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Algorithmen und guter Wille – wie eine Versicherung die Lohnunterschiede ausmerzte

Die Mobiliar-Versicherung macht Lohnanalysen auf freiwilliger Basis. Ein Algorithmus macht den Lohnvorschlag.

Doris Kleck / Nordwestschweiz



«Fragen Sie dann noch jemanden, der das Problem aus der Praxis kennt.» Der Berner BDP-Ständerat Werner Luginbühl gehört eigentlich nicht zu jener Sorte von Politikern, die ungefragt einen Kommentar abgeben. Nach der Lohngleichheitsdebatte im Ständerat im letzten Frühling tat er es trotzdem – zu viele Voten missfielen ihm.

Werner Luginbuehl, BDP-BE, an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 12. Dezember 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Werner Luginbühl, BDP-Nationalrat und Leiter Public Affairs bei der Mobiliar. Bild: KEYSTONE

Luginbühl war im März nebst FDPler Raphaël Comte der einzige bürgerliche Politiker, der sich für die gesetzliche Pflicht zu Lohnanalysen aussprach. «Gleichstellung ist nicht zum Nulltarif zu haben», sagte er in der Debatte. Der BDP-Ständerat liess sich bei seinem Votum von den Erfahrungen seines Arbeitgebers beeinflussen. Luginbühl ist Leiter Public Affairs bei der Mobiliar-Versicherung – und diese macht Lohnanalysen auf freiwilliger Basis.

Vor rund zehn Jahren analysierte die Mobiliar die Gehälter zum ersten Mal. Der unerklärbare Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern lag bei 5 bis 6 Prozent «Wir waren erstaunt», sagt Nathalie Bourquenoud, Leiterin Human Development. Und sie bestätigt damit, was Befürworter eines staatlichen Eingriffs oft sagen: Firmen diskriminieren Frauen nicht bewusst.

Die Lohnunterschiede sind nicht gewollt, aber es mangelt an der Sensibilität für das Thema. Die Mobiliar hat aufgrund der ersten Lohnanalyse die zu tiefen Frauensaläre angehoben. Zwei, drei Jahre lang wurde ein Teil der Lohnerhöhungen für diese strukturellen Anpassungen verwendet. Mittlerweile liegt der unerklärbare Lohnunterschied unter 2 Prozent.

«Es genügt ein Knopfdruck.»

Nathalie Bourquenoud, Mobiliar

Die Lohnanalyse als solche sei keine aufwendige Sache, sagt Bourquenoud: «Es genügt ein Knopfdruck.» Die eigentliche Analyse ist jedoch nur ein kleines Puzzleteil. «Aufwendig ist es, einen ganzen Prozess zur Lohngleichheit zu verankern», sagt Bourquenoud. Dazu gehört die Definition aller Funktionen mit den notwendigen Anforderungen und Kompetenzen. Der Vorteil der Mobiliar sei, dass das Unternehmen klare Lohnstrukturen mit Lohnbändern habe: «Das hilft, um Ungleichheiten zu verhindern – auch zwischen den Männern notabene», so Bourquenoud.

Mehr Objektivität

Das Unternehmen macht die Analyse jährlich. Und es testet auch neue Instrumente. Dieses Jahr wendete die Mobiliar zum ersten Mal einen Algorithmus an, um die Lohnerhöhungen auf die Mitarbeiter zu verteilen. Das letzte Wort hatte zwar der Vorgesetzte — doch in 75 Prozent der Fälle nahm er den Lohnvorschlag des Computers an.

Der Algorithmus basiert auf einer Leistungsbeurteilung durch den Chef und auf Vergleichen mit Löhnen anderer Versicherungsfirmen. Zudem floss in die Berechnung ein, ob der Mitarbeiter mehr oder weniger verdiente als der Median in seinem Lohnband. Bei der Zuteilung der Gehaltserhöhungen lag so der Unterschied zwischen Mann und Frau noch bei 0,05 Prozent. Bourquenoud ist überzeugt, dass der Algorithmus zu objektiveren Löhnen führt. Und dass die Ungleichheiten nur korrigiert werden können, wenn bei den Lohnrunden die Unterschiede nicht grösser werden.

Bourquenoud hegt Sympathien für den Vorschlag des Bundesrates zu gesetzlichen Lohnanalysen. Dies, obwohl sie grundsätzlich gegen die Einmischung der Administration in die Unternehmensführung ist.

Sie selbst ist allerdings bereits einen Schritt weiter. Sie beschäftigt die Frage, weshalb Frauen oft in tieferen Funktionen arbeiten, obschon sie die bessere Ausbildung haben als Männer. «Das ist ein strukturelles Problem», sagt Bourquenoud, «wir müssen den Frauen helfen, damit sie mehr Führungsverantwortung übernehmen.»

Die Lohngleichheit ist deshalb nur ein Aspekt in der Frauenförderung bei der Mobiliar. Dazu gehört auch die Erhöhung des Frauenanteils im Kader – oder die Förderung von Teilzeitarbeit bei Männern. «Gleichberechtigung gehört zu unserer Firmenkultur», sagt Bourquenoud.

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • FancyFish - Stoppt Zensur! 29.05.2018 09:10
    Highlight Highlight „Firmen diskriminieren Frauen nicht bewusst.“

    Siehe da, der Beweis, dass die Diskriminierung wie sie uns von den Mainstream-Medien eigentlich garnicht existiert.

    „...die Frage, weshalb Frauen oft in tieferen Funktionen arbeiten, obschon sie die bessere Ausbildung haben als Männer.“

    Lässt sich vielleicht damit beantworten, dass viele Frauen mit ihrer jetzigen Position zufrieden sind.

    „...Frauenförderung bei der Mobiliar. Dazu gehört auch die Erhöhung des Frauenanteils im Kader – oder die Förderung von Teilzeitarbeit bei Männern.“

    So sieht man, dass Quoten für Diskriminierung sorgen.
    • Husar 29.05.2018 14:26
      Highlight Highlight Geschlechterquoten sind bereits per Definition geschlechterdiskriminierend.
  • rolf.iller 29.05.2018 08:26
    Highlight Highlight Vielleicht waren ja die 5-6% gerechtfertigt. Bei Uber gibt es diesen Unterschied auch, obschon die Entlöhnung vollständig von einem Agorithmus getrieben ist und Geschlecht kein Faktor ist.
    http://freakonomics.com/podcast/what-can-uber-teach-us-about-the-gender-pay-gap/
  • homo sapiens melior 29.05.2018 08:14
    Highlight Highlight Ich will bei der Mobiliar arbeiten :-)

    Freue mich, dass wir alle Versicherungen bei denen haben. Gut angelegtes Geld. Danke Mobi!
  • Husar 29.05.2018 08:04
    Highlight Highlight Wer misst, misst Mist.
    Es ist kein Kunststück sich einen Algorithmus zu basteln, der die unerklärten Lohnunterschiede zum verschwinden bringt.
  • Eine_win_ig 29.05.2018 07:45
    Highlight Highlight 2-3 Inputs, mal schauen obs blitzt oder herzt:

    1. Die Verteilung der Mobi find icj gut. Aber der Faktor Mensch darg bei der Verteilung nie ganz raus. Sonst werfen alle zum Median hingetrieben und es fehlen Anreize, mehr zu leisten.

    2. Das strukturelle Problem ist tatsöchlich vorhanden. Nur bringt es nichts, wenn - wie leider oft - entweder nur Männer oder nur Frauen über das Problem diskutieren. Es mpssen gemeinsame Lösungsansätze gefunden werden.

    3. Ich finde es super, wird endlich mit richtigen Zahlen gearbeitet. Nicht mit 15% herumgehept, sondern der unerklärbare Anteil verwendet.

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