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Zu kurze Piste für neuen Bundesrats-Jet? Armee widerspricht

Zu kurze Piste für neuen Bundesrats-Jet? Armee widerspricht

Der Bundesrat will für 109 Millionen Franken einen neuen, leistungsfähigeren Jet kaufen. Doch kann dieser in Bern-Belp überhaupt starten und landen? Laut Armee Ja – wenn auch nur unter besonderen Bedingungen.
01.09.2023, 18:41
Samuel Thomi / ch media
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Was unbestritten ist: Der Bundesrat hat entschieden, ein neues Staatsflugzeug zu beschaffen. Die Wahl fiel auf das Modell «Global 7500» von Hersteller Bombardier. Grund für den Kauf war, dass die aktuelle Flotte des Lufttransportdienstes des Bundes offenbar nicht mehr auf dem aktuellsten Stand der Technologie war.

Zu gross, um mit Volllast ab Bern-Belp abzuheben: der neue Bundesratsjet «Global 7500» von Bombardier.
Zu gross, um mit Volllast ab Bern-Belp abzuheben: der neue Bundesratsjet «Global 7500» von Bombardier.Bild: zvg

Klar ist auch der Kostenpunkt der Anschaffung: 109 Millionen Franken. Ab Stange wäre das Flugzeug zwar bereits ab 70 Millionen zu haben. Im höheren Schweiz-Preis enthalten sind auch ein militärisches Funksystem, ein Selbstschutzsystem, Bodenmaterial und Ersatzteile.

Doch passt dieses Flugzeug auch zu unserem Land? Seit dem Entscheid der Landesregierung wurde verschiedentlich Kritik laut am geplanten Kauf des grössten und reichweitenstärksten Business-Flugzeugs der Welt (wie Hersteller Bombardier seinen Düsenjet bewirbt). Zudem gibt der Kaufpreis zu reden, in Zeiten, wo der Bundesrat eigentlich kräftig sparen will. Und dann sind da natürlich auch noch jene, die es ohnehin unnötig finden, mitten in der aktuellen Klimadebatte einen neuen Jet anzuschaffen.

Piste zu kurz, aber ...

Nun setzte der «Blick» am Freitag in seiner Online-Ausgabe noch einen obendrauf: Die Piste des Regionalflugplatzes Bern-Belp sei 25 Meter zu kurz für den neuen Bundesratsjet. Nämlich umfasse diese nur 1730 Meter nutzbare Länge, wobei der Hersteller bei maximalem Abfluggewicht, auf Meereshöhe und bei Standardtemperatur deren 1755 Meter verlange.

Anruf beim Verteidigungsdepartement (VBS) von Bundesrätin Viola Amherd. «Die Piste des Flughafens Bern-Belp ist genügend lang für das neue Staatsluftfahrzeug», antwortet ein Sprecher gegenüber CH Media. «Anderslautende Darstellungen in verschiedenen Medienberichten sind falsch.»

Um seine Sicht der Dinge zu untermauern, verweist der VBS-Sprecher zudem auf eine Stellungnahme der Luftwaffe, wonach rund 98 Prozent aller Flüge des Lufttransportdienstes des Bundes ab Bern-Belp betrieben würden.

Bei Volllast via Payerne

Da jedoch «kein Flugzeugtyp dieser Klasse unter Volllast ab Bern-Belp abfliegen kann – weder das aktuelle Staatsluftfahrzeug Falcon noch Charterflugzeuge» –, fliege man «für einen bis drei Flüge pro Jahr bereits heute ab dem Militärflugplatz Payerne». Sprich: Die bisher eingesetzten Flugzeuge sind ebenfalls überdimensioniert.

Mit dem neuen Staatsluftfahrzeug seien künftig jedoch auch Langstreckenflüge ab Bern-Belp «möglich». So zum Beispiel nach Washington D.C. mit bis zu acht Personen an Bord. Was allerdings nicht der Vollauslastung entspricht.

Und sollten es «spezifische Bedürfnisse einmal erfordern», könne die Global 7500 «jederzeit und problemlos ab dem nahe gelegenen» Militärflugplatz Payerne unter Volllast starten und landen. Die Anfahrt aus der Bundesstadt in die Waadt dauere ja ohnehin nur eine Viertelstunde länger. (bzbasel.ch)

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54 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Kopold
01.09.2023 19:07registriert Juli 2014
Faire Antwort, kann man technisch und logistisch nicht viel dagegen ansagen.
Und ich bin für ganz viele, grosse, einschneidende, systemische Klimamassnahmen, aber dass die Regierung oft, weit und schnell reisen muss ist unabdingbar. Da einen kleinlichen Aufstand zu machen ist peinlich.
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Kommissar Rizzo
01.09.2023 19:45registriert Mai 2021
Also, mal wieder ein Stürmchen im Wasserglas.
Unsere Regierung braucht ein vernünftiges Flugzeug. Es soll repräsentativ sein und darf auch ein bisschen Komfort (WC) haben.
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Hallwilerseecruiser
01.09.2023 19:13registriert Juli 2019
Wer es genau wissen will:

Die Start- und Landebahn in Bern-Belp ist 1730 m lang, jene in Payerne 2858 m.
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