Letzte Chance für digitale Stille: Hier wanderst du in ein Funkloch
Ich weiss, Funklöcher, das ist ein heisses Thema. Teilweise tauchen sie auch an Orten auf, an welchen es eigentlich eine Netzabdeckung hätt. Je nach Anbieter kannst du auch an Orten in ein Funkloch geraten, wo es eigentlich keines geben sollte. Aber das ist eine andere Geschichte.
In der Schweiz deckt das Mobilfunknetz rund 98 Prozent des Landes ab. Die Funklöcher können dabei auch leicht variieren. Auf der Karte sehen die weissen Flecken ungefähr so aus:
Wie lange die Funklöcher noch bestehen, ist offen. Satellitentechnologie dürfte die letzten Funklöcher bald füllen. Um die letzten Orte, in denen jede und jeder offline geht, noch zu geniessen, hat das Kunstduo t8y (Céline Nauer und Nikki Böhler) die Funklöcher-Wanderkarte lanciert.
Die Macherinnen schreiben: «In einer Welt, in der ständige Erreichbarkeit zur Norm geworden ist, lädt t8y dazu ein, Funklöcher bewusst zu erleben, bevor sie für immer verschwinden.»
Nikki Böhler von t8y, die das Projekt gestaltet hat, sagt: «Ich habe mich dabei beobachtet, immer wieder mein Telefon zu prüfen. Nicht auf der Suche nach Nachrichten, sondern nach Funkstille. Auf der Funklöcher-Wanderkarte sind fünf Ziele beschrieben. Unterwegs hat das Duo Wegweiser angebracht, die den Weg in die digitale Stille markieren.
Cabioi TI
Distanz: 12 Kilometer
Dauer: 3:30 Stunden
Kondition: Mittel
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Wer schon mal in Sonogno, weit oben im Verzasca-Tal war, der weiss: So könnte die Welt enden. Doch das ist nicht so. Im Val Vegorness kommst du an kleinen Weilern vorbei weiter ins Tal. Bei der Häusersammlung von Cabioi endet das Mobilfunknetz.
Der Wanderweg führt hier noch weiter der Verzasca entlang. Willst du nicht auf weiss-blau-weissen Pfaden wandern, musst du aus der digitalen Stille wieder den gleichen Weg zurück bis Sonogno.
Wandervorschlag:
Val Chamuera GR
Distanz: 15 Kilometer
Dauer: 4 Stunden
Kondition: Mittel
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Vom Bahnhof La Punt aus bist du sehr schnell im Engadiner Seitental Val Chamuera. Bei der Funtauna Naira sprudelt hier zwar Wasser aus dem Boden, aber das Mobilfunknetz verabschiedet sich.
Entlang der Ova Chamuera kannst du weiter ins Tal wandern, beispielsweise bis zu Acla Veglia. Hier sitzt du mitten im Funkloch. Wer noch mehr will: Via das Val Prüna erreichst du den Muottas Muragl ab La Punt in etwas über sechs Stunden. Du kannst aber auch einfach wieder umkehren und so zurück in die Zivilisation.
Wandervorschlag:
Fürenalp OW/UR
Distanz: 10 Kilometer
Dauer: 2:30 Stunden
Kondition: Leicht
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Ein kleineres Funkloch erreichst du bei Engelberg ab dem Berggasthaus Fürenalp (Saisoneröffnung am 25. April 2026). Das Restaurant auf 1850 Metern über Meer erreichst du während der Saison mit der Seilbahn.
Von hier wanderst du bis zum Stäuber-Wasserfall, wobei du auf der Äbnet schon im Funkloch bist. Zurück führt der Weg dem Stierenbach und Engelberger Aa entlang zur Talstation der Seilbahn. Ungefähr ab dem Restaurant Alpenrösli hast du auch wieder Netz.
Wandervorschlag:
Tössscheid ZH
Distanz: 14 Kilometer
Dauer: 3:30 Stunden
Kondition: Leicht
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Ja, selbst im Kanton Zürich findest du noch Funklöcher. Und diese erreichst du auch mit dem Velo gut. Wir wandern von Steg zur Tösscheidi. Hier im Tössstockgebiet ist die Landschaft wild und die Anstiege steil. Aber wir bleiben ja am Talgrund. Kurz nach dem Wasserfall Lauf (siehe Instagram-Video unten) verabschiedet sich das Netz.
Ein Abstecher zum Brandenfels (Mondmilchgubel) lohnt sich dabei. Da hast du vermutlich gerade auch noch keinen Empfang. Falls du noch eine kleine Runde machen willst: Wandere über die Hintertöss und die Boalp entlang der Vordertöss wieder zur Tössscheidi.
Statt zurück nach Steg kannst du hier auch weiter über die Wolfsgrueb (mit dem MTB ebenfalls machbar) und dann durch das Sagenraintobel (da bleibst du mit dem Velo besser auf der Strasse) runter nach Wald wandern.
Wandervorschlag:
Vounetse FR
Distanz: 8 Kilometer
Dauer: 2:45 Stunden
Kondition: Mittel
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Per Gondelbahn erreichst du den Vounetse (auch Vounetz), den Hausberg von Charmey. Hier geniesst du die schönste Aussicht aufs Freiburgerland. Aber wir sind ja nicht wegen der Aussicht hier, sondern auf der Suche nach digitaler Stille.
Darum wandern wir runter zum Plan Paccot. Auf dem Weg ins Tal verabschiedet sich der Empfang. Hinter Plan Paccot verliert sich dann auch der Wanderweg. Geniesse die Stille hier unten.
Wandervorschlag:
Planurahütte GL/UR
Distanz: 10 Kilometer
Dauer: 5:30 Stunden
Kondition: Hoch
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Zum Abschluss eine wirklich lange und anstrengende Wanderung (sie ist so nicht in der Funkloch-Wanderkarte drin, die Macherinnen gaben diese aber noch als Bonus mit). Vom Tierfehd geht es hinauf zur Planurahütte auf fast 3000 Metern über Meer. Selbsterklärend, dass diese Wanderung erst im Hochsommer machbar ist, weil da noch lange Schnee liegt (Hüttensaison vom 20. Juni bis 20. September 2026).
Für den Aufstieg bestellst du dir am besten das Alpentaxi bis zum Hinter Sand. Selbst ab hier bist du noch 5:30 Stunden unterwegs und bewältigst 1700 Höhenmeter. Am besten übernachtest du in der Hütte (Reservation nötig). Der Empfang ist hier ab Hinter Sand weg. Auch auf der Planurahütte selbst ist er nicht garantiert, du musst bisschen wissen, wohin du bei der Hütte musst (Stichwort Helilandeplatz).
