DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Du denkst, Köppel macht Sommaruga fertig? Dann kuck mal auf Facebook nach

Auf Bundesrätin Simonetta Sommaruga wird im Vergleich zu den anderen Bundesräten aggressiver rumgehackt. Psychoanalytiker Peter Schneider sagt, warum sich der rechte Mob Sommaruga als Blitzableiter aussucht.
28.04.2016, 07:2929.04.2016, 18:40

SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga muss sich nicht nur von SVP-Nationalrat Roger Köppel im Parlament und in der «Weltwoche» einiges anhören. Im Internet zieht seit langem ein wütender Mob nach, der die Justizministerin mit Spott und Häme übergiesst. Gesammelt werden die Posts der Sommaruga-Hasser auf dem real-satirischen Facebook-Account «Perlen aus Blocheristan» – Hemmungen kennen sie keine. 

Das hört sich ungefähr so an: 

«Feiges Huhn!»

Bild: facebook/perlen aus blocheristan

«Verräterin!»

Bild: facebook/perlen aus blocheristan

«Auf den Scheiterhaufen!»

Bild: facebook/perlen aus blocheristan

«Dummwunder!»

Bild: facebook/perlen aus blocheristan

«Diktatorin!»

Bild: facebook/perlen aus blocheristan

Letzten Herbst hat sich Simonetta Sommaruga in einem «Tages-Anzeiger»-Interview als Bundespräsidentin erstmals zu den Angriffen auf ihre Person geäussert. «Sind solche Angriffe durchsichtiger Teil eines Wahlkampfkonzepts, kann ich das gut abstrahieren. Was mich in diesem Sommer aber nachdenklich gestimmt hat, ist das Ausmass an Aggression in den sozialen Medien. Was da geäussert wird, ist erschreckend», sagte sie. 

Muss sich eine Bundesrätin solche ehrverleztenden Kommentare gefallen lassen? Gemäss Sommarugas Sprecher Lorenz Frischknecht liest Sommaruga die Kommentare «selten» selber. Die Kommentatoren würden in der Regel nicht angezeigt. «Äusserungen, die Bedrohungen gegen Bundesrätin Sommaruga enthalten, werden ans Fedpol weitergeleitet», sagt Frischknecht auf Anfrage. 

«Sommaruga zieht den Hass auf die Intellektualität auf sich, die von den SVP-Strategen unerlässlich befeuert wird.»
Psychoanalytiker Peter Schneider

Psychoanalytiker und Satiriker Peter Schneider glaubt weniger, dass solche Kommentare eine Reaktion auf Frau Sommarugas Politik sind, «sondern der Hass auf das, was sie verkörpert.» 

Psychoanalytiker Peter Schneider 2010 bei einem Vortrag.
Psychoanalytiker Peter Schneider 2010 bei einem Vortrag.bild: wikipedia/axel

«Frau Sommaruga ist eine feinsinnige Intellektuelle, verheiratet mit einem Schriftsteller», sagt Schneider. «Sie ist kein ‹potentes Mädchen› wie beispielsweise Frau Leuthard. Sie ist ‹keine von uns›, Man kann sich schlecht vorstellen, mit ihr ein Bier zu trinken – deshalb wird sie zum Aggressionsableiter».

Hinzu komme, dass sie eine Frau sei. «Über Bundesrat Schneider-Ammann macht man sich auch lustig, aber nicht unter der Gürtellinie», sagt Schneider. «Sommaruga zieht den Hass auf die Intellektualität auf sich, die von den SVP-Strategen unerlässlich befeuert wird.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Herzmuskelentzündung: Deshalb kriegen unter 30-Jährige nur noch Pfizer/Biontech geimpft
Das Herzmuskelentzündungsrisiko ist nach einer Coronainfektion viermal so gross wie nach der Impfung. Doch bei Jungen und Moderna kippt das Risiko.

Seit Anfang Dezember empfehlen die Eidgenössische Impfkommission und das Bundesamt für Gesundheit allen unter 30-jährigen Personen nur noch die Impfung von Biontech/Pfizer. Zwei Monate davor hatten Schweden und Finnland denselben Entscheid gefällt. Damals hiess es, dies sei eine Vorsichtsmassnahme, basierend auf Studien verschiedener Länder, die ein höheres Risiko für Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) bei jüngeren, vor allem männlichen Personen nach der Moderna-Impfung festgestellt hatten.

Zur Story