Schweiz
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epa05435191 Police officers patrol a security perimeter during police operations in the Val Notre Dame neigborhood in Argenteuil, near Paris, France, 21 July 2016. According to reports, the operation is not linked to the Nice truck attack.  EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Frankreich rüstet weiter auf: Schwer bewaffnete Polizisten gehören seit den Anschlägen zum öffentlichen Bild.  Bild: CHRISTOPHE PETIT TESSON/EPA/KEYSTONE

Wie die Schweizer Waffenschmiede Brügger & Thomet vom Terrorismus profitiert 

Nach der schrecklichen Welle von Attentaten, die Europa in den vergangen Wochen und Monaten erfasst hat, decken sich nicht nur die Bürger vermehrt mit Waffen ein. Auch die Polizeicorps rüsten auf. Dies sorgt bei den Thuner Waffenherstellern des Unternehmens Brügger & Thomet AG für volle Auftragsbücher. 



Mit dem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris hat alles begonnen. Es war der 7. Januar 2015 der Europa ein erstes Mal aufschreckte. Seither rissen nicht nur islamistisch motivierte Attacken hunderte Menschen in den Tod. Das letzte Mal zugeschlagen haben zwei Attentäter in Saint-Étienne-du-Rouvray am 26. Juli. Sie töteten einen Priester während der Messe. 

Diese Serie hat direkte Auswirkungen auf das Waffenunternehmen Brügger & Thomet AG (B&T AG) in Thun. Karl Brügger, Chef der Firma, sagt zu watson: «Die Auslastung ist bei uns sehr hoch, seit Dezember 2015 haben die Aufträge aus Frankreich stark zugenommen.» Hauptverantwortlich dafür sei die französische Polizei. Diese hat nach den verschiedenen Terroranschlägen reagiert und von der Regierung mehr Budget gesprochen bekommen. «Dort stehen jetzt zusätzliche Mittel zur Verfügung, deshalb liefern wir vor allem nichttödliche Abschussgeräte an Frankreichs Polizei.»

Frankreich will Nationalgarde mit 84'000 Mann

Die als Reaktion auf die Terroranschläge geplante Nationalgarde in Frankreich soll in drei Jahren 84'000 Reservisten umfassen. Das sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Dienstag nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts im Pariser Élyséepalast. Die Nationalgarde könne dann die bisher vom Militär gestemmten Anti-Terror-Einsätze im Inland übernehmen. Bis zu 10'000 Soldaten patrouillieren derzeit in französischen Städten. Präsident François Hollande hatte die Idee einer Nationalgarde schon nach den Pariser Anschlägen im November erwähnt. Vergangene Woche kündigte er offiziell an, sie so schnell wie möglich schaffen zu wollen. (sda/dpa)

«An der EM waren Zivil bekleidete Beamte in den Stadien mit unseren Waffen ausgerüstet um bei einem Angriff den Aggressor effizient neutralisieren zu können. »

Karl Brügger, Chef B&T AG

Die Waffe des Kalibers 40mm, um den sich die französische Polizei reisst, heisst GL-06 und ist ein Granatwerfer. Statt mit scharfer Munition sind die Waffen der Polizisten mit Gummischrot oder Tränengas geladen. 

B & T Waffen AG

Ein französischer Polizist mit einem Granatwerfer GL-06 der B&T AG.  bild: zvg

Der GL-06 wird nicht direkt für die Terror-Bekämpfung eingesetzt. Er ist dazu da, Demonstranten – zum Beispiel mit Molotov Cocktails angreifend – auf Distanz zu halten. Während der Fussball-Europameisterschaft kämpfte die Polizei damit auch gegen Hooligans

Die zweite Waffe mit der das Unternehmen die französische Polizei ausrüstet, ist die Maschinenpistole MP9-N. Laut Brügger ist sie besonders geeignet für Personenschützer oder andere «verdeckt operierende Einsatzkräfte». «An der EM in Frankreich waren Zivil gekleidete Beamte in den Fussballstadien mit der MP9-N ausgerüstet, um bei einem Angriff effizient den Aggressor neutralisieren zu können», sagt Brügger. 

B&T Waffen

Bodyguards schützen den französischen Präsidenten François Hollande mit Maschinenpistolen aus der Schweiz.

Seine Firma liefert zudem Teleskopschlagstöcke und anderes «taktisches Zubehör» nach Frankreich. Wie viel die B&T AG momentan an den Franzosen verdient, ist nicht klar. «Über Zahlen dürfen und wollen wir nicht sprechen», sagt Brügger. Die Behörden wollten dies aus naheliegenden Gründen nicht. 

Fakt ist, dass die B&T AG von 6 Uhr morgens bis 21 Uhr in Schichten arbeitet. Gemäss Brügger ist dies allerdings schon seit Längerem so – um die Frankenstärke auszugleichen. 

French President Francois Hollande (L) speaks with police forces after two assailants had taken five people hostage in the church at Saint-Etienne-du -Rouvray near Rouen in Normandy, France, July 26, 2016. Two attackers killed a priest with a blade and seriously wounded another hostage in a church in northern France on Tuesday before being shot dead by French police.   REUTERS/Pascal Rossignol

Hollande im Gespräch mit Polizisten.
Bild: PASCAL ROSSIGNOL/REUTERS

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Video: watson.ch

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tobi Andr Sch 04.08.2016 00:53
    Highlight Highlight Der Titel scheint mir doch etwas zu negativ. Ist ja nicht so als würde der Terrorismus durch B&G unterstützt oder willkommen geheissen.
    Die Nachfrage durch die betroffenen Staaten besteht und dann find ich das sehr legitim dass eine Schweizer Firma die das Know-How besitzt, ihre Produkte liefert. Meilenweit besser als der Export nach Arabien!
  • Luca Andrea 03.08.2016 23:45
    Highlight Highlight wie mit mehr polizeireservisten anschläge verhindert werden bleibt schleierhaft...
  • reputationscoach 03.08.2016 23:34
    Highlight Highlight Vorschlag für Titel: Wie Schweizer Waffenschmiede Brügger und Thomet den das Sucherheitsbedürfnis zu nutzen weiss.
    • ElendesPack 04.08.2016 12:40
      Highlight Highlight Die wissen gar nichts zu nutzen. Sie produzieren extrem hochwertige Waffen, die geeignet sind für europäische Polizeikräfte und erhalten daher mehr Bestellungen wegen der Sicherheitsanalysen in Europa.
      Dafür mussten sie rein gar nichts proaktiv machen, ausser Waffen zu produzieren, deren Ruf sich international rumgesprochen hat.
  • michiOW 03.08.2016 20:41
    Highlight Highlight Ich finde den Titel total daneben gegriffen, denn er liest sich total negativ.
    Dachte so etwas findet man nur im Blick oder 20min.
    • Money Matter 03.08.2016 21:27
      Highlight Highlight Ich finde den Titel OK. Sie profitieren vom Terrorismus. Im Blick oder 20min würde dann wohl eher stehen, dass die Firma von den Terroristen profitiert..
    • Felix Burch 03.08.2016 22:45
      Highlight Highlight Was würdest du denn besser finden? Mach doch einen Vorschlag.
    • Olf 03.08.2016 23:54
      Highlight Highlight Felix, du bist der Reporter, ich frag dich auch nicht wie ich meine Arbeit machen soll.
      Der Unterton eines Vorwurfs lässt sich jedenfalls nicht leugnen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • _kokolorix 03.08.2016 20:10
    Highlight Highlight 'um die Frankenstärke auszugleichen'
    Das ich nicht lache. In Wahrheit optimieren sie den Gewinn. Wäre die Nachfrage nicht riesig, wurden sie mit Kurzarbeit auf kosten des Staates und der Angestellten die Frankenstärke kompensieren ...
  • giguu 03.08.2016 18:20
    Highlight Highlight Islamisch motivierte Attacken, oder islamistischen motivierte Attacken? Islam motiviert doch nicht zu Attacken... 😡

    (Anmerkung der Redaktion: Richtig, ist angepasst. Mit Dank!)
    • giguu 03.08.2016 22:08
      Highlight Highlight Danke euch!
  • Massattan 03.08.2016 17:46
    Highlight Highlight Die neutrale Schweiz, also natürlich nur, wenns uns grad passt. Diese Scheinheiligkeit ist immer wieder erstaunlich!
    • Scaros_2 03.08.2016 18:36
      Highlight Highlight Was hat die Neutralität eines Landes mit einer Firma zu tun die nicht dem Bund gehört?
    • ElendesPack 04.08.2016 12:43
      Highlight Highlight "Die neutrale Schweiz"?
      1. Brügger Thomet sind ein Privatunternehmen.
      2. Die Schweiz streicht einzig Steuern von denen ein.
      3. Als Teil der Schweiz habe ich von Brügger Thomet noch keinen Rappen profitiert.
      4. Was ist daran verwerflich, Polizeikräfte auszurüsten? Sollen die in Zukunft mit Steinschleudern arbeiten?
  • Matthias Studer 03.08.2016 14:20
    Highlight Highlight Ok, wenn die Nachfrage nicht da wäre, kann man noch lange Schicht schieben. Die Nachfrage ist da, und ich denke lieber an die französische Polizei anstatt in die Türkei oder Saudi-Arabien.
    • Juan Igg 03.08.2016 14:31
      Highlight Highlight Die Türkei bekämpft doch auch Terroristen
    • Matthias Studer 03.08.2016 14:49
      Highlight Highlight Die Schweiz durfte an die Präsidenten Garde Waffen liefern, nicht an die reguläre Armee (denke wegen den Angriffen an die Kurden). Blöd nur das diese jetzt aufgelöst wurde und damit diese Waffen an die reguläre Armee weiter geht.

      Aber zum Glück sind alle Länder so pflichtbewusst und liefern die gelieferten Waffen bei Nichtgebrauch wieder zurück ;-)
    • 7immi 03.08.2016 15:11
      Highlight Highlight das unternehmen stellt ja nicht nur waffen her. z.b. schutzwesten haben sie ebenfalls im angebot. die nachfrage nach schutzwesten ist so hoch, dass viele polizeikorps selbst in der schweiz noch nicht vollständig ausgerüstet werden konnten. gut möglich also, dass auch dafür überstunden geleistet werden müssen...
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