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Noch drehen sie: die Discokugeln im Club Purpur in Zürich.
Noch drehen sie: die Discokugeln im Club Purpur in Zürich.Bild: keystone

Genf schliesst Clubs – in Zürich warnt man vor erneutem Shutdown

Am Freitagnachmittag gaben die Genfer Behörden bekannt, dass sie die 36 Nachtclubs wieder schliessen. Grund dafür sind die steigenden Covid-19-Fallzahlen. In Zürich fürchten sich die Clubbetreibenden vor einem erneuten Shutdown.
31.07.2020, 15:5701.08.2020, 00:10

Am Freitag überschlugen sich die Ereignisse. Erstmals zeigte eine Auswertung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), wo sich die mit Corona infizierten Menschen angesteckt hatten. Rund 42 Prozent der Ansteckungen passierten im Club. Kurz darauf gaben die Genfer Behörden bekannt, dass die 36 Nachtclubs wieder geschlossen werden.

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In Zürich hielt die Zürcher Bar- und Clubkommission (BCK) ebenfalls am Freitagnachmittag eine Pressekonferenz ab. Die Lokale wieder zu schliessen, komme für die BCK nicht in Frage, so Geschäftsführer Alexander Bücheli. «Nur ein Prozent der Veranstaltungen in Zürich war von positiven Corona-Fällen betroffen».

Insgesamt hätten seit der Wiedereröffnung im Juni aber rund 120'000 Personen einen Zürcher Club oder eine Bar besucht. Es sei deshalb wichtig, jetzt die Relationen zu wahren. «Wir sehen keinen Grund, die Clubs wieder zu schliessen.»

Clubs und Restaurants als Virentreiber

Die Auswertung des BAG, die vom SRF publizierte wurde, deutet auf andere Zahlen hin. Darin analysierte das BAG 729 Covid-Fälle, die zwischen vom 16. bis und mit 30. Juli registriert und zu denen Angaben zum Ansteckungsort gemacht wurden.

Nach den 41,6 Prozent der Personen, die sich im Club mit dem Virus ansteckten, folgen die Bars und Restaurants als Ansteckungsorte. Rund 27 Prozent holten sich dort das Virus. Die Familie (12,4%) und medizinische Betriebe (7,8%) folgen auf dem dritten und vierten Platz.

Angaben zum Einkaufen oder im öffentlichen Verkehr fehlen, weil die Ärzteschaft diese Ansteckungsorte bei der Registration der Covid-Fälle nicht ankreuzen kann. Auch Ferien im Ausland fehlen auf der Liste. Dies, weil solche Infektionen zu den Kategorien «Bar/Restaurant» oder «Familie» gezählt werden.

Von der Kritik überrascht

Die Zürcher Clubszene gab sich derweil kämpferisch. Dass die Clubs in die Kritik gerieten, überraschte BCK-Präsident Alexander Bücheli. Es sei richtig mit dem Finger auf sie gezeigt worden. «Wir wünschen uns weniger Polemik und mehr Verständnis für die Jugendlichen», sagte er an der Pressekonferenz. Auch sie hätten in den vergangenen Monaten auf vieles verzichtet.

Geschäftsführerin Laura Ameti wartet mit Atemschutzmaske bei Check-in im Club Purpur in Zürich mit der Mindful App, einem Programm auf dem Smartphone für die Kontaktdatenpflicht
Geschäftsführerin Laura Ameti wartet mit Atemschutzmaske bei Check-in im Club Purpur in Zürich mit der Mindful App, einem Programm auf dem Smartphone für die KontaktdatenpflichtBild: keystone

Ob eine Maskenpflicht im Club sinnvoll wäre, ist für Bücheli unklar. «Wir wissen nicht, ob die Gäste eine tragen würden.» Sicher sei nur, dass das Durchsetzen mit beträchtlichem Aufwand verbunden wäre. Zusatzaufwand haben die Clubs bereits jetzt, weil die Besucherinnen und Besucher am Eingang ihre Daten angeben müssen. Oft steht eine zusätzliche Angestellte am Bar- oder Clubeingang, welche den Besucherinnen und Besuchern dabei hilft.

Bis Herbst keine Liquidität mehr

Ein erneuter Lockdown ist für die Branche und deren Angestellte auch eine Frage des Überlebens: Jeder vierte Betrieb hat bereits Angestellte entlassen. Von den Verbliebenen beziehen aktuell 75 Prozent Kurzarbeitsentschädigung. Die Corona-Kurzarbeit läuft aber Ende August aus. Dann dürften noch mehr Angestellte ihre Stelle verlieren. Gemäss Bücheli wird zudem ein grosser Teil der Clubs bis Herbst keine Liquidität mehr haben und wohl für immer in den Lockdown gehen.

«Auch Clubs sind Kulturbetriebe»

Die Wiedereröffnung am 6. Juni kam auch für viele Clubs unverhofft. «Das Tempo hat selbst uns überrascht», sagte Bücheli. Bis heute machten aber nur 40 Prozent der Betriebe von der Möglichkeit Gebrauch. 60 Prozent haben gar nicht regulär geöffnet. 14 Prozent öffneten zwar, schlossen inzwischen aber bereits wieder. Bücheli hofft auf Unterstützung des Staates, damit die Branche das Virus überlebt. Es werde bekanntlich länger bleiben, also brauche es einen Weg, um längerfristig damit umzugehen. (ohe)

Mit Material von sda

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89 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Maria R.
31.07.2020 19:45registriert April 2020
Man scheint es endlich zu kapieren.

Clubs schweizweit schliessen, und gut ist.

Oder wollt ihr, bis zum nächsten Lockdown, Parties feiern und zuschauen, wie die komplette Wirtschaft gegen die Wand fährt?
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Adrian Suter
31.07.2020 20:29registriert Juli 2020
2/3 der ansteckungen im ausgang. Sorry liebe zürcher, ihr müsst es selber begreifen, eure gesundheitsdirektorin ist offenbar anderweitig beschäftigt...
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Pfirsch
31.07.2020 19:59registriert Januar 2019
Alexander Bücheli sagt, dass man mehr Verständnis für die Jugendlichen haben soll. OK, verstehe ich.

Und ich wünsche mir manchmal, dass "die Jugendlichen" etwas mehr Verständnis für uns alten Säcke aufbringen würden.

Auch ich habe keine Lust auf weitere Einschränkungen in meinem Leben nur weil ein paar/zu viele Jugendliche es nicht ertragen, für ein paar Monate auf ihr essentielles Grundbedürfnis "Party! Party!" verzichten zu müssen - und sie haben ja normalerweise noch recht viel Lebenszeit mit Aussicht auf hinreichend Party vor sich.

We're all in it together.
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