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Manuel Stocker, Präsident von Retter ohne Grenzen, bei einem Einsatz auf dem Berner Bundesplatz.

«Tut extrem weh»: Verein Retter ohne Grenzen löst sich per sofort auf

Nach der medialen Schelte durch den «Blick» und der Gegenwehr von Verbänden löst sich der freiwillige Verein Retter ohne Grenzen per sofort auf.

Tobias Schalk / Oltner Tagblatt



Nur einen Tag nach der Veröffentlichung eines kritischen Artikels im «Blick» – die Betroffenen nennen es «Hetzkampagne» – lösen sich Retter ohne Grenzen mit ihrem Präsidenten Manuel Stocker aus Kappel per sofort auf.

Die Zeitung warf dem Verein vor, sich als Rettungssanitäter auszugeben, ohne über die entsprechende Ausbildung zu verfügen und mit täuschend echten Uniformen bei den Patienten ein falsches Sicherheitsgefühl zu erwecken.

Dabei wollten sie doch nur Gutes tun und Menschen in Not helfen: die freiwillige und selbsternannte humanitäre Organisation Retter ohne Grenzen. Im September 2015 gegründet, hatte sich der Verein der gesundheitlichen Unterstützung bei Grossereignissen wie Demonstrationen, Flüchtlingsströmen und Unwettern verschrieben. So tauchten die Retter mehrmals an Grossdemos wie der 1.-Mai-Kundgebung in Zürich auf oder begleiteten Antifa-Märsche in Bern als unabhängige Erstversorger im Notfall. Effektiv hätten aber nur rund sieben bis acht Personen behandelt werden müssen.

Grosse Vorbilder – grosse Gegenwehr

In seinem Tun lehnte sich der Verein, zumindest was die Namensgebung anbelangt, an eine ganz grosse Organisation an, nämlich an Ärzte ohne Grenzen. Dieser hohe Anspruch an sich selbst gepaart mit dem Laientum in einem sensiblen Bereich kam nicht überall gut an, erzählt Stocker. Besonders Branchenverbände wie der Interverband für Rettungswesen (IVR) oder der Verein Rettungssanitäter Schweiz (VRS) hätten nicht wohlwollend auf die Pionierarbeit der Retter ohne Grenzen als Freiwillige an der Front reagiert.

Retter ohne Grenzen Trailer

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Video: YouTube/RETTER OHNE GRENZEN Schweiz

Den Schlussstrich zog Präsident Manuel Stocker noch am Montagabend. In einer ausführlichen – und fehlerdurchsetzten – Mitteilung im Internet legt er die Beweggründe dar. «Unser Ruf ist zerstört, da macht es keinen Sinn weiterzumachen. Jetzt muss ich mich selbst und meine Mitglieder schützen», ergänzt der 34-Jährige am Telefon mit dieser Zeitung. Der Reporter des «Blicks», welcher den Artikel unter dem Titel «Diese Sanitäter gefährden Ihre Gesundheit» zu verantworten hat, habe ihn unbedingt «in die Pfanne hauen wollen». Als Konsequenz hat Stocker denn auch eine Anzeige wegen Rufschädigung und Ehrverletzung bei der kantonalen Staatsanwaltschaft eingereicht.

Ausrüstung als Zankapfel

Als Streitpunkt offenbarte sich das Tragen von täuschend echter Ausrüstung – «nur zum Selbstschutz», sagt Stocker –, versehen mit offiziellen Symbolen. So ist den Rettungsorganisationen insbesondere die Verwendung des «Star of Life», eine Art Gütesiegel für Rettungsdienste, ein Dorn im Auge. Stocker sah diese Exklusivität anders und «klatschte sich das Symbol auf den Rücken», wie er selbst sagt. Auch die Kompetenzen und Berufsabschlüsse der freiwilligen Retter blieben laut dem kantonalen Gesundheitsamt fraglich. «Wir haben nie Medikamente verabreicht», beteuert Stocker.

Im Rückblick hätte er nichts anders gemacht, erklärt der Angestellte im Pflegebereich. «Ich war überzeugt, dass wir etwas Gutes tun, war aber vielleicht etwas blauäugig», zieht er ein erstes Fazit. Es tue extrem weh, dass der Verein auf diese Weise kaputtgemacht würde. Nun möchte Stocker etwas Abstand gewinnen und sich vermehrt seinen Hobbies Musik und Fotografie zuwenden. Später könne er sich vorstellen wieder in den Rettungsbereich einzusteigen, doch wenn dann nur als Mitglied und sicher nicht mehr auf eigene Faust.

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