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SVP-Werber zieht die Fäden bei «linker» Covid-Gesetz-Kampagne

Die SVP-Werbeagentur Goal AG setzt sich im Vorfeld des Abstimmungssonntags für ein «Nein» zum Covid-Gesetz ein. Dafür mobilisiert sie auch im linken Milieu.
25.11.2021, 14:1925.11.2021, 14:57

Das «Komitee der Geimpften» sorgte vor einigen Wochen für Aufruhr im linken Milieu: Eine bunte Gruppe aus IT-Spezialisten und Kulturschaffenden schloss sich zusammen, um gegen das Covid-19-Gesetz zu kämpfen. Das Komitee verursachte viel Wirbel, zumal bekannte staatskritische Linke wie Sibylle Berg sich dieser Seite angeschlossen haben. Das Gesicht dieser Bewegung wurde aber ziemlich rasch der Bürgerrechtsaktivist Hernâni Marques.

Er trat mit moderater Rhetorik in der SRF-«Arena» auf und half durch seine unzähligen Einsichtsgesuche, dass viele Dokumente der Corona-Politik an die Öffentlichkeit kamen. Er stört sich jedoch an den potenziellen Gefahren, die das Covid-Gesetz durch das Zertifikat und epidemiologisch streitbare Regelungen wie die Quarantäne-Aufhebung liefert. Von den ideologisch radikalisierten Gegnerinnen und Gegnern der Corona-Politik versucht er sich zu distanzieren, etwa am kommenden Sonntag, wo sein Komitee eine eigene «Feier» durchführt, statt es gemeinsam mit anderen Nein-Stimmenden zu tun.

Goal bediente sich am Plakat-Material

Und doch gibt es eine gewisse Zusammenarbeit, wie am Donnerstag die Wochenzeitung (WOZ) berichtet. Ein Reporter recherchierte dort anhand verlagsinternen Unterlagen, wer sich finanziell und administrativ am Auftritt des linken Anti-Covid-Gesetz-Komitees beteiligt. Eine Buchung bei der WOZ-Inserateabteilung für das «Komitee der Geimpften» zeigte, dass die Zürcher Werbeagentur Goal AG dem sogenannten «linken Komitee» unter die Arme greift.

Marques war für eine telefonische Stellungnahme für watson nicht erreichbar. In der «Wochenzeitung» bestätigt er aber die Zusammenarbeit und spricht davon, dass die Goal AG «zahlreiche Flächen reserviert» und deshalb auch die sogenannt «linken» Plakate beispielsweise am Zürcher Hauptbahnhof aufschalten liess. Geld sei dabei aber keines geflossen, drum könne er auch nicht sagen, wer es bezahlte. «Sie haben einfach Sujets von unserer Propagandaabteilung genommen und aufgeschaltet», lässt sich Marques mit deutlichen Worten dazu zitieren.

«Nope, keine Ahnung.»
Hernâni Marques zur Frage, wer die Plakate sponserte

Fischen im linken Wählerspektrum

Das sorgt für gewissen Unmut, einerseits bei der linkspositionierten «WOZ», die auf rassistische und rechtsextreme Verfehlungen der Goal AG in ihrem Bericht hinweist. Andererseits wird die Zusammenarbeit in den sozialen Medien kritisiert: «Mit solchen Freunden braucht man keine Gegner mehr», schreibt etwa ein Twitter-User.

Die Goal AG fällt schon länger damit auf, dass sie in gegenteiligem Wählerinnen- und Wählerspektrum zu mobilisieren versucht. Im Frühling 2021 schaltete die Hauswerbeagentur der SVP auf Facebook Inserate gegen das CO2-Gesetz, die mit einer vermeintlich linksinfantilen Sprache «Nein»-Argumente liefern wollte.

Beim Covid-Gesetz-Referendum wurden zudem Inserate bei Medien – darunter watson – geschaltet, die in watson-ähnlichem Magenta-Layout für ein Künstlerinnen- und Künstler-Komitee für ein «Nein» warben. Auch hier deuten Hinweise darauf, dass die Goal AG dahintersteckt. Während watson die Werbekampagne aufgrund des irreführenden Layouts sperrte, schalteten andere Medien die Künstlerkampagne auf die Frontseite.

Die scharfzüngige «Nein»-Kampagne erzielte eine Mobilisierungswirkung. Zahlreiche Kantone und Städte prognostizieren für den kommenden Sonntag eine rekordhohe Stimmbeteiligung. Zudem führte die Kampagne auch dazu, dass zahlreiche Falschbehauptungen zum Covid-Gesetz in den sozialen Netzwerken kursierten.

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quelle: keystone / peter klaunzer
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