Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Corona Session BernExpo Parlament Nationalrat

«Wo ist die Dusche?» – Nachdem die Frage geklärt war, sprangen drei Nationalräte in die Joggingschuhe. Bild: Petar Marjanović

Nationalräte suchen Duschen und Vögel – so war der Tag 2 der Session

Am zweiten Tag traf der Nationalrat Entscheide zu umstrittenen Fragen. Die Parlamentarier nutzten am Mittag Zeit für Sport, PR und Natur. Der Blick nach Bern.



Früher, strenger, umstrittener: Der zweite Tag der Corona-Session des eidgenössischen Parlaments versprach, streng zu werden. Viele kamen gestern erst gegen 22 Uhr aus dem Parlamentsgebäude und mussten schon um 07 Uhr wieder an einer Sitzung sein, um die Themen des Dienstags in der Fraktion oder Kommission vorzubereiten.

Auf der Traktandenliste standen gleich mehrere umstrittene Themen: Wie sollen Medien unterstützt werden? Was passiert mit Gewerbemieten und Corona-Krediten? Wie kommt die Schweiz aus dem Shutdown heraus?

Hilfe für flugnahe Betriebe

Corona Session BernExpo Parlament Nationalrat

Protest unerwünscht, trotz Mundschutz und Abstand: Der Polizist nahm die Personalien einer jungen Demonstrantin auf. Bild: Petar Marjanović

Das erste Traktandum im Nationalrat drehte sich erneut um die höchstpolitische Frage, wie und ob «flugnahen Betrieben» nebst den Airlines Swiss und Edelweiss geholfen werden soll. Die Diskussion spielte sich auch vor dem improvisierten Parlamentsgebäude ab: Rund 20 Jugendliche protestierten mit Plakaten, Transparenten und Mundschutz gegen die Staatshilfe und für Klimaschutz.

Die Polizei intervenierte und verursachte ein irritierendes Bild vor der BernExpo: Links eine Entourage an Ordnungshütern, die junge Klimaaktivisten bei der Tramstation hält und Personalien aufnimmt. Rechts ein Meer von bemalten Kartonschildern mit politischen Forderungen hinter einer Absperrung, die darauf warten, «professionell weggeräumt» zu werden, wie ein Polizist auf Nachfrage eines Nationalrats sagt.

Die schnell lahmgelegte Demonstration hatte entsprechend keinen Erfolg: Der Nationalrat schaffte mit einem Beschluss die Rechtsgrundlage für die 600 Millionen Franken für «flugnahe Betriebe». Die Forderung nach Klimaauflagen fand keine Mehrheit.

Erste Entscheidung bei Geschäftsmieten

Video: extern / rest/parlamentsdienste

Auf dem Programm stand auch der erste Entscheid im Machtkampf um Geschäftsmieten. Gefordert wurde, dass Firmen, die wegen Corona-Massnahmen behördlich geschlossen wurden, nur noch 30 Prozent der Miete bezahlen müssen. Der Hintergrund des Streits um Gewerbemieten kann hier nachgelesen werden.

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran (ZH) hatte bei diesem Punkt einen Auftritt als Kommissionssprecherin. Sie triumphierte zwar politisch (der Antrag wurde mit 103 zu 77 Stimmen bei 15 Enthaltungen angenommen).

Sie kam jedoch wegen ihres Auftritts unter die Räder: Sie antwortete auf Fragen mit Zynismus (Video). Dem SVP-Nationalrat Thomas Matter lupfte es den Deckel: «Ich finde es eine Sauerei, was hier abgeht. Kollegin Badran, Sie sind Kommissionssprecherin und haben keine private Veranstaltung hier auf dieser Bühne.»

Erste richtige Mittagspause

Corona Session BernExpo Parlament Nationalrat

Die Nationalräte Mike Egger (SVP/SG), Marcel Dobler (FDP/SG) und Andri Silberschmidt (FDP/ZH). Bild: Petar Marjanović

Neben dem Politischen, gab es auch heute Nebenschauplätze. Davon gab es am Mittag einige, am Dienstag wurde in beiden Räten die Sitzung gegen 13 Uhr für eine Pause unterbrochen.

Die beiden Herren der «Polit-WG» Nationalrat Andri Silberschmidt (FDP/ZH) und Mike Egger (SVP/SG) wollten am Mittag in die Turnhosen steigen, begleitet vom FDP-Nationalrat Marcel Dobler (Schweizermeister 4er-Bob 2018, entsprechend sportlich). Zuvor klärten sie erfolgreich ab, wo in der BernExpo die Duschen zu finden sind. Das Vorhaben des Mittagsports scheiterte fast, weil Egger – trotz vollbepacktem Koffer – die Jogginghose nicht mit nach Bern nahm. Der Journalist dieses Artikels half spontan aus. Egger versprach, die Hose gewaschen zurückzubringen.

Corona Session BernExpo Parlament Nationalrat

Am Mittag gab es eine ornithologische Führung. Bild: Petar Marjanović

Corona Session BernExpo Parlament Nationalrat

Die Ratspräsidien stellten sich den Fragen der Bevölkerung. Bild: Petar Marjanović

Raus in die Natur gingen auch die Vogelschützer. Sie trafen sich pünktlich um 14 Uhr bei einer Führung, organisiert vom Vogelschutzverein Birdlife. Mit dabei waren Badran (noch euphorisch über den Erfolg beim Mieten-Vorstoss), SVP-Nationalrätin Sollberger Sandra (mit dem Feldstecher von gestern) und EVP-Nationalrat Nik Gugger (mit ornithologisch vorteilhaftem Namen).

Keine Pause oder nur eine Ultra-Kurz-Pause gabs fürs Ratspräsidium. Die «höchste Schweizerin» und Nationalrätin Isabelle Moret (FDP/VD) stellte sich zusammen mit Ständeratspräsident Hans Stöckli (SP/BE) in einem Videochat den Fragen der Bevölkerung. Über 160 Personen hatten laut Angaben im Vorfeld eine Frage eingereicht. Fragen gabs auch aus dem Kinderzimmer und dem Kuhstall.

Entsprechend griff Stöckli auch zur Handwerkssprache. Auf die Frage, warum es bei Corona-Massnahmen so viel Ungleichbehandlung gibt, sagte er: Man müsse in Krisen «holzschnittartig» arbeiten: «Ein Mikromanagement ist nicht möglich. Da gibt es willkürliche Entscheide.»

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Polizei unterbindet Klima-Demo vor Sondersession

Polizei unterbindet Klima-Demo auf Bernexpo-Gelände

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

27
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • nafets 06.05.2020 08:08
    Highlight Highlight was mich wirklich irritiert, ist die Tatsache, dass man der SWISS Mia nachschiebt, ohne direkte Rahmenbedingungen. da warten tausende von Endkunden und Reisebüros auf Abrechnungen und auf Ihre Rückerstattung und die Swiss verweist auf Ihrer Seite auf Ihre AGB's. Wieso
    in DE macht die Lufthansa ja das selbe, einfach mit dem zarten Unterschied, dass die Politik ganz klare Bedingungen formuliert und umsetzt und dies der Lufthansa oder Frusthansa in keiner Art und Weise passt.
    ebenso Mio für Kitas und in Genf stehen tausende für eine Tasche mit Essen an - die haben leider keine Lobiisten :-(
    • K1aerer 06.05.2020 08:47
      Highlight Highlight Den anderen Firmen wurden ja auch zinslose Kredite versprochen.... 🤷‍♂️
    • glass9876 06.05.2020 11:58
      Highlight Highlight @K1aerer: ok, einigen wir uns auf einen Kredit von 500'000 Fr. für die Swiss, bedingunslos und zinslos. Genau wie für die anderen...
  • Galius Julius 06.05.2020 07:14
    Highlight Highlight Trump war auch dabei.
    Benutzer Bild
  • PeteZahad 06.05.2020 06:33
    Highlight Highlight Die drei Parlsmentsjogger halten vorbildlich Abstand um dann wahrscheinlich stark atmend dem schmalen Aarewegli entlang zu joggen weils so schön ist. Und alle die mit dem Hund rausmüssen kommen in den genuss ihrer Tröpfchen ...
    • glass9876 06.05.2020 12:08
      Highlight Highlight Es gibt einen Grund, dass das Wägli nicht Hündelerwägli heisst... ¯\_(ツ)_/¯
  • Garp 05.05.2020 22:16
    Highlight Highlight Dusche am Arbeitsplatz wünschten sich wohl viele und so eine private, gratis ornithologische Führung. Moll, denen geht es gut. Mags ihnen ja gönnen, aber sie wissen wohl kaum noch, wie es andern geht.
  • Notabik 05.05.2020 21:58
    Highlight Highlight Super Aktion der Klimaschützer! 5 Minuten Demonstration schafft es in sämtliche Medien. Weiter so! Die Welt braucht Menschen wie euch!
  • CalibriLight 05.05.2020 21:46
    Highlight Highlight "And now to something completely different:"

    Ich habe bloss den Titel schnell überflogen und dachte kurz und ernsthaft -- "WAAS? Duschen und Vö....."

    Und jetzt stehe ich in der Ecke und schäme mich..... ;-)))
  • Irene Adler 05.05.2020 21:04
    Highlight Highlight Warum müssen die Medien finanziell unterstützt werden?
    • Turnbeutelvergesser 05.05.2020 21:52
      Highlight Highlight Ich frage mich eher warum noch mehr. Das BAG hat schon gefühlt jede Werbefläche aufgekauft.

      Habe schon überlegt, ob ich auf meiner Webseite statt den Corona-Infobanner gleich ein Werbefenster erstell. Hohe Chance, dass es stimmt
    • lilie 05.05.2020 21:53
      Highlight Highlight @Irene Adler: Medien leben von Werbeeinnahmen. Da viele ihrer Kunden gar nicht wirtschaften dürfen (allen voran die Eventbranche), fällt den Medien die Einnahmen weg, obwohl sie zu 100% arbeiten.
    • Randalf 05.05.2020 22:40
      Highlight Highlight
      Die Werbeeinnahmen brechen ein. Schau Dir mal den Sportteil einer Zeitung an. Sogar die Sonntagszeitzung kann man jetzt ganz einfach tragen, so leicht ist sie geworden.😉
    Weitere Antworten anzeigen
  • De-Saint-Ex 05.05.2020 20:44
    Highlight Highlight Demonstrieren verboten... trotz Abstand halten? Dafür eine ornithologische Führung? Man könnte meinen, Kafka und Poe hätten das Drehbuch geschrieben. Dieses Virus hat ungeahnte Auswirkungen: es macht vollends Gaga...
    • ldk 05.05.2020 21:20
      Highlight Highlight Spätestens bei "Demonstrieren verboten" sollten eigentlich alle Alarmglocken läuten..
    • lilie 05.05.2020 21:54
      Highlight Highlight Vielleicht stammt das Drehbuch ja auch von Lady Gaga. 😁
    • PeteZahad 06.05.2020 06:29
      Highlight Highlight Für eine Führung braucht es keine Bewilligung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Prometheuspur 05.05.2020 20:30
    Highlight Highlight Vögel?
    Also die SVP braucht ja sicher keine Vögel zu suchen!
    • kettcar #lina4weindoch 05.05.2020 20:54
      Highlight Highlight Sollberger im Rat sucht mit Fernglas
      Vögel und nicht etwa Has
      Doch sieht sie vor lauter Wald die Bäume nicht
      Wenn sie mit Glas ins Felde sticht
      Von rechts muss man nicht nach links blicken
      Da die SVP die schrägsten Vögel schicken
    • p4trick 05.05.2020 21:02
      Highlight Highlight Stimmt die Badran war den ganzen Tag anwesend ;-)
  • Geff Joldblum 05.05.2020 20:25
    Highlight Highlight Viele kamen gestern erst gegen 22 Uhr aus dem Parlamentsgebäude...
    Also Roger Köppel ist bestimmt wieder um 14 Uhr abgedüst. 😁
    • Maria Cardinale Lopez 06.05.2020 06:51
      Highlight Highlight War er überhaupt vor Ort?
      Ist sehr ruhig gerade bei ihm.
    • Lisbon 06.05.2020 08:19
      Highlight Highlight Der ist erst nach dem Mittagessen abgedüst?
    • who cares? 06.05.2020 12:44
      Highlight Highlight Das ist halt so beim Köppel. Zuerst online pöbeln, aber wenn es dann produktiv sein soll, duckt er sich weg.

Interview

«Wenn ich heute durch die Wandelhalle laufe, dann ist das eine andere Welt»

Auf den Frauenstreik folgte die Frauenwahl. Noch nie wurden so viele Frauen ins Parlament gewählt wie im Oktober 2019. Und doch haben sich die Forderungen der streikenden Frauen noch nicht erfüllt. Die Neo-Ständerätin Lisa Mazzone (Grüne) sagt, warum das so ist.

Lisa Mazzone, im Oktober letzten Jahres wurden Sie in den Genfer Ständerat gewählt – mit einem Glanzresultat. Die Konkurrenz haben Sie weit hinter dir gelassen. Warum waren Sie so erfolgreich? Lisa Mazzone: Wichtig war sicher der grosse Erfolg der Grünen, insbesondere in Genf, wo wir neu die grösste Partei des Kantons wurden. Die Bewegung für das Klima und die Umwelt verschaffte uns Grünen Aufwind. Und eine grosse Rolle hat auch die Frauenbewegung gespielt. Der Ständerat gilt als …

Artikel lesen
Link zum Artikel