Unfreiwillig auf FDP-Liste: Jetzt spricht die Garagenbesitzerin
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
«Ich wollte nicht, dass das solche Ausmasse annimmt. Ich habe Angst, dass wir Kunden verlieren», sorgt sich Claudia Castro im Gespräch mit dem Blick (Artikel auf Französisch).
Als Inhaberin einer Autowerkstatt in Prilly VD stand sie gemeinsam mit ihrem Mann auf der Liste der lokalen FDP bei den Gemeindewahlen – ohne dass sie dies beabsichtigt hatten. Am 8. März erhielt sie sogar fast 700 Stimmen.
Der Fall hat in der Romandie für grosses Aufsehen gesorgt. Die Rekrutierungsmethoden der FDP Prilly werfen seither Fragen auf, manche sprechen gar von einem «unehrlichen» Vorgehen. Zur Erinnerung: Das Ehepaar glaubte, eine Petition für Parkplätze zu unterschreiben, die ihnen im vergangenen Januar an ihrem Arbeitsplatz vorgelegt worden war.
Claudia Castro schildert gegenüber «Blick», wie es zu dieser Unterschrift kam. Sie beschreibt einen Moment der Verwirrung «zwischen Kunden» und einem «klingelnden Telefon».
Sie wird künftig im Gemeinderat sitzen
Die Prillyerin berichtet, dass sie überrascht war, als sie erfuhr, dass sie als Kandidatin aufgestellt worden war. Sie erklärt, dass sie das zunächst «auf die leichte Schulter genommen» habe, dann aber «etwas wütend» geworden sei.
Inzwischen scheint sich die Lage wieder beruhigt zu haben. Es kam zu Klärungsgesprächen mit der FDP Prilly, die ihr sogar «ein Entschuldigungsschreiben geschickt» haben soll. Sie hat sich schliesslich entschieden, für die Partei im Gemeinderat zu sitzen.
Gegenüber «Blick» sagt sie, sie sei «gerührt», dass so viele Menschen für sie gestimmt hätten. Zum Medienrummel, den ihre unfreiwillige Kandidatur ausgelöst hat, sagt sie, sie wolle «niemanden beschuldigen», schliesst aber nicht aus, dass eine «andere Partei» dahintersteckt.
FDP Prilly weist Vorwürfe zurück
Am vergangenen Dienstag verlangte die FDP Prilly vom Sender RTS, der über den Fall berichtet hatte (vom SRF übersetzter Artikel), eine Gegendarstellung. In dieser wies die Partei jegliche Täuschung in ihrem Vorgehen zurück.
Die Partei versicherte, das vom Paar unterzeichnete Dokument, das RTS vorlag, lasse keine Verwechslung mit einer Petition zu. Laut der Partei ist darauf «auf jeder Seite in grosser, fett gedruckter Schrift: 8. März 2026 – Gemeinderatswahl» zu lesen.
Die Partei fügt hinzu, dass Claudia Castro und ihr Ehemann zudem seit dem 19. Dezember 2025 in einer WhatsApp-Gruppe mit dem Namen «FDP-Kandidaten 2026» waren und dass das Datum der Einreichung der Liste dort erwähnt worden sei. Schliesslich präzisiert sie, dass ihr Rekrutierungsvorhaben sich «nicht auf einen einzigen Kontakt beschränkte», sondern auch «nachfolgende Bestätigungen, ein Fotoshooting und eine aktive Präsenz in der WhatsApp-Gruppe über fast drei Monate» umfasste. (jzs)
