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In zahlreichen Städten der Schweiz solidarisieren sich die Leute mit Menschen, die der Risikogruppe angehören und bieten ihnen ihre Hilfe an.
In zahlreichen Städten der Schweiz solidarisieren sich die Leute mit Menschen, die der Risikogruppe angehören und bieten ihnen ihre Hilfe an.
bild: montage watson

Facebook-Gruppe und Flyer – so organisieren sich Menschen für die Risikogruppe

Der Bund rät Menschen, die der Risikogruppe angehören, möglichst zu Hause zu bleiben. Nun organisieren sich in der Schweiz tausende Freiwillige, um den gefährdeten Personen unter die Arme zu greifen.
13.03.2020, 11:4513.03.2020, 14:45

Wer über 65 Jahre alt ist und/oder an einer chronischen Krankheit leidet oder zu immunsupprimierten Patienten gehört, zählt zur Risikogruppe des Coronavirus. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rät diesen Personen, den öffentlichen Verkehr, Supermärkte bei Stosszeiten oder Orte mit vielen Menschen zu meiden.

Für viele ist das Virus eine grosse Einschränkung in ihrem Alltag. Deshalb werden vermehrt jüngere und gesunde Menschen aktiv, um der Risikogruppe zu helfen. Seit gestern organisieren sie sich in Basel und in Zürich in Facebook-Gruppen und bieten in ihren Stadtteilen Hilfe an.

Gegründet wurde die erste Gruppe «Gärn gschee – Basel hilft» in Basel vom Online-Medium «Bajour». «Wir wollen positive Vibes aussenden, die dazu beitragen, dass die Menschen in dieser Ausnahmesituation zusammenstehen», sagt Andrea Fopp, Redaktorin bei «Bajour», zu watson. Im Gruppenbeschrieb informieren sie:

«Corona ist real. Das BAG empfiehlt Menschen, die zur Risikogruppe gehören, das Haus nicht zu verlassen und den Kontakt zu Mitmenschen zu meiden. Konsequenz: Sie kommen nicht zum Einkaufen, können ihre Kommissionen nicht mehr erledigen.

Bajour will darauf reagieren: In dieser Gruppe vernetzen wir Basler*innen, die auf Unterstützung angewiesen sind, mit Basler*innen, die gerne helfen. Auf Geldzahlung und Gegenleistungen wird verzichtet. Wer kann, hilft, wer darauf angewiesen ist, nimmt Hilfe an. Unentgeltlich. Wir sind keine Verkaufs-, Tausch- oder Jobbörse, und keine Immobilienplattform. So funktioniert's: Poste in die Gruppe wenn du Hilfe anbietest oder brauchst. Schreibe wo du bist und was du brauchst oder tun kannst.»

Mittlerweile hat die Gruppe über 1000 Mitglieder, die quasi im Minutentakt ihre Hilfe anbieten.

Betroffene können die Personen der Hilfsangebote direkt kontaktieren. Bei einem Post schreibt jemand: «Vielen Dank für diese Idee. Gehöre zur Risikogruppe und falls nötig, greife ich gerne darauf zurück.» Und eine andere: «Das ist eine brillante Idee. Ich befinde mich in Selbstisolation, habe COPD und MS. Ich habe zwar das Glück, dass mir meine Enkelin hilft, aber nicht alle haben dieses Glück.»

Kurz nach Basel hat in Zürich das Stadtmagazin «Tsüri.ch» die Gruppe «Gern gscheh – Tsüri hilft <3» gegründet und hat bereits über 150 Mitglieder. Heute Freitag wurden in zahlreichen weiteren Städten und Orten Gruppen eröffnet. Auf der Webseite «hilf-jetzt.ch» werden alle aufgelistet.

In Deutschland haben die Einwohner neben Social Media auch auf analoge Mittel zurückgegriffen und im Quartier Zettel aufgehängt, auf denen sie Hilfe anbieten. Gleichzeitig riefen sie den Hashtag «#NachbarschaftsChallenge» ins Leben und animierten andere User, sie nachzuahmen.

«Liebe Nachbar*innen
Sollten Sie über 65 Jahre alt sein und ein geschwächtes Immunsystem haben, möchte ich Euch unterstützen, gesund zu bleiben.
Ich gehöre nicht zur Risikogruppe und könnte Ihnen durch kleinere Besorgungen [...] unter die Arme greifen.
Falls Sie also Unterstützung brauchen, stecken Sie mir bitte einen Zettel an die Tür und hinterlassen Sie mir Ihre Telefonnummer.
Gemeinsam steht man alles durch. Sie sind nicht alleine!»

Seit kurzem gibt es nun auch die Webseite «gegen-den-virus.de», wo man eine Vorlage, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurde, herunterladen kann. Die Gründer schreiben:

«Damit wir alle das Coronavirus gut überstehen, müssen wir einander helfen. Menschen aus Risikogruppen brauchen eure Hilfe. Hier stellen wir digitale Hilfsmittel zur Verfügung, welche die Brücke zwischen den digitalen Hilfsangeboten und den zumeist analogen Bedürftigen schlagen.»

Auch in Basel hat man die Problematik erkannt, dass ältere Menschen nicht auf Facebook sind. «Deshalb sind wir daran, Flyer zu drucken, die wir in Briefkästen werfen und an die Leute verteilen. Dort stehen Telefonnummer und E-Mail unserer Redaktion darauf, so dass wir Triage machen können und Hilfesuchende und Helfende vernetzen können», sagt Fopp.

Du bist jung und gesund und willst deiner Nachbarschaft helfen? Hier haben wir dir ein Schreiben vorbereitet.

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Solidarität mit armen Menschen in der Schweiz

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quelle: keystone / marcel bieri
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