestehenden Harnröhrenverengung ist für ihn jeder Gang zur Toilette eine Qual. «Es ist nicht vorstellbar, dass dieser Zustand auszuhalten ist, bis zum erreichen der Endstrafe», kommt ein Gefängnisarzt zum Schluss. In jedem anderen Fall würde der Mann operiert. In diesem muss er mindestens acht Jahre lang darauf warten – denn er sitzt noch bis 2024 und verfügt über keine Krankenversicherung. Und niemand sonst – auch der Kanton nicht – will die Kosten für den Eingriff übernehmen.

Im Kanton Bern viele Fälle

In Schweizer Gefängnissen sitzen gemäss Schätzungen 2000 Häftlinge, die nicht krankenversichert sind. Sie haben keinen Anspruch auf medizinische Behandlung – auch wenn der Gefängnisarzt diese als dringend beurteilt.

«Wir stellen fest, dass die kantonalen Behörden bei der Kostengutsprache restriktiver werden.»

Thomas Freytag, Amtsleiter im bernischen Amt für Freiheitsentzug und Betreuung

Auch in Berner Haftanstalten und Gefängnissen haben viele Gefangene keine Krankenversicherung, wie der Bund schreibt. In der Anstalt Witzwil etwa ein Viertel, im Frauengefängnis in Hindelbank 21 von 107 Insassinnen. Auf dem Thorberg verweist man an den Kanton. Dieser liefert keine Zahlen.

Dass sie ohne Krankenversicherung sind, kommt nicht von ungefähr: Die meisten sind ausländische Staatsbürger ohne festen Wohnsitz in der Schweiz. Für diese müsste der Kanton aufkommen, in dem sie festgenommen wurden. Genau da harzt es, wie Thomas Freytag, Amtsleiter im bernischen Amt für Freiheitsentzug und Betreuung, sagt: «Wir stellen fest, dass die kantonalen Behörden bei der Kostengutsprache restriktiver werden.»

SVP stellt sich quer

Mit dieser Forderung steht er nicht allein. Grossrätin Simone Machado Rebmann (Grüne), Mitglied der Sicherheitskommission (SIK) plant einen Vorstoss, um das Thema im Kantonsrat zu lancieren. Auch SIK-Präsident Markus Wenger (EVP) befürwortet eine automatische Krankenversicherung für Gefängnisinsassen – analog zu Asylbewerbern, die mit der Eingabe des Gesuchs gegen Krankheit versichert sind.

«Es kann nicht sein, dass die Häftlinge am Ende besser wegkommen als Working Poor.»

SVP-Grossrätin Sabina Geissbühler-Strupler

Einzig die SVP stellt sich quer. SIK-Mitglied Sabina Geissbühler-Strupler fordert, dass die Insassen selbst für die Prämien aufkommen. Es kann nicht sein, dass sie am Ende besser wegkommen als Working Poor», sagt Geissbühler-Strupler gegenüber dem «Bund». Freytag weist darauf hin, dass sich die Häftlinge mit ihrem im Gefängnis erarbeiteten Lohn schon heute an den Kosten beteiligen. Also nicht einfach dem Kanton auf der Tasche liegen. (rwy)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Offen gesagt

«Lieber Herr Berset, sehr stilvoll ist das nicht ...»

Der Bundesrat präsentiert einen Drei-Phasen-Öffnungsplan, der auf der Durchimpfungsrate der Erwachsenen beruht. Die Jugend kann sich auf Durchseuchung einstellen.

Lieber Herr Berset

Sie haben heute im Namen des Bundesrates den Drei-Phasen-Öffnungsplan entlang der Durchimpfungsrate vorgestellt.

Dabei sind Sie gefragt worden, ob damit nicht alle jene «bestraft» würden, die sich nicht impfen lassen wollen. Weil sie dann an vielen Orten und vielen Anlässen unerwünscht sein werden.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Darauf haben Sie das einzig Richtige geantwortet. Nämlich, dass es kein persönlicher Entscheid ist, ob man sich impfen lässt oder …

Artikel lesen
Link zum Artikel