Schweiz
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In zahlreichen Städten der Schweiz solidarisieren sich die Leute mit Menschen, die der Risikogruppe angehören und bieten ihnen ihre Hilfe an. bild: montage watson

Facebook-Gruppe und Flyer – so organisieren sich Menschen für die Risikogruppe

Der Bund rät Menschen, die der Risikogruppe angehören, möglichst zu Hause zu bleiben. Nun organisieren sich in der Schweiz tausende Freiwillige, um den gefährdeten Personen unter die Arme zu greifen.



Wer über 65 Jahre alt ist und/oder an einer chronischen Krankheit leidet oder zu immunsupprimierten Patienten gehört, zählt zur Risikogruppe des Coronavirus. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rät diesen Personen, den öffentlichen Verkehr, Supermärkte bei Stosszeiten oder Orte mit vielen Menschen zu meiden.

Für viele ist das Virus eine grosse Einschränkung in ihrem Alltag. Deshalb werden vermehrt jüngere und gesunde Menschen aktiv, um der Risikogruppe zu helfen. Seit gestern organisieren sie sich in Basel und in Zürich in Facebook-Gruppen und bieten in ihren Stadtteilen Hilfe an.

Gegründet wurde die erste Gruppe «Gärn gschee – Basel hilft» in Basel vom Online-Medium «Bajour». «Wir wollen positive Vibes aussenden, die dazu beitragen, dass die Menschen in dieser Ausnahmesituation zusammenstehen», sagt Andrea Fopp, Redaktorin bei «Bajour», zu watson. Im Gruppenbeschrieb informieren sie:

«Corona ist real. Das BAG empfiehlt Menschen, die zur Risikogruppe gehören, das Haus nicht zu verlassen und den Kontakt zu Mitmenschen zu meiden. Konsequenz: Sie kommen nicht zum Einkaufen, können ihre Kommissionen nicht mehr erledigen.

Bajour will darauf reagieren: In dieser Gruppe vernetzen wir Basler*innen, die auf Unterstützung angewiesen sind, mit Basler*innen, die gerne helfen. Auf Geldzahlung und Gegenleistungen wird verzichtet. Wer kann, hilft, wer darauf angewiesen ist, nimmt Hilfe an. Unentgeltlich. Wir sind keine Verkaufs-, Tausch- oder Jobbörse, und keine Immobilienplattform. So funktioniert's: Poste in die Gruppe wenn du Hilfe anbietest oder brauchst. Schreibe wo du bist und was du brauchst oder tun kannst.»

Mittlerweile hat die Gruppe über 1000 Mitglieder, die quasi im Minutentakt ihre Hilfe anbieten.

Betroffene können die Personen der Hilfsangebote direkt kontaktieren. Bei einem Post schreibt jemand: «Vielen Dank für diese Idee. Gehöre zur Risikogruppe und falls nötig, greife ich gerne darauf zurück.» Und eine andere: «Das ist eine brillante Idee. Ich befinde mich in Selbstisolation, habe COPD und MS. Ich habe zwar das Glück, dass mir meine Enkelin hilft, aber nicht alle haben dieses Glück.»

Kurz nach Basel hat in Zürich das Stadtmagazin «Tsüri.ch» die Gruppe «Gern gscheh – Tsüri hilft <3» gegründet und hat bereits über 150 Mitglieder. Heute Freitag wurden in zahlreichen weiteren Städten und Orten Gruppen eröffnet. Auf der Webseite «hilf-jetzt.ch» werden alle aufgelistet.

In Deutschland haben die Einwohner neben Social Media auch auf analoge Mittel zurückgegriffen und im Quartier Zettel aufgehängt, auf denen sie Hilfe anbieten. Gleichzeitig riefen sie den Hashtag «#NachbarschaftsChallenge» ins Leben und animierten andere User, sie nachzuahmen.

«Liebe Nachbar*innen
Sollten Sie über 65 Jahre alt sein und ein geschwächtes Immunsystem haben, möchte ich Euch unterstützen, gesund zu bleiben.
Ich gehöre nicht zur Risikogruppe und könnte Ihnen durch kleinere Besorgungen [...] unter die Arme greifen.
Falls Sie also Unterstützung brauchen, stecken Sie mir bitte einen Zettel an die Tür und hinterlassen Sie mir Ihre Telefonnummer.
Gemeinsam steht man alles durch. Sie sind nicht alleine!»

Seit kurzem gibt es nun auch die Webseite «gegen-den-virus.de», wo man eine Vorlage, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurde, herunterladen kann. Die Gründer schreiben:

«Damit wir alle das Coronavirus gut überstehen, müssen wir einander helfen. Menschen aus Risikogruppen brauchen eure Hilfe. Hier stellen wir digitale Hilfsmittel zur Verfügung, welche die Brücke zwischen den digitalen Hilfsangeboten und den zumeist analogen Bedürftigen schlagen.»

Auch in Basel hat man die Problematik erkannt, dass ältere Menschen nicht auf Facebook sind. «Deshalb sind wir daran, Flyer zu drucken, die wir in Briefkästen werfen und an die Leute verteilen. Dort stehen Telefonnummer und E-Mail unserer Redaktion darauf, so dass wir Triage machen können und Hilfesuchende und Helfende vernetzen können», sagt Fopp.

Du bist jung und gesund und willst deiner Nachbarschaft helfen? Hier haben wir dir ein Schreiben vorbereitet.

Solidarität mit armen Menschen in der Schweiz

«Sweet Home-Office Alabama» und andere Coronavirus-Lieder

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    Alle Leser-Kommentare
  • Why-not? 13.03.2020 17:20
    Highlight Highlight Die Klimabewegung organisiert sich ebenfalls für die Betroffenen: https://climatestrike.ch/corona/

    Mit diesem Dokument hier kann einfach Hilfe im Quartier angeboten werden: https://climatestrike.ch/corona/
  • Enzian034 13.03.2020 17:07
    Highlight Highlight Bin 65 und habe kein Facebook, was nun?
    • DREW ORLEANS 13.03.2020 17:59
      Highlight Highlight In dieser speziellen Situation einen Account einrichten und Freunden derselben Altersgruppe dies ebenfalls empfehlen statt sich selbst zu bemitleiden?
      Und Dankbarkeit zeigen gegenüber all den solidarischen Menschen die ein solches Angebot ermöglichen.
  • TheDoc 13.03.2020 15:00
  • MGPC 13.03.2020 13:24
    Highlight Highlight Hey cool finde ich super, macht weiter so. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Auch Oberflächen können kontaminiert sein und es gibt Menschen die nicht wissen ob sie das Virus haben. Das sage ich betreffend den Einkäufen und Geld. Zieht Handschuhe an oder putzt alles ab bevor ihr es weitergebt. Sonst ist das ganze für die Katz und ihr bringt mit der Aktion noch mehr Menschen in Gefahr.
    • Füürtüfäli 13.03.2020 18:40
      Highlight Highlight Das ist doch kein Problem. Die Nachbarin ruft mich an was sie benötigt und ich kauf es ein und stell es ihr vor die Tür. Kassenbon abfötälä und ihr den Bon in die Einkaufstasche stecken. Wenn sich die Situation beruhigt hat, wird abgerechnet (Bar oder E-Banking). 🤷‍♀️
    • dmark 13.03.2020 19:16
      Highlight Highlight Kleiner Tipp am Rande... Eine UV-C Lampe (nicht die Geldscheinprüfer) wirkt Wunder. Die gibt es auch im Format Taschenlampe. Kurz mal über die Utensilien gehalten und Viren sind hinüber.

      Schutzmassnahmen beachten und nicht in die Lampe selbst schauen!
  • TriggerM 13.03.2020 13:14
    Highlight Highlight schön zu sehen das die Schweizer Bevölkerung zusammenhält.

    <3
  • Gopfridsenkel 13.03.2020 13:11
    Highlight Highlight Tolle Idee, ich hänge direkt heute Abend eine solche Nachricht bei uns im Treppenhaus auf!
  • mala fide 13.03.2020 13:00
    Highlight Highlight Weiss jemand, wie die Gruppe für Luzern auf Facebook heisst? Konnte sie nicht finden
    • mala fide 13.03.2020 13:23
      Highlight Highlight Danke, habs dank dem Link gefunden
  • Ruefe 13.03.2020 12:58
    Highlight Highlight Könnte man bitte auch Links zu den Gruppen in den Artikel schreiben, finde es eine super Idee
    • Jara Helmi 13.03.2020 13:16
      Highlight Highlight Hallo Ruefe

      Danke für den Input. Die Städte sind nun verlinkt.

      Liebe Grüsse
      Jara
    • Ruefe 13.03.2020 13:38
      Highlight Highlight Danke sehr!
  • JtotheP 13.03.2020 12:37
    Highlight Highlight Die Risikogruppe sollte ja einfach möglichst zuhause bleiben.
    War vorhin im Coop-Restaurant. Alles voll mit Rentner ... Good Job!!
    🤷🏻‍♂️


    • Aglaya 13.03.2020 14:04
      Highlight Highlight Ich pendle mit dem Zug auf einer beliebten Touristen-Strecke. Diese Woche waren jeden Abend um 17 Uhr dutzende von Rentnern auf dem Heimweg von ihren Ausflügen...
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 13.03.2020 15:04
      Highlight Highlight Ja dammi nomoll lasst uns doch raus und ein Reisli machen, ich riskiere dabei mein eigenes Leben und nicht eures.
      Lieber ein erfülltes Leben das vielleicht etwas kürzer ist als isoliert werden.
    • ridega 13.03.2020 17:26
      Highlight Highlight @JtotheP: Naja, nicht jede/r will 100+ Jahre alt werden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • homo sapiens melior 13.03.2020 12:28
    Highlight Highlight Eine Facebook-Gruppe für ST. GALLEN
    https://www.facebook.com/groups/189777652351193/
  • homo sapiens melior 13.03.2020 12:28
  • Name_nicht_relevant 13.03.2020 12:26
    Highlight Highlight Ich habe es mal in der Säuliamtgruppe gepostet, eventuell hat dort jemand bedarf. Helfen ist immer Super.
  • Chrigi-B 13.03.2020 12:21
    Highlight Highlight Bitte diesen Artikel ganz oben auf der Hauptseite platzieren und nicht diese Kaffeesatzleserei!
  • Flie 13.03.2020 12:16
    Highlight Highlight Sieht aus als versteht die Bevölkerung das Ganze besser als der Bund. Sehr schlechte Noten für unsere Regierung. Eigentlich sollte man die Behörden wegen fahrlässigkeit anklagen, bei diesen lachhaften Massnahmen die der Bund trifft und alles abschiebt.
    • Hömönösnödy 13.03.2020 12:43
      Highlight Highlight Ja den Zivilschutz dafür aufbieten.
      Man muss das Tenu korrekt tragen sonst drohen saftige Bussen, aber bei unseren super Zivilschutz Befehlshabenden kommt niemand auf die Idee wirklich „zu Zivilschützen“. Bei Bussen verteilen sind sie besonders gut, aber sinnvolle Sachen liegen nicht drin.
    • Saraina 13.03.2020 14:06
      Highlight Highlight Erwachsene Menschen können sich selbst zu Nachbarschaftshilfe organisieren. Wo alles der Staat macht und bestimmt, drohen totalitäre Verhältnisse!
    • Flie 13.03.2020 14:27
      Highlight Highlight Wenn man härtere Massnahmen getroffen hätte, wäre es nie so weit gekommen wie jetzt. Bildet euch ein, was ihr wollt, die Realität ist so, dass zu lange larifari Mentalität geherrscht hat!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mietzekatze 13.03.2020 11:59
    Highlight Highlight Wie heisst die Gruppe in Bern? konnte sie nicht finden....
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Interview

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