Schweiz
Crans-Montana

Crans-Montana-Brandopfer Mélanie Van de Velde meldet sich via Facebook

Brand Gedenkstätte Crans-Montana
Der Brand in Crans-Montana forderte 41 Tote und 115 Schwerverletzte.Bild: Kantonspolizei Wallis

«Ich lebe nicht mehr, ich überlebe»: Brandopfer von Crans-Montana meldet sich

10.02.2026, 17:2910.02.2026, 17:29

Mélanie Van de Velde verbrachte die Silvesternacht in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana. Eine Nacht, die ihr Leben für immer verändert hat. Die 32-Jährige gehört zu den 115 Schwerverletzten, die nur knapp mit ihrem Leben davon kamen. Auf Facebook hat sie sich nun mit einem «Offenen Brief» an die Öffentlichkeit gewandt – und ihre bewegende Geschichte erzählt.

«Ich bin Mélanie, ich bin die Frau, über die man manchmal spricht, ohne je ihren Namen zu nennen», schreibt sie im Post vom Sonntagabend. Und weiter: «Ich bin die Frau, die über ein Geländer gesprungen ist. Nicht aus Mut, sondern weil in diesem Moment das Feuer stärker war als die Angst. Weil Bleiben den Tod bedeutet hätte.» Den ersten Abschnitt beendet sie mit den Worten: «Seit diesem Tag lebe ich nicht mehr, ich überlebe.»

«Das Gesicht, das ich im Spiegel sah, existiert nicht mehr»

Wie unfassbar schwierig dieses Überleben für sie ist, zeigt sie in den nächsten Zeilen auf: «Mein Körper gleicht einem Schlachtfeld. Jeder Verbandswechsel ist eine Tortur. Der Schmerz verschwindet nie wirklich. Er richtet sich ein. Er nimmt alles ein.»

Doch nicht nur das körperliche Leiden beschreibt die junge Frau in ihrem Text, auch seelisch habe die Tragödie bei ihr alles verändert. Einer der grössten seelischen Herausforderungen sei, dass sie sich fast selbst nicht mehr wiedererkenne: «Mein Gesicht wird nie mehr dasselbe sein. Das Gesicht, das ich im Spiegel sah, existiert nicht mehr. Das Gesicht, das meine Tochter kannte, auch nicht.» Für die junge Mutter sei dies ein intimer und stiller Verlust, den man kaum in Worte fassen könne.

Mélanie Van de Velde wurde erst im Spital in Zürich medizinisch behandelt, bevor sie nach Nantes in Frankreich verlegt wurde. Der Ortswechsel macht ihr die Genesungszeit noch schwerer: «Ich bin weit weg von zu Hause. Weit weg von meinem Leben. Und vor allem weit weg von meiner Tochter, die ich nicht einmal in den Arm nehmen kann, wenn die Schmerzen unerträglich werden.» Mélanie Van de Velde wohnt in Angers in Frankreich, was über eine Autofahrstunde entfernt von Nantes liegt.

«Ich schreibe, weil Schweigen eine zweite Verbrennung ist»

Neben ihrer Geschichte lässt Mélanie aber auch klare Kritik in ihrem Text durchblicken. So schreibt sie etwa: «Während ich schwere Eingriffe über mich ergehen lasse, während ich lerne, in einem zutiefst beschädigten Körper wieder zu leben, führen andere ihr Leben ganz normal weiter. Frei. Ohne Verbrennungen. Ohne Narben. Ohne von Nächten verfolgt zu werden.» Ihr Körper werde nie mehr sein wie früher und ihre Haut werde die Erinnerung an diese Nacht für immer tragen.

In den Kommentaren zum Post gehen viele davon aus, dass sie mit diesen Zeilen die Betreiber der Bar «Le Constellation» anspricht. So scheint sich das Brandopfer jemanden zu wünschen, der Verantwortung übernimmt: «Wo ist die Gerechtigkeit, wenn das Opfer die sichtbaren und unsichtbaren Spuren ein Leben lang trägt, während die Verantwortlichkeiten unklar, still, verwässert bleiben?»

Trotz ihrer spürbaren Verzweiflung stellt die junge Frau klar, dass sie den Text nicht aus Rache schrieb: «Ich schreibe, weil Schweigen eine zweite Verbrennung ist. Weil Vergessen unerträglich ist, wenn man mit bleibenden Narben lebt. Weil Überleben niemals bedeuten sollte, zu schweigen.» Zudem wolle sie mit ihrem Text erreichen, dass man endlich die Stimmen von jenen Menschen höre, die den höchsten Preis in der Tragödie bezahlt haben. Am Ende ihres Textes verlinkte Mélanie ihre Anwältin, mit der sie den Beitrag verfasst habe.

«Du bist eine Kämpferin»

In der kurzen Zeit, in der der Facebook-Post bisher online ist, hat er bereits über 5500 Menschen erreicht und wurde 900 Mal geteilt. In den Kommentaren dazu wird Mélanie mit unterstützenden Worten überhäuft: «Du bist eine Kämpferin, Mélanie», schrieb etwa ein User, während ein zweiter meinte: «Viel Mut und Kraft für dich, Mélanie. Ich hoffe, dass es auf irgendeine Weise Gerechtigkeit für dich gibt.»

(sav)

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Macca_the_Alpacca
10.02.2026 17:40registriert Oktober 2021
Speziellen Dank an die Morettis, den Sicherheitschef der die Brandschutzprüfung nicht bestanden hat, Die Staatsanwältin welche die Obduktionen verhängt hat und die Walliser Behörden ganz allgemein.
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sivetech
10.02.2026 18:26registriert April 2020
Das Bezeichnen des eigenen Körpers als Schlachtfeld trifft es korrekt. Die seelische Last tragen die Betroffenen ein Leben lang mit sich herum. Man sieht es oft in den Augen, am Blick (wie z.B. Überlebende aus KZ's oder russischer Kriegsgefangenschaft).
Man kann sich nicht ausdenken wie grausam es sein muss, sich im Spiegel nicht wiederkennen zu können.
Mutig von ihr so öffentlich aufzutreten; dann ja, bei seelischen Leiden ist Verdrängung meist nicht zielführend.
Viel Kraft allen Betroffenen und deren Angehörigen!
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Lupo Thunder
10.02.2026 18:29registriert Oktober 2024
Einfach nur traurig und furchtbar, was die Opfer dieser Tragödie an Schmerz erleiden müssen.
Ich sende Kraft, Liebe und Hoffnung.
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