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Ritalin wird zu häufig verschrieben: Nationalrat will Ursachen von ADHS genauer klären

Gegen den Basler Pharmakonzern Novartis ist in den USA erstmals eine Sammelklage eingereicht worden, wurde am 16. Mai 2000 bekannt. Das Medikament Ritalin von Novartis soll dieser Beschwerde zufolge N ...
Verena Herzog wolle Ritalin «nicht verteufeln», sagte Motionärin Herzog. «Im Einzelfall ist das Medikament hilfreich.» Der Bundesrat solle aber weitere Massnahmen gegen das Syndrom ins Auge fassen.Bild: KEYSTONE

Ritalin wird zu häufig verschrieben: Nationalrat will Ursachen von ADHS genauer klären

11.12.2017, 20:1811.12.2017, 20:18

Der Bundesrat soll die Ursachen, die sich hinter der Diagnose ADHS verbergen, systematisch prüfen müssen. Der Nationalrat hat am Montag einen entsprechenden Vorstoss von Verena Herzog (SVP/TG) angenommen.

Mit 90 zu 81 Stimmen bei 4 Enthaltungen stimmte die grosse Kammer der Motion zu. Über diese muss nun der Ständerat befinden. Stimmt auch er Ja, muss der Bundesrat die gemäss dem Vorstoss «viel zu hohe Verschreibungspraxis» von Ritalin in der Deutsch- und Westschweiz reduzieren.

Sie wolle Ritalin «nicht verteufeln», sagte Motionärin Herzog. «Im Einzelfall ist das Medikament hilfreich.» Der Bundesrat solle aber weitere Massnahmen gegen das Syndrom ins Auge fassen.

Gesundheitsminister Alain Berset sagte, dass wegen der Komplexität und Individualität der jeweiligen Ursachen sich auch die Behandlung gezielt an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren müsse. In der Regel erfolge die Behandlung im Rahmen eines umfassenden Behandlungssettings, das sowohl medizinische wie auch psychische und sozialtherapeutische Interventionen umfasse.

Das gelte insbesondere auch für die Frage, ob und unter welchen Rahmenbedingungen Ritalin eingesetzt werden solle. «Diese Frage muss unter Berücksichtigung der individuellen Behandlungsbedürfnisse und situativen Gegebenheiten entschieden werden», sagte Berset.

Er sieht indes keinen Anlass, in die ärztliche Behandlungsfreiheit einzugreifen. Für eine vertiefende Analyse wäre laut Berset eine systematische Kontrolle der Verschreibungspraxis erforderlich. Das sei jedoch Sache der Kantone.

Vor knapp drei Jahren hatte der Ständerat keinen Grund gesehen, die Verschreibung von Ritalin einzuschränken. Er lehnte einen Vorstoss ohne Gegenstimme ab, der im Nationalrat noch eine Mehrheit gefunden hatte. Gemäss der Motion sollte der Bundesrat dafür sorgen, dass Ritalin nur dann verschrieben wird, wenn es wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist sowie im Rahmen einer umfassenden Therapie und Behandlung verabreicht wird.

Vom Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) sind laut dem Bundesrat in der Schweiz rund 3 bis 5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Schulalter betroffen. Gemäss den verfügbaren Daten wird ein Viertel von ihnen mit Methylphenidat - am besten unter Ritalin bekannt - behandelt. (sda)

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