Beifall für Feuerwehr und Jugendliche: So lief die Zeremonie im Wallis
Als die Feuerwehrleute von Crans-Montana den Saal des Expo-Zenters von Martigny betraten, brandete Applaus auf. Minutenlang. Es sollte nicht der letzte bewegende Moment sein, an diesem nationalen Trauertag und der Zeremonie.
Rund 700 Gäste besuchten sie. Darunter waren 150 Angehörige der Opfer sowie nationale und internationale Würdenträger wie der französische Präsident Emmanuel Macron.
Der Journalist Benoît Aymon führte durch den Anlass. Eine Viertelstunde nach Beginn, um 14 Uhr, folgte der angekündigte Moment der Stille. In sich gekehrt, hielten die Gäste inne. Im ganzen Land taten es ihnen Tausende gleich. Auf dem Bundesplatz in Bern. Auf dem Marktplatz in Basel. Oder auf dem Münsterplatz in Zürich. Zu hören waren nur die Kirchenglocken. Auch im gefüllten und umtriebigen Pressezentrum erhoben sich die Journalistinnen und Journalisten und verharrten still.
Jugendliche machten Tragödie greifbar
Im weiteren Verlauf der Zeremonie sprachen Bundespräsident Guy Parmelin und Mathias Reynard, der Präsident des Walliser Staatsrats. Doch greifbar machten die Konsequenzen der Brandkatastrophen nicht sie, sondern die Reden von Jugendlichen, die während der Brandkatastrophe vor Ort waren. Eine von ihnen war Maria Albrecht. «Dieser Abend, der den Beginn eines Neuanfangs markieren sollte, endete in einem Albtraum», sagte sie.
Mit leichtem Herzen und unbeschwertem Geist seien sie an diesem Abend gegenüber der Bar «Le Constellation» gewesen, als sich plötzlich Unerträgliches abspielte. «Was wir gesehen haben, werden wir nie vergessen, aber wir können es in Kraft verwandeln», sagte sie weiter.
Ihr Appell an die Jugendlichen: «Bleibt stark, bleibt aufrecht, und solange die Sonne scheint, geniesst jeden Augenblick.» Die Rede rührte viele Menschen zu Tränen. Und berührte wohl vor allem Gleichaltrige. Gegenüber watson hob eine 17-jährige Vertreterin der Waadtländer Jugendkommission die Rede der Jugendlichen explizit hervor.
Junge Frau aus dem Waadt äussert sich zum nationalen Trauertag
Reynard forderte Gerechtigkeit
Bereits zuvor wandte sich Staatsrat Mathias Reynard an die Jugendlichen, deren Freunde zu Opfern des Feuers wurden: Sie hätten das Recht zu weinen, sagte er. «Aber ihr habt auch das Recht, zu lächeln und zu lachen, zu leben und zu schaffen.»
Reynard wende sich nicht nur als Regierungsmitglied, sondern auch als Mensch an die Angehörigen. Er sagte auch: «Der 1. Januar 2026, diesen Tag werden wir nie vergessen.» Stunden des Feierns hätten sich in einen Albtraum verwandelt, 156 Schicksale sich in jener Nacht gewendet. Weiter forderte der Staatsrat eine saubere Aufklärung der Katastrophe. «Gerechtigkeit muss streng und unabhängig walten.»
Guy Parmelin ging in seiner Rede zunächst auf die nationale Solidarität ein. Die Brandkatastrophe von Crans-Montana habe die Schweiz zu «einer einzigen trauernden Familie gemacht». Und: «Unser Land verneigt sich im Angedenken jener, die nicht mehr unter uns sind, und steht denen zur Seite, die vor dem langen Weg des Wiederaufbaus stehen.» Auch Parmelin bedankte sich für die internationale Solidarität.
Diverse europäische Spitäler hatten Verletzte aufgenommen und der Schweiz ihre Unterstützung angeboten. Nur ein Beispiel: Aus den Niederlanden erhielt das Universitätsspital Zürich eine Lieferung mit Spenderhaut.
In Martigny zeigte sich die internationale Dimension der Tragödie nicht nur an der Anwesenheit von Emmanuel Macron und Sergio Mattarella, dem italienischen Staatspräsidenten. Im Saal hingen die Flaggen europäischer Nationen. Und nach der Zeremonie sollte EU-Parlamentspräsidentin Roberto Metsola ins Pressezentrum schreiten und sagen, dass nun "die richtigen Fragen" gestellt werden müssten.
Die Zeremonie schloss schliesslich damit, dass die Gäste weisse Rosen niederlegten. Den Akt begleitetete der Walliser Pianist Loris Mittaz mit seinem Spiel. (sda/nib/vro/yal)
