Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Kaspar Villiger

Was wusste Alt-FDP-Bundesrat Kaspar Villiger über die Crypto AG? Bild: keystone/watson

Brisanter Aktenfund belastet Alt-Bundesrat Kaspar Villiger – dieser wehrt sich



Alt-FDP-Bundesrat Kaspar Villiger bestreitet weiterhin vehement, von der Spionageaffäre rund um die Zuger Crypto AG gewusst zu haben. «Ich bekräftige, dass ich in diese nachrichtendienstliche Operation in keiner wie auch immer gearteten Form eingeweiht war.»

Es bleibe dabei: Er hätte Vorkommnisse dieser Art als Verteidigungsminister in den 1990er-Jahren auf jeden Fall im Bundesrat zur Sprache gebracht. Das schreibt Villiger in einer Stellungnahme, welche die Tamedia-Zeitungen am Samstag auszugsweise veröffentlicht haben und die der Nachrichtenagentur Keystone-SDA in voller Länge vorliegt. Status, Art und Absicht allfälliger Dokumente könne er nicht beurteilen, schreibt Villiger.

Ein brisantes Dokument

Bereits Mitte Woche geriet alt Bundesrat Villiger in den Fokus, nachdem sein Name offenbar in den geleakten Geheimdienst-Papieren aufgetaucht war. Am Samstag machten die Tamedia-Zeitungen publik, seine Person finde auch in einem bundesratsinternen Aussprachepapier Erwähnung. Ein brisanter Fund, denn bislang sagten nur ausländische Quellen, dass Bundesräte von der Spionageaffäre wussten. Diese habe Verteidigungsministerin Viola Amherd unterschrieben und sei am 17. Dezember 2019 an ihre Regierungskollegen verteilt worden.

Die Kommunikationsstelle des Verteidigungsdepartements VBS nahm dazu auf Anfrage keine Stellung. «Über den Inhalt von Bundesratssitzungen geben wir grundsätzlich keine Informationen.»

Villiger offen für Zusammenarbeit

Villiger schreibt dazu, dass er weder das Aussprachepapier noch die Akten dazu kenne. Was er heute über die Operation und die Rolle des amerikanischen Geheimdiensts CIA, des deutschen Nachrichtendiensts BND und die Manipulationen der Crypto AG wisse, wisse er «im Zusammenhang mit der ‹Rundschau›-Recherche».

SRF-Journalisten hatten die Affäre am Dienstag zusammen mit Kollegen des ZDF und der «Washington Post» erneut ins Rollen gebracht. Der Bundesrat und das Parlament kündigten daraufhin Untersuchungen an. Im Zentrum steht die Frage, was die Schweizer Behörden über die Abhöraktionen gewusst haben. «Selbstverständlich werde ich vorbehaltlos und konstruktiv mit den Untersuchungsgremien zusammenarbeiten», schreibt Villiger.

Unterstützung erhielt Villiger bereits am Freitag von Partei- und Ex-Regierungskollege Pascal Couchepin. Dieser sagte in einem Interview mit Radio Rhône, dass er Villiger vertraue. Zudem bestätigte Couchepin, dass die krummen Geschäfte der Zuger Firma Crypto während seiner Amtszeit von 1998 bis 2009 nie Thema im Bundesrat gewesen seien.

Spionage wird bestätigt

Dass ausländische Nachrichtendienste die Schweizer Firma Crypto über Jahrzehnte hinweg für das Ausspionieren von Drittstaaten benutzt haben, scheint dagegen klar. Dieser Sachverhalt werde durch diverse Reaktionen in den dafür verantwortlichen Staaten grundsätzlich bestätigt, schrieb die Geschäftsprüfungsdelegation des Parlaments (GPDel) am Donnerstag. Gemeint sind damit die TV-Aussagen des ehemaligen Geheimdienstkoordinators im deutschen Bundeskanzleramt.

Die Beziehungen der Schweiz zu US-Nachrichtendiensten sorgten bereits 2013 für Diskussionen, im Nachgang zu den Enthüllungen von Edward Snowden. Der damalige Verteidigungsminister Ueli Maurer sagte auf Fragen vor den Medien: «Wir haben keinen Kontakt und tauschen keine Daten mit der NSA aus.» Die GPDel verlangte damals Unterlagen vom Nachrichtendienst. (oli/sda)

So hörte die CIA über eine Schweizer Firma 100 Staaten ab

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

31
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kartoffelsack 16.02.2020 07:43
    Highlight Highlight Ist die FDP so noch wählbar ?
  • Juliet Bravo 16.02.2020 01:27
    Highlight Highlight Ich befürchte, eine PUK wird niemals durchkommen.

    Die PUK wollen ja nur SP und Grüne. Die Bürgerlichen und Rechten mauern geschlossen. Die scheinen sich absolut einig zu sein. Von Moser (glp), über Markwalder (FDP), Pfister (CVP) bis GPDel-Präsident Alfred Heer (SVP).
  • Todesstern 15.02.2020 22:47
    Highlight Highlight Bananenrepublik Schweiz.
  • Spooky 15.02.2020 22:08
    Highlight Highlight Villiger und die Schlapphüte:
    "Jesus in schlechter Gesellschaft"

    oder:
    "Si tu tapes dans la merde, ça éclabousse."
    ("Wenn du in die Scheisse tappst, wirst du bespritzt.")
  • Prometheuspur 15.02.2020 21:27
    Highlight Highlight Bin doch mal gespannt ob eine PUK durchgezogen wird, dass könnte dieses Oh-Staunen für das Fundament und die Grundwerte des Schweizerländle gewaltig erweitern. Weil bis anhin gab es glaub erst an die drei-vier solche PUK's.
    Und um dieses Crypto Zeug korrekt zu erfassen wäre eine Historikerkommission schon gut, mal sehen..
  • LURCH 15.02.2020 20:52
    Highlight Highlight Warum erinnert mich das derzeitige agieren gewisser schweizer Politiker gerade an dieses Bild?
    Benutzer Bild
  • Juliet Bravo 15.02.2020 19:26
    Highlight Highlight Seltsam wenn einem genau bei diesem Thema Kommentare nicht veröffentlicht werden.😏
    • Kruk 16.02.2020 07:23
      Highlight Highlight Schreibst Du mit einem Gerät der Crypto AG? 😁😁😜
  • Sherlock_Holmes 15.02.2020 19:18
    Highlight Highlight Naja, was wir irgendwie schon lange wussten...

    ...dürfte nun definitiv klar sein:

    Wieder ein Mythos weniger!

    Hart aber wahr:

    «Helvetia, du kleine Bitch – es ist ja nicht das erste Mal, dass du dich verkaufst!»
    Benutzer Bild
    • The Destiny // Team Telegram 16.02.2020 00:49
      Highlight Highlight Also für das Bild gibts ein F in BG.
  • Juliet Bravo 15.02.2020 18:23
    Highlight Highlight Schon beim Lesen von Villigers „Dementi“ wird anhand der geschickten Wortwahl recht offensichtlich, dass er eigentlich mehr weiss. Er spricht von „nicht detailliert“ Bescheid zu wissen. Übersetzt heisst das: ich weiss es schon, halt nur nicht jedes Detail. Oder die Formulierung „in dieser Form“ davon keine Kenntnis zu haben. Jawohl, „in dieser Form“ vielleicht nicht, aber sonst schon.
  • pamayer 15.02.2020 18:18
    Highlight Highlight war / ist der BR taub, blind und stumm? oder einfach unfähig?
  • Hallwilerseecruiser 15.02.2020 18:14
    Highlight Highlight FDP = Fortgeschrittene Demenz-Partei
  • DerSchöneVomLande 15.02.2020 18:08
    Highlight Highlight Na ist er denn jetzt ein ehrenmann oder nicht, der villiger?
  • Vecchia 15.02.2020 17:48
    Highlight Highlight Zweckdemenz greift um sich.

    Wenn man betrachtet, wie sich die offizielle Schweiz z.B. im Fall der Geiselnahme in Libyen ins Zeug gelegt hat, scheint das Desinteresse am Fall Bühler schon sehr sehr eigenartig... und ekelerregend.

  • DerTaran 15.02.2020 17:33
    Highlight Highlight Wenn der Bundesrat nichts davon wusste, dann ist es eigentlich umso schlimmer. Das heisst eigentlich nur, dass unser Geheimdienst ohne politische Aufsicht operiert.
    Es wird zwar nicht passieren, aber in einem solche Fall müssten harte Strafen für alle Verantwortlichen ausgesprochen werden (ja, mehrere Jahre Haft). Hier geht es immerhin um Landesverrat.
  • Zanzibar 15.02.2020 16:54
    Highlight Highlight Hat die Crypto AG eine Geschäftsleitung oder ein Management welches zu dem Thema Stellung nehmen könnte?
    • Juliet Bravo 15.02.2020 17:08
      Highlight Highlight Ehemalige Verwaltungsräte wie Rolf Schweiger, ex FDP-Parteipräsident und Alt-Ständerat (ZG) gäbs zum Beispiel.
    • _kokolorix 15.02.2020 21:04
      Highlight Highlight Ja, alle schwer dement...
    • Juliet Bravo 15.02.2020 21:30
      Highlight Highlight Alt-Regierungsrat (SZ) Stucky (FDP) war bis vor wenigen Wochen noch ganz energetisch. Leider ist er jetzt plötzlich angeschlagen und kann „leider“ sich aus gesundheitlichen Gründen an nichts mehr erinnern.
  • TanookiStormtrooper 15.02.2020 16:47
    Highlight Highlight Immer wieder lustig, wie bei solchen Themen plötzlich eine Demenz zuschlägt.
    • Ohjemine 15.02.2020 17:32
      Highlight Highlight Spontandemenz ist bei Politiker eine leider häufige Diagnose...
    • Sherlock_Holmes 15.02.2020 20:38
      Highlight Highlight ... wie im TA vom 15.2.2020
      mit spitzem Stift von Felix Schaad festgehalten wurde:
      Benutzer Bild
  • sägsäuber 15.02.2020 16:23
    Highlight Highlight Was soll das aufgeregte Lamentieren?
    Natürlich wusste der Nachrichtendienst von der Spionage und hat auch davon profitiert.
    Schlimm resp. peinlich wäre es, wenn das alles ohne Wissen und Nutzung hinter dem Rücken der Schweiz passiert wäre.
    • PeteZahad 15.02.2020 16:30
      Highlight Highlight Als ausländischer Geheimdienst würde ich mir grösste Mühe geben an den richtigen Stellen die richtigen Personen zu haben in der Verwaltung aber eben so, dass es nicht "ganz nach oben geht". Wenns aber rauskommt ist es ideal wenn man es ausschauen lässt als wäre es bis zuoberst zumindest stillschweigend in Kauf genommen worden. Nur weil etwas bisher in einem (angeblich originalen) Geheimdienstbericht steht würde ich jetzt nicht alles für bare Münze nehmen.
    • Garp 15.02.2020 18:22
      Highlight Highlight Dann hätten wir aber den schlechtesten Geheimdienst der Welt, PeteZahad und auch dafür wäre die Regierung verantwortlich. 😉
  • Capslock 15.02.2020 16:19
    Highlight Highlight schon interessant , wie gewisse Leute sich an gar nichts erinnern können oder wollen, sobald ihnen klar wird, dass ihre Wissenslücke unglaubhaft wird. Dies wird wohl auch bei Villiger so sein, und es wird ihm nichts nützen, wenn er sich vom Alt-Bundesrat zum Märchenerzähler gewandelt hat
    • sägsäuber 15.02.2020 18:01
      Highlight Highlight Ein Geheimdienst inkl. oberster Chef dürfen sich nicht erinnern, sonst wären sie ja nicht geheim!
  • *sharky* 15.02.2020 16:14
    Highlight Highlight https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Crypto-Villiger-gibt-zu-Spionageskandal-gewusst-zu-haben

    Mehr ist eigentlich momentan dazu nichts hinzufügen.
    Infosperber hat übrigens schon 2015 einen sehr ausführlichen und detaillierten Artikel über die Crypto AG publiziert.
    Leider 'versandete' dieser damals.
    • Hierundjetzt 15.02.2020 17:01
      Highlight Highlight Fast: Der NDB nahm Einfluss auf die Ermittlungen der BKP.

      Das VBS auf das EJPD.
    • mstuedel 15.02.2020 17:10
      Highlight Highlight Genau; Villiger laviert geschickt und erweckt lediglich den Eindruck, er habe von nichts gewusst. Weil Rückfragen zu seinem Statement offenbar (noch) nicht beantwortet werden, sollte so der eindruck einer reinen Weste entstehen.

Dieser Ex-Crypto-Mitarbeiter warnte schon vor 26 Jahren – und wird jetzt rehabilitiert

1992 wurde der ehemalige Crypto-Mitarbeiter Hans Bühler in Teheran verhaftet. Seither gibt es Gerüchte um die Zusammenarbeit zwischen der Zuger Firma und den Geheimdiensten. Die Affäre Bühler war die schwerste Krise der Operation Rubikon – und verunsicherte die Deutschen nachhaltig.

Auch die Affäre um den Schweizer Hans Bühler brauchte einen Codenamen: «Hydra» steht für die schwerste Krise der Operation Rubikon. Sie ist verantwortlich dafür, dass es seit den 90er-Jahren Gerüchte um die Crypto AG gab. Und sie war mit ein Grund, weshalb die Partnerschaft des amerikanischen und des deutschen Geheimdienstes 1993 ein rasches Ende nahm.

Was war passiert?

Die iranische Führung hegte schon länger einen Verdacht, als sie 1992 den besten Verkäufer der Crypto AG festnahm. Hans …

Artikel lesen
Link zum Artikel