IT-Debakel beim Kanton – neue Details zu fehlenden Kontrollen in Crans-Montana
Bei der Befragung des Sicherheitsverantwortlichen der Gemeinde Crans-Montana kam kürzlich ans Licht, dass ein IT-Problem Ursache für die jahrelangen nicht durchgeführten Kontrollen der Bar «Le Constellation», in der in der Silvesternacht ein Brand 41 Todesopfer und über 100 Verletzte gefordert hatte, war. Bereits bekannt war, dass seit 2019 der Brandschutz in der Unglücksbar nicht mehr von Gemeindeseite geprüft worden war.
Der Verantwortliche erklärte, dass die Software, mit der die Sicherheitskontrollen verwaltet wurden, erneuert worden war. Dabei sei es zu Verzögerungen der Kontrolldateien gekommen. Nicht nur die Unglücksbar sei deswegen jahrelang nicht mehr kontrolliert worden.
Eklat um psychisch kranken Informatiker
Wie die Sonntagszeitung nun schreibt, betraf das Problem den ganzen Kanton Wallis. Begonnen hatte es demzufolge mit einem selbständigen Informatiker aus Sitten. Dieser hatte das System von verschiedenen kommunalen Polizeikorps und der kantonalen Feuerwehr verwaltet. Bis es zu einem Eklat kam.
Jährlich verlangte der Mann demzufolge mehr Geld für seine Arbeit, gleichzeitig wirkte er immer «verwirrter», berichtet die Zeitung. Mit einer Behördenvertreterin habe er sich im Wald treffen wollen, ausserdem habe er Theorien über Satanismus und Kannibalismus von bekannten Persönlichkeiten über einen Blog verbreitet.
Der Mann drohte schliesslich damit, sensible Daten der Polizei ins Darknet zu stellen. Statt die Kontrolle über die Daten zu übernehmen, hätten die Behörden nichts unternommen, so der Vorwurf. 2023 wurde der Informatiker verhaftet. Er musste sich wegen Drohung, Nötigung und Erpressung vor Gericht verantworten, wurde jedoch nie verurteilt, weil er damals strafrechtlich schuldunfähig war. Er wurde nach seiner Verhaftung in die geschlossene Psychiatrie in Genf eingewiesen. Die Software wurde daraufhin ausser Betrieb genommen, der Zugang zu den Daten war nicht mehr möglich.
Die Arbeit blieb am neuen Sicherheitschef hängen
Als schliesslich der nun befragte Sicherheitschef 2024 seine Stelle angetreten hat, hätten viele Informationen gefehlt. Niemand habe ihm sagen können, welche Betriebe wann kontrolliert worden waren, viele Dateien seien nicht mehr vorhanden gewesen und er habe alles manuell nachführen müssen.
Weil er auch viele Kontrollen habe nachholen müssen, habe er zusätzliches Personal beantragt. Doch dieser Antrag sei nicht genehmigt worden. Viele Betriebe wurden deshalb noch nie oder vor Jahren letztmals kontrolliert. Darunter auch Schulen, Hotels und Restaurants, wie die Zeitung aus einer Liste entnimmt. Gemeindepräsident Nicolas Féraud soll davon gewusst haben, bisher hat er jedoch nicht auf diesen Vorwurf reagiert.
Wer wusste was?
Möglicherweise hat die Tragödie also schon vor Jahren ihren Lauf genommen. Sébastien Fanti, der heute Opfer der Brandkatastrophe vertritt, hatte damals den Fall des Informatikers untersucht und auf die IT-Probleme hingewiesen, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. Doch niemand habe reagiert. Und auch der Sicherheitschef habe irgendwann aufgehört zu fragen, weil er sich nicht mehr getraut habe, so die Darstellung.
Wer letztendlich die Hauptschuld trägt, ist noch nicht geklärt. Die Untersuchungen laufen noch, auch sind noch weitere Befragungen geplant. Während der Sicherheitschef das IT-Chaos der Behörden anprangert, machen Angestellte der Bar den Betreibern Vorwürfe. So seien sie bezüglich Sicherheit nie geschult worden. Ausserdem ist noch nicht geklärt, ob womöglich hochentzündliche Materialien für den Schallschutz an der Decke verwendet wurden. Über Notausgänge und vorhandene Feuerlöscher kursieren ebenfalls widersprüchliche Angaben. (vro)
