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Im Kantonsspital Fribourg helfen Sanitätssoldaten aus. Genug Personal ist für eine bessere Behandlung von Corona-Patienten essentiell.
Im Kantonsspital Fribourg helfen Sanitätssoldaten aus. Genug Personal ist für eine bessere Behandlung von Corona-Patienten essentiell.Bild: keystone

Warum Corona-Patienten seltener auf die Intensivstation müssen

In den Spitälern hat man von den Erfahrungen während der ersten Coronawelle gelernt und weiss inzwischen besser, wie schwer erkrankte Covid-19-Patienten behandelt werden müssen.
18.11.2020, 05:5519.11.2020, 08:41

In der Schweiz stecken sich jeden Tag noch immer Tausende mit Sars-CoV-2 an. Nach wie vor hoch ist entsprechend die Zahl jener Erkrankten, die aufgrund eines schweren Verlaufs im Spital behandelt werden müssen. Doch es gibt auch gute Nachrichten, denn: Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Sterblichkeit von Covid-19 sinkt.

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Gemessen an der Anzahl Hospitalisierten starben während der zweiten Corona-Welle weniger Personen als noch während der ersten. Doch Stimmen aus der Medizin, Forschung und Wissenschaft warnen, dass diese Zahlen mit Vorsicht zu geniessen seien. Denn die Unterschiede bei den Ergebnissen hängen mit verschiedenen Faktoren zusammen, aus denen keine eindeutigen Schlüsse gezogen werden können. So geht man davon aus, dass einer der Gründe für die tiefere Mortalität während der zweiten Welle auch darin liegt, dass sich mehr jüngere Personen mit dem Virus anstecken und entsprechend auch bessere Genesungschancen haben.

Tägliche Covid-Hospitalisationen und -Todesfälle während der Pandemie

Da für die letzten Tage jeweils noch Nachmeldungen zu erwarten sind, geht die Grafik nur bis zum 11. November.quelle: BAG

Einen weiteren Zusammenhang sehen Ärzte bei der verbesserten Behandlung der Patientinnen in den Spitälern. Die Erfahrungen von der ersten Welle im Frühling dieses Jahres hat man implementiert, Wissenschaft, Medizin und Forschung machen ständig Fortschritte. Inzwischen können Corona-Erkrankte viel spezifischer behandelt werden. Das führt dazu, dass sie einerseits seltener auf die Intensivstation überwiesen werden müssen – und weniger oft an den Folgen des Virus sterben.

Die Behandlung wird immer besser

«Wir haben besser gelernt, was Covid-19 ist und was für Krankheitsbilder daraus entstehen», sagt Hansjakob Furrer, Chefarzt und Klinikdirektor für Infektiologie am Berner Inselspital. So habe man herausgefunden, dass es im Krankheitsverlauf zwei Phasen gebe: Die erste werde durch das Virus verursacht, das sich vor allem in den Schleimhäuten der Atemwege vermehre. Das könne Husten, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, aber auch eine Lungenentzündung verursachen.

Bei einigen Erkrankten komme es zu einer zweiten Krankheitsphase , in welcher das Abwehrsystem auf das Virus falsch und häufig überschiessend reagiere. Dann könne es zu schweren Entzündungen im ganzen Körper kommen. Häufig seien die Lungen stark betroffen, was zu schwerem Sauerstoffmangel führe und eine künstliche Beatmung notwendig mache. Furrer sagt: «Aufgrund dieser Informationen können wir den Ablauf der Krankheit besser einschätzen.»

Während die antiviralen Medikamente für die erste Phase noch nicht genügend erforscht sind, kommen in der zweiten Phase kortisonähnliche Substanzen zur Anwendung. In Studien hat sich insbesondere Dexamethason als wirksam erwiesen. Eine weitere Verbesserung sieht Nicolas Troillet, Leiter Infektionskrankheiten im Spital Wallis, darin, dass weniger Patientinnen intubiert werden müssen.

Während der ersten Welle habe man Erkrankte mit Sauerstoffmangel standardmässig in ein künstliches Koma versetzt. «Inzwischen wissen wir besser, wie wir Patienten auf non-invasive Weise Sauerstoff zuführen können», sagt Troillet. So könne man gefährliche Komplikationen verhindern.

Der Walliser Arzt beobachtet eine Verbesserung der Situation: «Wir haben weniger hospitalisierte Patienten, die auf die Intensivstation verlegt werden müssen als während der ersten Welle.» Das liege vor allem daran, dass sich die Behandlungen auf den Intermediate-Care-Stationen, denjenigen Stationen also, die das Bindeglied zwischen der Intensivstation und den Normalstationen eines Spitals darstellen, so verbessert hätten. Das wirke sich auch auf die Sterberate aus. Troillet sagt: «Wir haben mehr Hospitalisierte, aber weniger, die sterben.» Doch noch sei es zu früh, um eine definitive Prognose zu stellen. Troillet wagt aber zu behaupten, dass sich durch die bessere Behandlung ein besseres Ergebnis bei der Mortalität abzeichnet.

Weniger lange im Spital

Am Universitätsspital Zürich stellen die Ärztinnen eine weitere positive Entwicklung fest. Peter Steiger, stellvertretender Direktor des Instituts für Intensivmedizin, sagte kürzlich in einer Medienkonferenz: «Wir haben das Gefühl, insgesamt geht es den Patienten besser. Sie heilen schneller.» In den letzten Wochen habe sich die Liegedauer auf den Intensivstationen verkürzt. Während die schwer Erkrankten in der ersten Welle durchschnittlich drei Wochen auf der Intensivstation behandelt werden mussten, könne man die meisten Patienten jetzt nach weniger als zwei Wochen wieder aus der Station entlassen.

So erfreulich dieser Fortschritt, so fragil ist er auch. Sämtliche Befragte betonen immer wieder, dass die verbesserte Situation nur so lange anhält, wie auch das Personal gut aufgestellt sei. Selbst mit den neuen Erkenntnissen sei eine gute Behandlung nur dann möglich, wenn genügend Fachkräfte im Einsatz stehen. Gregor Zünd, Vorsitzender der Spitaldirektion des Universitätsspitals Zürich, sagte Anfang Monat an der Pressekonferenz des Kantons: «Die Sterblichkeit am Universitätsspital ist im Vergleich zur ersten Welle zwar gesunken. Doch sollte das Personal ausfallen, dann hätte das Auswirkungen auf die Behandlungsqualität.»

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quelle: keystone / ng han guan
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