Schweiz
Gesellschaft & Politik

Machtkampf im Bundesrat: Wie Rösti und Jans hinter den Kulissen anecken

Albert Roesti, Bundesrat und Medienminister, spricht an einem Podium zur Volksinitiative "200 Franken sind genug! (SRG-Initiative)", am Dienstag, 17. Februar 2026, in Zuerich. (KEYSTONE/Andr ...
Niemand in Sicht, der ihn von seinen Vorhaben abbringen lässt: Bundesrat Albert Rösti.Bild: keystone

Jans' Juristen warnten Rösti mehrmals – dieser setzt sich trotzdem immer durch

Interne Dokumente zeigen einen Machtkampf im Bundesrat: Das Bundesamt für Justiz im Departement von Beat Jans warnte Albert Rösti wiederholt vor juristischen Risiken. Doch dieser setzte seine Dossiers trotzdem durch.
22.02.2026, 11:3922.02.2026, 11:39

Öffentliche Fehden sind im Bundesrat selten, doch wenn Interna durchsickern, zeigt sich: Hinter der Fassade der Kollegialität kann es in Bern heftig krachen.

Unvergessen ist etwa, als publik wurde, dass Alt-Bundesrat Christoph Blocher seinen damaligen Amtskollegen Moritz Leuenberger in einer Bundesratssitzung den Rücktritt nahelegte.

Nun legen interne Unterlagen, welche die «NZZ am Sonntag» über das Öffentlichkeitsgesetz einsehen konnte, nahe: Auch zwischen Beat Jans und Albert Rösti gibt es wiederholt Spannungen.

Rösti ignoriert Warnungen

Im Zentrum steht ein Muster: Jans’ Bundesamt für Justiz (BJ) warnte in mehreren Dossiers vor rechtlichen Problemen – und Rösti trieb seine Projekte trotzdem voran.

Bundesrat Beat Jans spricht an einer Medienkonferenz zur Verbesserung des polizeilichen Informationsaustauschs –.Teilrevision der Bundesverfassung und Aenderung des Bundesgesetzes ueber die polizeilic ...
Hinter den Kulissen aktiv: Bundesrat Beat Jans.Bild: keystone

So kritisierten die Juristen laut Bericht Röstis Verordnung zu Reservekraftwerken, die im Notfall die Stromversorgung absichern sollen. In einem internen Gutachten soll das BJ den Sinn der Verordnung grundsätzlich infrage stellen und die Pläne als verfassungsrechtlich heikel einstufen. Rösti hielt dagegen: Der Gesamtbundesrat erachte die Verfassungsmässigkeit als gegeben.

Ein anderes Beispiel betrifft das Pestizid Deltamethrin: Nach auffälligen Messungen in einem Luzerner Gewässer ging es um die Frage, ob strengere Grenzwerte nötig sind. Rösti lehnte das gemäss Bericht gegen die Linie des eigenen Umweltamts ab. Das BJ hielt in einer Stellungnahme dagegen: Aus landwirtschaftspolitischen Gründen auf eine Anpassung zu verzichten, sei rechtswidrig.

Ähnliche Konflikte habe es laut der «NZZ» auch beim Wolf, beim Gewässerschutz und bei der CO₂-Abgabe gegeben. Röstis Departement erklärt dazu, jeweils mehrere Interessen abwägen zu müssen und auch die «wichtigen fachlichen Gutachten» der BJ zu berücksichtigen. Die Entscheidungen würden jedoch im Bundesrat gefällt.

(kma)

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Auge in Auge mit einem Wolf
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Auge in Auge mit einem Wolf
Der «böse Blick»: Ein grosser männlicher Wolf merkt auf. Der Filmer ist unsichtbar versteckt und unter dem Wind, macht aber durch Imitation des Heulens auf sich aufmerksam. Die bersteinfarbene Iris der Wölfe war den Menschen so unheimlich, dass Hunde mit heller Iris getötet wurden.
quelle: videostill/stefano polliotto
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Video: srf
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144 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rethinking
22.02.2026 12:14registriert Oktober 2018
Rösti ist nun mal ein kleiner Trump mit Charme…

Den interessieren Gesetze und die Bevölkerung nicht. Der tut einfach was seinen Lobbyisten nützt…
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Yorick
22.02.2026 12:27registriert Juni 2023
Und genau darum sollten SVP und FDP zusammen keine Mehrheit im Bundesrat haben.
Sobald die Populisten an der Macht sind, fallen die Masken und die eigene Agenda wird durchgesetzt.
Regeln und Gesetze sind ihnen dabei egal.
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Fernrohr
22.02.2026 12:14registriert Januar 2019
Albert Rösti geriert sich wie ein König, wohlwissend, dass die Agrarlobby und der Gewerbeverband hinter ihm steht. Er befiehlt, was Gut und Recht ist für die Kleinen da unten.
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