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Lausanne hat in den letzten Wochen auf 7,5 Kilometern neue Velospuren aufgemalt. Und dazu 600 Parkplätze aufgehoben.
Lausanne hat in den letzten Wochen auf 7,5 Kilometern neue Velospuren aufgemalt. Und dazu 600 Parkplätze aufgehoben. Bild: keystone

Velo statt Auto: Lausanne eliminiert 600 Parkplätze – das geschieht in der Deutschschweiz

Lausanne und Genf haben die Gunst der Stunde genutzt und in Rekordzeit neue Velospuren aufgemalt – auf Kosten der Autofahrer. In der Deutschschweiz hingegen zögern die Städte mit Sofortmassnahmen. Das steckt dahinter.
18.08.2020, 05:5018.08.2020, 08:18

Für die Biker baut Lausanne die Stadt um – und zwar in rasantem Tempo. In den letzten Wochen hat die verkehrsgeplagte Waadtländer Metropole in einer Hauruck-Übung 7,5 Kilometer neue Velowege aufgemalt. Dies auf Kosten der Automobilisten: Mittels Corona-Notverfahren haben die Behörden dazu nicht weniger als 608 Parkplätze aufgehoben.

«Wir haben die Gelegenheit genutzt, die uns Corona gegeben hat.»
Florence Germond (SP)
Auch in Genf weichen Parklätze vorübergehend Velospuren.
Auch in Genf weichen Parklätze vorübergehend Velospuren. Bild: KEYSTONE

«Wir haben die Gelegenheit genutzt, die uns Corona gegeben hat», sagt die Lausanner Verkehrsdirektorin Florence Germond (SP) am Montag zu «24Heures». Ziel sei, dass sich die Velofahrer zu Beginn des Schulstarts auf den Strassen sicherer fühlten und darum mehr Leute auf die Fahrräder umstiegen.

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Weniger Fahrspuren, weniger Parkplätze im Zentrum: Für die Autopendler ist das Leben in Lausanne nicht mehr dasselbe wie vor Corona. «Wir verbieten zwar die Autos nicht ganz in der Innenstadt. Aber wir wollen den Leuten einfach eine nachhaltigere Mobilität ermöglichen», so die SP-Politikerin weiter.

Keine Sofortmassnahmen in der Deutschschweiz

Lausanne gibt wie Genf punkto Veloverkehr mächtig Gas. In der Deutschschweiz hingegen haben die Städte keine «Corona-Velospuren» geschaffen. Warum ist dies etwa in der selbsternannten «Velohauptstadt» Bern nicht passiert?

Bist du seit Corona öfters mit dem Velo unterwegs?

«Mit der Velo-Offensive haben wir bereits vor dem Corona-Stillstand laufend Sofortmassnahmen zur Verbesserung der Velo-Infrastruktur eingeleitet und etwa vor dem Bundeshaus die Velospuren verbreitert», sagt Verkehrsplaner Karl Vogel zu watson.

Das Velo sei in der Bundesstadt beliebt wie eh und je. Bei den Velozählstationen verzeichne man Höchstwerte. Zudem: Die Stadt Bern richte sich allgemein nach den ordentlichen Bauverfahren. «Eine Beschleunigung liegt nicht in unserer Kompetenz», so Vogel weiter.

Corona hin oder her: Nach und nach zieht die Stadt ein sternförmiges Netz von Velohauptrouten in die Agglomeration. Über die ersten Strecken flitzen bereits zahlreiche Velopendler. «In Planung befinden sich derzeit 30 Kilometer Velohauptrouten», führt Vogel aus.

Ähnlich tönt es in der Stadt Zürich. Dort halten die Behörden nichts davon, temporäre Velowege wie in Lausanne einzurichten. «Nach dem Ende der Coronakrise hätten wir solche Sofortmassnahmen, die am Gesetz vorbei aufgemalt werden, wieder rückgängig machen müssen», sagte ein Sprecher des Baudepartementes zu SRF.

«Die grosse Frage ist, ob die neuen Velospuren dauerhaft bleiben.»
Christoph Merkli, Pro Velo Schweiz

Provisorische Massnahmen zu Gunsten des Veloverkehrs sucht man in der Deutschschweiz vergebens. «In der Romandie ist der Nachholbedarf grösser», sagt Christoph Merkli, Leiter Infrastruktur und Politik Pro Velo Schweiz, zu watson.

Während sich die Automobilisten in Lausanne über die provisorischen Velospuren echauffierten, würden sie von den Velofahrerinnen sehr geschätzt. «Lausanne hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Die grosse Frage ist natürlich jetzt, ob die Velospuren dauerhaft bleiben.»

Zürich baut das Velonetz weiter aus. Aber nicht mittels Corona-Sofortmassnahmen.
Zürich baut das Velonetz weiter aus. Aber nicht mittels Corona-Sofortmassnahmen. Bild: KEYSTONE

Kaum Beschwerden in Lausanne

Ob dies möglich ist, hängt auch mit den Reaktionen aus der Bevölkerung zusammen. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien positiv, lässt Germond verlauten. Das Projekt habe eine sehr hohe Akzeptanz: Zu «24Heures» sagt sie weiter, es seien nur 20 Beschwerden eingegangen.

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