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Guy Parmelin sieht Schweiz «fast nonstop im Krisenmodus»

Guy Parmelin sieht Schweiz «fast nonstop im Krisenmodus»

17.01.2026, 06:1617.01.2026, 06:16

Für einmal hat es an einer Albisgüetli-Tagung der Zürcher SVP keine Buh-Rufe gegeben: Das Rednerpult war am Freitag voll in SVP-Hand. Nach Roger Köppel hielt Bundespräsident Guy Parmelin die Hauptrede. Er sieht die Schweiz «fast nonstop im Krisenmodus».

Bundespraesident Guy Parmelin an der 38. Albisgueetli-Tagung der SVP am Freitag, 16. Januar 2026 im Schuetzenhaus Albisgueetli in Zuerich. (KEYSTONE/Claudio Thoma)
Guy Parmelin an der Albisgueetli-Tagung der SVP.Bild: keystone

Gab es im vergangenen Jahr bei der Rede von SP-Bundesrat Beat Jans noch Buh-Rufe und höhnisches Gelächter, war die Stimmung dieses Jahr fast schon zurückhaltend. Die klassische «Gegenrede» fand für einmal nicht statt, weil der Bundespräsident, der traditionell an die Albisgüetli-Tagung eingeladen wird, selber in der SVP ist.

Guy Parmelins Rede war zudem von der Brandkatastrophe in Crans-Montana im Wallis geprägt und entsprechend nachdenklich. Er sieht die Schweiz und damit auch den Bundesrat seit einigen Jahren «fast nonstop im Krisenmodus». Unvorhersehbares sei zur Regel geworden.

«Das Leben ist unberechenbar und verletzlich»

Nach dem turbulenten Jahr 2025 habe er sich darauf eingestellt, dass Vieles im zweiten Präsidialjahr nicht planbar sein werde. Es sei für ihn aber unvorstellbar gewesen, dass das «Fastunmögliche» bereits nach eineinhalb Stunden eingetroffen sei.

«Das Unglück in Crans-Montana zeigt uns auf krasse Weise, wie unberechenbar, ungewiss und verletzlich das Leben sein kann», sagte Parmelin weiter. Seine Gedanken seien auch heute noch bei den vielen Betroffenen, den Toten, Verletzten und ihren Familien. «Die Folgen werden uns noch sehr lange beschäftigen.»

Solche Ereignisse würden andererseits auch zeigen, dass die Schweiz in schwierigen Situationen zusammenstehe, ungeachtet gesellschaftlicher und politischer Differenzen. «Die grosse Solidarität innerhalb der Schweiz, aber auch durch andere Staaten hat mich tief beeindruckt», sagte der Bundespräsident.

Ein solches Ereignis lehre ihn als Politiker, beweglich und pragmatisch zu bleiben. «Unsere Pläne, Programme und Konzepte können von heute auf morgen über den Haufen geworfen werden.»

Christoph Blocher nur im Publikum

Sein Vorredner, alt Nationalrat Roger Köppel, zeigte sich weniger nachdenklich. Gewohnt angriffig wetterte er gegen Europa. Die EU drehe den Gesslerhut um, und «wir Schweizer» könnten dann auch noch unser Geld reinwerfen. «Wir sagen, nie und nimmer.»

Auch ohne Christoph Blocher als langjähriges Zugpferd am Rednerpult war der Anlass ausgebucht. Im Publikum anwesend waren neben dem alt Bundesrat auch SVP-Parteipräsident Marcel Dettling, Fraktionspräsident Thomas Aeschi sowie zahlreiche National- und Ständeräte, darunter Magdalena Martullo-Blocher, Gregor Rutz und Mauro Tuena.

Auch Nicht-SVP-Mitglieder verbrachten den Abend im Schützenhaus, darunter die Zürcher Mitte-Regierungsrätin Silvia Steiner und der Zürcher FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger.

SVP-Bundesrat Albert Rösti musste hingegen krankheitsbedingt absagen. Er leidet schon die ganze Woche an einer Magen-Darm-Grippe. An der Albisgüetli-Tagung treffen sich seit fast vierzig Jahren jeweils rund 1000 SVP-Mitglieder zu politischen Reden und einem Abendessen. (sda)

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Spamalotto
17.01.2026 07:36registriert Juni 2019
Werft diese Partei endlich aus dem Bundesrat. Sich zuerst Rechtsradikale in den USA herbeiwünschen, die ankündigen, überall Zölle erhaben. Und dann überrascht sein, dass die gewählten Rechtsradikalen Leute auf offener Strasse erschiessen und überall Zölle erheben.
Die ganze Zeit überall auf "Eigenverantwortung" setzen und dann nach 40 toten Jugendlichen überrascht sein, dass Eigenverantwortung und Deregulierung nicht soooo super funktionieren. Aber man kann ja ein wenig Betroffenheit heucheln.
Eine solche Partei braucht es in der Regierung wirklich nicht.
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Matthias Sommer
17.01.2026 07:08registriert April 2021
Das ultimativ schlimmste ist, dass der Hauptredner von Bürgerkrieg, Kriegserklärung gegen das eigne Volk und Sezession spricht bez Abstimmung der bilateralen Verträg - beklatscht vom ganzen Saal. Dieser Mann muss vom Geheimdienst beobachtet werden. Ganz gefährlich, solche Aussagen
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Alice36
17.01.2026 07:51registriert Juni 2017
Guy Parmelin sieht Schweiz «fast nonstop im Krisenmodus»

Könnte es sein das unser Land praktisch nur noch reagiert und vor lauter aufmerksamen Beobachtens das agieren verschlafen hat?
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