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Schweiz
Coronavirus

Coronavirus: Welche Massnahme in der 2. Welle am meisten brachte

Welche Coronamassnahme in der 2. Welle am meisten brachte – und welche eher schadete

Bild: shutterstock.com
14.06.2022, 13:4914.06.2022, 13:50

Dank der Schliessung von Restaurants und dem Verbot von Grossveranstaltungen ist es gemäss einer neuen Studie zu weniger Covid-bedingten Hospitalisierungen gekommen. Andere Massnahmen waren demnach kontraproduktiv. Untersucht wurde der Zeitraum zwischen August 2020 und März 2021. Damals erfasste die zweite Welle die Schweiz. Nie während der gesamten bisherigen Coronazeit lagen die Hospitalisierungen und die Übersterblichkeit höher.

Welche Massnahmen hatten den grössten Effekt?

Die Schliessung der Restaurants führte zu einem geschätzten Rückgang der Covid-bedingten Hospitalisierungen zwischen 28 und 41 Prozent, wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie zur Wirkung der Pandemie-Massnahmen aufzeigt.

Die Daten betreffend Restaurants seien statistisch signifikant und über die verschiedenen Modelle weitgehend robust, schrieben die Studien-Verfasser dazu.

Zum einem ähnlichen Fazit kamen die Autoren betreffend des Verbots von Grossveranstaltungen. Auch diese hätten einen robusten negativen Effekt auf die Hospitalisierungen gehabt.

Die Studie
Im Zentrum der Studie stand die Frage nach dem kausalen Zusammenhang zwischen einzelnen nicht-pharmazeutischen Massnahmen und dem Verlauf der Hospitalisierungen. Die Studie wurde vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in Auftrag gegeben und vom Zürcher Unternehmen «Swiss Economics» durchgeführt. Untersucht wurde der Zeitraum zwischen August 2020 und März 2021.

Welche Massnahmen schadeten eher?

Als überraschend dürften die Ergebnisse zu den Massnahmen im Aussenbereich bezeichnet werden. So legten die Daten nahe, dass sich Einschränkungen betreffend Versammlungen im Aussenbereich eher fördernd auf die Anzahl Hospitalisierungen auswirkten. Laut den Studienmachern sind die Daten zwar nicht robust, aber durchaus plausibel. Dies, weil bei Verboten von Versammlungen im Aussenbereich auf den Innenbereich ausgewichen werde, wo ein höheres Ansteckungsrisiko bestehe.

Wo waren die Resultate weniger klar?

Bei den weiteren Massnahmen waren die Ergebnisse weniger eindeutig. So legten etwa die Daten zu den Schliessungen von Bars den gewünschten Effekt nahe, allerdings konnten die Studienmacher Kausalitätsprobleme nicht ausschliessen.

Die Resultate zur Schliessung der Geschäfte wiederum streuten laut Studie so stark, dass «keine eindeutigen Schlussfolgerungen» gemacht werden konnten. Mit ein Grund dafür war, dass es betreffend der Geschäftsschliessungen im analysierten Zeitraum von August 2020 und März 2021 nur während kurzer Zeit Unterschiede zwischen den Kantonen gab. Solche machten sich aber die Autoren zunutze, um die Wirkung einzelner Massnahmen zu untersuchen.

Bei der Maskenpflicht in Restaurants und den Einschränkungen bei Versammlungen im Innenbereich ermöglichte die Datenlage keine klaren Aussagen. Auch bei den Massnahmen von Indoor-Sportanlagen und Discotheken ergab die Studie kein klares Bild. Dies eventuell auch, weil diese Massnahmen vor allem junge, gesunde Menschen betrafen, wie die Studienautoren erwähnten.

Und was ist mit den Schulferien?

Neben den konkreten Pandemie-Massnahmen untersuchte die Studie auch die Auswirkungen der verschiedenen Schulferien auf die Anzahl Hospitalisierungen. Dabei zeigte sich, dass die Sportferien einen robust negativen Effekt auf die Hospitalisierungen hatten. Hingegen wurde der Effekt der Weihnachtsferien als tendenziell positiv bezeichnet – das heisst, ohne Weihnachtsferien wäre es wohl zu weniger Hospitalisierungen gekommen. Bei den Herbstferien liess sich kein Effekt feststellen.

Moment, ich benötige eine Übersicht

Voilà:

Die Übersicht über die Massnahmen
Bild: seco.admin.ch

(sda)

Kantone kritisieren Scheuklappen des Bundes
Die Kantone kritisieren die Zusammenarbeit mit dem Bund bei der Bewältigung der Corona-Krise. Eine Art Scheuklappenblick habe die Sicht aufs Ganze eingeengt und den Austausch behindert, kommt die Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr (RK MZF) zum Schluss.

Der Austausch zwischen Bund und Kantonen bei der Bewältigung der Covid-19-Krise habe nicht reibungslos funktioniert, heisst es am Dienstag auf der Internetseite der RK MZF. Die bestehenden Systeme seien zunächst kaum in der Lage gewesen, einen konstanten und geordneten Informationsfluss sicherzustellen. In der Entscheidungsfindung habe meist eine «sektorielle Sicht» dominiert. Zudem sei zu wenig vorausschauend geplant und mit Szenarien gearbeitet worden.

Der Einbezug der Kantone in die Entscheidungsfindung des Bundesrates, die Koordination zwischen Bund und Kantonen sowie die Unterstützung des kantonalen Vollzugs hätten sich allerdings im Verlauf der Krise verbessert.

Die Kantone fordern nun die Schliessung gesetzlicher und organisatorischer Lücken im Krisenmanagement und die Präzisierung bestehender Prinzipien im Hinblick auf eine bessere Umsetzung. Dadurch solle ein möglichst effizientes und flexibles Krisenmanagement zwischen Bund und Kantonen erreicht werden, heisst es.

Bereits am 24. Mai hatten die Geschäftsprüfungskommissionen von National- und Ständerat (GPK) den Bundesrat dafür kritisiert, zu Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 eine zu passive Rolle in der Krisenorganisation eingenommen zu haben. Als Konsequenz daraus forderten die Geschäftsprüfungskommissionen einen «Fach-Krisenstab». (sda)
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57 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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trichie
14.06.2022 15:13registriert Mai 2017
Nicht alle sind in Statistik oder Ökonometrie bewandert... daher wär nach der Tabelle wohl noch ein Hinweis was genau das ständig dort aufgeführte Endogenitätsproblem ist hilfreich 😉
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Kay Hug (2)
14.06.2022 14:27registriert Juli 2019
"Dies, weil bei Verboten von Versammlungen im Aussenbereich auf den Innenbereich ausgewichen werde, wo ein höheres Ansteckungsrisiko bestehe."

Aber im Innenbereich galten auch Massnahmen, sprich einige haben sich wenn denn nicht an die Massnahmen gehalten. Das hat nichts mit "schadenden Massnahmen" zu tun sondern mit mangelnder Umsetzung.
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