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Josef Ender bei einem Picknick auf dem Rütli am 11. Juli.
Josef Ender bei einem Picknick auf dem Rütli am 11. Juli.Bild: keystone

«Das ist nicht schweizerisch»: So kämpft Josef Ender gegen das Covid-Gesetz

Die Gegner des Covid-Gesetzes sind eine heterogene Truppe. Einer ihrer «Vorkämpfer» ist der IT-Unternehmer Josef Ender. Er ist enttäuscht über die Politik, die Medien und die Justiz.
19.11.2021, 06:04

Wenn er an Kundgebungen spricht, trägt Josef Ender ein rotes T-Shirt mit weissem Kreuz. Es ist ein programmatisches Statement. Seit Ausbruch der Coronakrise läuft für den 51-jährigen Schwyzer einiges schief im Lande Helvetias. Deshalb engagiert sich Ender, der früher politisch eher passiv war, an vorderster Front gegen Covid-Gesetz und -Zertifikat.

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Er hat das Aktionsbündnis Urkantone mitgegründet und ist Sprecher des Nein-Komitees, wobei dies ein relativer Begriff ist. Denn Josef Ender misstraut nicht nur der Politik, sondern auch den Medien. Obwohl er laut eigenem Bekunden seit Jahren keine Massenmedien konsumiert, hat er eine klare Meinung: «Die Medien berichten völlig unkritisch und regierungstreu. Sie haben viel kaputt gemacht.»

Ender bei der Einreichung des zweiten Referendums gegen das Covid-Gesetz mit fast 190'000 Unterschriften.
Ender bei der Einreichung des zweiten Referendums gegen das Covid-Gesetz mit fast 190'000 Unterschriften.Bild: keystone

Beim Gespräch in seinem Büro im zugerischen Neuheim wird deutlich: Die Gegner des Gesetzes und der Corona-Massnahmen fühlen sich un- und missverstanden. Auf Begriffe wie Skeptiker oder Kritiker reagiert Ender abweisend: «Wir sind Bürgerrechtler», betont er. Wer sich kritisch äussere, werde von der Regierung und den Medien «in eine Ecke gestellt».

Kein Scharfmacher

Diese «Ecke» ist heterogen und zersplittert. Sie umfasst beinharte Impfgegner, schrille Selbstdarsteller, anarcho-libertäre «Freiheitskämpfer», Milliardäre und einige versprengte Linke. In ihren Foren und Kanälen stösst man auf Abgründe, in denen in den Spitälern lauter Geimpfte liegen und die Delta-Variante des Coronavirus überhaupt nicht existiert.

Josef Ender ist kein Scharfmacher. Der IT-Unternehmer argumentiert anständig im Ton, aber knallhart in der Sache. Mit dem Covid-Gesetz würden die verfassungsmässigen Rechte massiv eingeschränkt: «Es ist ein wahnsinniger Eingriff des Staates. Das ist nicht schweizerisch.» Das Zertifikat führe zur Spaltung: «Es schafft eine Zweiklassengesellschaft.»

Der Bundesrat verstosse selbst gegen das Gesetz, meint Ender. Gemäss Covid-Gesetz seien sämtliche Zugangsbeschränkungen aufzuheben, wenn der impfwillige erwachsene Teil der Bevölkerung ausreichend geimpft sei. «Das dürfte spätestens seit der letzten Impfwoche der Fall sein», sagt Josef Ender und kann dabei eine gewisse Schadenfreude nicht verbergen.

Im Abstimmungskampf sind die Gegner weitaus präsenter als die Befürworter.
Im Abstimmungskampf sind die Gegner weitaus präsenter als die Befürworter.Bild: keystone

Die Verhältnismässigkeit werde «nicht eingehalten», betont Ender und tut sich damit selber schwer. Denn wenn es um konkrete Punkte geht, neigt er zum Tunnelblick und pickt sich jene Punkte heraus, die in sein Argumentarium passen. Das grosse Ganze, der gesellschaftliche Kontext interessieren ihn kaum, Widersprüche wischt er beiseite.

Impfung ist «Körperverletzung»

Beispiel Spitäler: Wie andere verweist Ender auf den angeblichen Abbau der Intensivbetten in der Schweiz. Den Verweis auf das fehlende Personal kontert er mit dem Argument, dieses sei «seit Jahren überlastet». In den Warnungen vor vollen Intensivstationen wittert er Panikmache und erwähnt das alarmierende Video des Spitals Schwyz vor einem Jahr.

Wie fast immer liegt Ender nicht völlig falsch und blendet doch aus, dass man besser rechtzeitig vor einem drohenden Feuer warnt und nicht erst, wenn das Haus lichterloh brennt. Zum Reizthema Corona-Impfung meint der ungeimpfte Aktivist: «Das muss jeder frei entscheiden können.»

«Ein Alltagsrisiko unter vielen»

«Gemäss den Zulassungsdokumenten bei Swismedic ist nichts bekannt über Langzeitwirkungen der Covid-Impfung und ihre Interaktion mit anderen Medikamenten», betont Ender. Er verweist auf das Zitat von Michael Esfeld von der Uni Lausanne, wonach statistisch gesehen Covid-19 für Menschen unter 70 Jahren den Alltagsrisiken wie Autofahren oder Bergwandern entspricht.

Langzeitfolgen gebe es auch bei der Grippe, sagt Josef Ender. Einwände können ihn nicht erschüttern. Er lässt sich nicht von seiner Überzeugung abbringen, dass Staat und Medien weit über das Ziel hinaus schiessen. Der Abstimmungskampf zum Covid-Gesetz verläuft entsprechend heftig und wird vom Nein-Lager mit enormem Aufwand geführt.

«Wir kämpfen um jedes Prozent»

Man habe die Lehren aus dem ersten Referendum im Juni gezogen, sagt Ender: «Wir waren früher dran und haben eine klare Message.» Viel gebracht hat es bislang nicht, zumindest wenn es nach den jüngsten Umfragen geht. Davon lässt sich Ender nicht aus der Ruhe bringen: «Wir sind guten Mutes und kämpfen um jedes Prozent.» Man setzt auf die Warnung vor Massenüberwachung durch digitales Contact Tracing und bemüht sich, allzu schrille Töne zu vermeiden.

So wurde eine Vertreterin der «Mass voll»-Bewegung von der Abstimmungs-«Arena» am Freitag ausgeladen – nicht vom SRF, sondern vom Nein-Komitee selbst. Ersetzt wird sie durch den eher linken Netzaktivisten Hernani Marques. Josef Ender selbst wird vorne am Pult stehen und erstmals direkt mit seiner «Nemesis» Alain Berset konfrontiert.

Ein heterogener Haufen: Teilnehmer an der Kundgebung in Bern am 12. November.
Ein heterogener Haufen: Teilnehmer an der Kundgebung in Bern am 12. November.Bild: keystone

Was aber, wenn es am 28. November ein Ja gibt? Versuchen es die Gegner über den Rechtsweg? Ender ist skeptisch, denn auch sein Vertrauen in die Justiz ist erschüttert. Er verweist auf die Kundgebung in Altdorf im April, als die ursprünglich erteilte Bewilligung mit einer aus seiner Sicht unhaltbaren Begründung entzogen und ein Rekurs abgelehnt worden war.

Man kann ihn belächeln, doch es ist offensichtlich, dass bei ihm und seinen Mitstreitern einiges beschädigt wurde, und das womöglich dauerhaft. Denn Josef Ender, der Mann mit dem Schweiz-T-Shirt, fürchtet, dass Corona nur der Anfang war: «Was kommt als nächstes? Ein Klima-Lockdown?»

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