Schweiz
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Gegen den Basler Pharmakonzern Novartis ist in den USA erstmals eine Sammelklage eingereicht worden, wurde am 16. Mai 2000 bekannt. Das Medikament Ritalin von Novartis soll dieser Beschwerde zufolge Nebenwirkungen haben, welche nicht auf dem Beipackzettel aufgelistet sind. Der Pharmakonzern soll zudem ein Krankheitsbild erfunden haben, um das zur Bekaempfung von Konzentrationsschwaeche bei Kindern eingesetzte Medikament  verkaufen zu koennen.  (KEYSTONE/Steffen Schmidt)  === ELECTRONIC IMAGE ===

Verena Herzog wolle Ritalin «nicht verteufeln», sagte Motionärin Herzog. «Im Einzelfall ist das Medikament hilfreich.» Der Bundesrat solle aber weitere Massnahmen gegen das Syndrom ins Auge fassen. Bild: KEYSTONE

Ritalin wird zu häufig verschrieben: Nationalrat will Ursachen von ADHS genauer klären



Der Bundesrat soll die Ursachen, die sich hinter der Diagnose ADHS verbergen, systematisch prüfen müssen. Der Nationalrat hat am Montag einen entsprechenden Vorstoss von Verena Herzog (SVP/TG) angenommen.

Mit 90 zu 81 Stimmen bei 4 Enthaltungen stimmte die grosse Kammer der Motion zu. Über diese muss nun der Ständerat befinden. Stimmt auch er Ja, muss der Bundesrat die gemäss dem Vorstoss «viel zu hohe Verschreibungspraxis» von Ritalin in der Deutsch- und Westschweiz reduzieren.

Sie wolle Ritalin «nicht verteufeln», sagte Motionärin Herzog. «Im Einzelfall ist das Medikament hilfreich.» Der Bundesrat solle aber weitere Massnahmen gegen das Syndrom ins Auge fassen.

Gesundheitsminister Alain Berset sagte, dass wegen der Komplexität und Individualität der jeweiligen Ursachen sich auch die Behandlung gezielt an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren müsse. In der Regel erfolge die Behandlung im Rahmen eines umfassenden Behandlungssettings, das sowohl medizinische wie auch psychische und sozialtherapeutische Interventionen umfasse.

Das gelte insbesondere auch für die Frage, ob und unter welchen Rahmenbedingungen Ritalin eingesetzt werden solle. «Diese Frage muss unter Berücksichtigung der individuellen Behandlungsbedürfnisse und situativen Gegebenheiten entschieden werden», sagte Berset.

Er sieht indes keinen Anlass, in die ärztliche Behandlungsfreiheit einzugreifen. Für eine vertiefende Analyse wäre laut Berset eine systematische Kontrolle der Verschreibungspraxis erforderlich. Das sei jedoch Sache der Kantone.

Vor knapp drei Jahren hatte der Ständerat keinen Grund gesehen, die Verschreibung von Ritalin einzuschränken. Er lehnte einen Vorstoss ohne Gegenstimme ab, der im Nationalrat noch eine Mehrheit gefunden hatte. Gemäss der Motion sollte der Bundesrat dafür sorgen, dass Ritalin nur dann verschrieben wird, wenn es wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist sowie im Rahmen einer umfassenden Therapie und Behandlung verabreicht wird.

Vom Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) sind laut dem Bundesrat in der Schweiz rund 3 bis 5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Schulalter betroffen. Gemäss den verfügbaren Daten wird ein Viertel von ihnen mit Methylphenidat - am besten unter Ritalin bekannt - behandelt. (sda)

«Erich Hess, wovor hast du mehr Angst als vor Ausländern?»

Video: watson/Nico Franzoni, Lya Saxer

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zialo 12.12.2017 22:24
    Highlight Highlight ADHS ist angeboren.
    Seit norwegischen, dänischen und spanischen Studien (2014) ist bekannt, wenn man Paracetamol (z. B. Dafalgan) während der Schwangerschaft einnimmt, erhöht sich das Risiko der Übertragung von den Eltern auf das Kind um 37%. Heute haben etwa 5% aller Menschen AD(H)S.

    https://www.saldo.ch/artikel/d/paracetamol-schadet-demkind/

    http://m.spiegel.de/gesundheit/diagnose/paracetamol-forscher-fordern-rezeptpflicht-a-995812.html
  • zialo 12.12.2017 22:08
    Highlight Highlight Die Diskussion über Ritalin ist meines Erachtens eine Stellvertreterdiskussion. Das Medikament hat massiv weniger Nebenwirkungen als bei Psychosen eingesetzte Medikamente. In Altersheimen stirbt nach Studien jedes Jahr einer/eine SeniorIn von hundert welche letztere verschrieben bekommen.
  • Ökonometriker 12.12.2017 07:58
    Highlight Highlight Wenn die Politik den Ärzten vorschreibt, was die beste Behandlung für ihre Patienten ist, wird es gefährlich.
    Klar kann man immer ein Beispiel finden wo ein Arzt falsch handelt. Aber das bedeutet nicht, dass ALLE Ärzte falsch handeln und man sie bevormunden muss.
    Umgekehrt können solche Gesetze dazu führen, dass Bedürftige nicht die Medikamente erhalten, die sie brauchen.
  • HugoHabicht 12.12.2017 05:24
    Highlight Highlight Eigentlich weiss man schon sehr sehr viel!

    Play Icon

    • chem123 12.12.2017 12:37
      Highlight Highlight Der im Video erwähnte Leistungs- und Erfolgsdruck und die damit verbundene Erwartungshaltung der Eltern spielt sicher mit eine Rolle warum die Diagnose ADHS häufiger gestellt wird. Jedoch kann ich der Behauptung des Kinderarztes aus dem Video, wonach nur 1 Prozent der Kinder das Medikament wirklich benötigen, niemals zustimmen. Dies aufgrund der Tatsache, dass er als Kinderarzt nicht über die Kompetenz verfügt wie ein Kinder- und Jugendpsychiater, der dafür noch zusätzlich speziell ausgebildet wurde.
  • Robi14 11.12.2017 23:48
    Highlight Highlight Bin gar kein Verfächter von Psychopharmaka per se, aber bei einer Prävalenz von ADHS bei Kindern von 5% und 2% medizierten Kindern kann man nicht von zu vielen medizierten Kindern sprechen. Die Frage ist, ob die richtigen 2% Methylphenidat verschrieben bekommen und wie die Kinder neben der Medikation noch behandelt/unterstützt werden.
    • kruemelmonstah 12.12.2017 13:11
      Highlight Highlight 2% sind 2% zuviel.
  • Röbi Roux 11.12.2017 23:41
    Highlight Highlight Hier wissen wieder einmal alle Bescheid, aber niemand ist selbst betroffen
  • wipix 11.12.2017 22:49
    Highlight Highlight Endlich! Und dann aber bitte ehrliche Anerkennung der Ursachen!
  • Linus Luchs 11.12.2017 22:28
    Highlight Highlight "Der Bundesrat soll die Ursachen, die sich hinter der Diagnose ADHS verbergen, systematisch prüfen müssen."
    Ich wusste gar nicht, dass medizinische Forschung zu den Aufgaben des Bundesrats gehört.

    Spass beiseite. Die Politik hinkt der Realität wieder einmal hinterher. Die Diagnose ADHS ist veraltet. Heute spricht man von ASS, der Abkürzung für Autismus-Spektrum-Störung, weil medizinische Fachkreise festgestellt haben, dass die Grenzen zwischen Autismus, AD(H)S und dem Asperger-Syndrom sehr unscharf sind.
    • John Galt 11.12.2017 23:12
      Highlight Highlight Autismusspektrum und ADHS zeigen bei genauerem Hinsehen klare Unterschiede. Der Autist sieht die Welt durch eine Makro Linse, der ADHS Typ durch ein Weitwinkel. Es gibt aber auch parellen, und die Ursachen könnten durchaus den gleichen Ursprung haben (Entwicklunsverzögerungen in gewissen Hirnbereichen)
    • Ylene 12.12.2017 00:16
      Highlight Highlight Dein letzter Satz ist nicht korrekt. Schau mal hier https://www.autismus.ch/autismus-spektrum-stoerungen-summary/autismus-spektrum-stoerungen.html Man unterscheidet nicht mehr zwischen Asperger, frühkindlichem und atypischen Autismus, sondern spricht von Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Es wird aber weiterhin zwischen AD(H)S und ASS unterschieden. Zwar können je nachdem bis zu 80% der 'Symptome' sehr ähnlich sein, die Ursache und Behandlung ist aber anders. Ritalin ist für ADHS einiges wirksamer als für ASS. Aspies haben weniger schnell einen Overload, aber weiterhin Mühe mit sozialen Dingen.
    • batschki 12.12.2017 01:32
      Highlight Highlight Was medizinisch richtig zu sein hat, darüber wird bei uns demokratisch abgestimmt und das Resultat dann iuristisch durchgesetzt. Das ist kein Spass, sondern bittere Realität, die nichts mit Wissen zu tun hat, sondern nur mit Meinungsmache. Hausärzte sind lt. evand nicht kompetent genug, Ritalin zu verschreiben, hingegen soll ein Heer von paramedizinischen "Therapeuten" auf diese unangepassten Kinder losgelassen werden und sie umerziehen. Zucker und Bildschirm sind zu verbieten. Ärzte auch. Richtige Heiler braucht das Volk! Nicht durch naturwissenschaftliche facts voreingenommen!
    Weitere Antworten anzeigen
  • koalabear 11.12.2017 21:08
    Highlight Highlight Leider ist es nicht Realität, dass Ritalin nur ein Baustein der Therapie ist. Ritalinrezepte werden verlängert, Therapieerfolge nicht überprüft. Ich bin Ritalin gegenüber positiv eingestellt, doch wer zur Zeit alles die Diagnose ADHS stellen darf und Ritalin verschreibt, dies stelle ich klar in Frage.
    • Saraina 11.12.2017 22:26
      Highlight Highlight Sich selbst überschätzende Kinderärzte zum Beispiel, die keine weitere Betreuung des Kindes und der Familie anbieten.

      ADHS gehört zu Spezialisten.
  • Don Alejandro 11.12.2017 21:03
    Highlight Highlight Viele Eltern nehmen das Ritalin selbst. Auf dem Schwarzmarkt gerade bei Studenten sehr beliebt.
    • batschki 12.12.2017 01:33
      Highlight Highlight Und??
    • Don Alejandro 12.12.2017 07:04
      Highlight Highlight @batschki: 1+1=2
    • batschki 12.12.2017 18:47
      Highlight Highlight Ritalin hat die Eigenschaft, hypomotorische ADS Patienten zu aktivieren (übrigens auch Demente mit Tag/ Nachtumkehr: wirkt phantastisch, besser als jedes Antidepressivum und jede nicht medikamentöse Therapie) und hypermotorische ADHSler zu beruhigen. Normalos mit "normaler" Hirnfunktion werden lediglich hypernervös, verlieren eine adäquate Kritikfähigkeit und damit auch ein gesundes Urteilsvermögen. Wer Ritalin frisst, ohne es nötig zu haben soll sich nicht wundern, wenn 1+1 plötzlich = 11 ist.

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