Atommüll in Rhein-Nähe vergraben? Schaffhauser Regierung kritisiert Pläne des Bundes
Der Schaffhauser Regierungsrat übt deutliche Kritik am geplanten weiteren Vorgehen bei der Suche nach einem Standort für ein Endlager für Atomabfälle. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Standorts für ein solches Tiefenlager müssten sämtliche Entscheidungsgrundlagen offengelegt werden, fordert die Kantonsregierung.
Der im Sachplan geologisches Tiefenlager vorgesehene Ablauf in der dritten Etappe ist für den Regierungsrat nicht akzeptabel, wie dieser am Freitag mitteilte.
Grund dafür ist, dass die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) nach der Ankündigung der Standorte, für die sie Rahmenbewilligungsgesuche einreichen will, zwei Jahre Zeit hat zur Begründung ihrer Standortwahl.
Dies führe zu einem «Schwebezustand» für die Standortregion, betroffene Kantone könnten sich ohne die nötigen Grundlagen nicht zum Entscheid der Nagra äussern.
Die Schaffhauser Regierung fordert deshalb, dass zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Standorts alle relevanten Entscheidungsgrundlagen offengelegt werden müssen.
Rücksicht auf Grundwasservorkommen
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Standortsuche für den oberirdischen Teil der Anlage. Da es bei der Platzierung der Oberflächeninfrastruktur Spielraum gebe, müssen Gebiete mit bedeutsamen Grundwasservorkommen, insbesondere entlang des Rheinstroms, gemieden werden, schreibt der Schaffhauser Regierungsrat.
Als mögliche Standorte für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gelten die Gebiete Jura Ost (Bözberg AG), Nördlich Lägern (AG/ZH) und Zürich Nordost (Zürcher Weinland, ZH/TG). Ein Entscheid wird nicht vor 2022 erwartet.
Quellen
- sh.ch: Regierungsrat bemängelt die kommenden Prozessschritte im Sachplan geologische Tiefenlager – Etappe 3 (Medienmitteilung des Kanton Schaffhausen, PDF)
(dsc/sda)
