DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Stadtpolizei Zürich hat die Präsenz an öffentlichen Plätzen erweitert.
Die Stadtpolizei Zürich hat die Präsenz an öffentlichen Plätzen erweitert. Bild: nils lucas

Jugendliche feiern in Sion Strassenparty – wie sich Polizei auf Ostertage vorbereitet

Nach den Ausschreitungen in St.Gallen am vergangenen Wochenende stellen sich die städtischen Polizeikorps auf ein anspruchsvolles Osterwochenende vor. Und auch zahlreiche Jugendarbeitende wollen im Nachtleben präsent sein.
02.04.2021, 08:3402.04.2021, 11:14

Mehr als 200 Jugendliche trafen sich am vergangenen Freitag in der St.Galler Altstadt. Die Party artete auf dem roten Platz aus. Die Polizei griff zu Reizstoffen und Gummischrot. An den kommenden Osterfeiertagen werde man sehr genau verfolgen, «was sich anbahnt», so ein Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen, gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Bereits jetzt kursieren Aufrufe in den sozialen Medien. «Bringed alli Lüt uf Sg», heisst es beispielsweise auf Snapchat.

Im Wallis ist die erste Osterparty schon am Donnerstagabend gestiegen: Rund 300 Studierende feierten in den Gassen von Sion eine wilde Sause. Die Polizei löste die Versammlung auf und nahm sieben Personen fest. Die Walliser Party dürfte nur ein Vorgeschmack sein, was in den nächsten Tagen an vielen anderen Orten passieren wird.

Die Walliser Party dürfte nur ein Vorgeschmack sein, was in den nächsten Tagen an vielen anderen Orten passieren wird. «Es ist sehr schwer einzuschätzen, was passieren wird», sagt Donat Richiger. Er ist Leiter der offenen Jugendarbeit in der Stadt St.Gallen. Auch Richigers Team wird am Osterwochenende im Einsatz sein. Das jedoch «regulär» wie er sagt. «Unsere Arbeit hat keine ‹kurzfristige› Wirkung. Wir versuchen selbstverständlich, Auseinandersetzungen zu verhindern, haben aber den Auftrag, langfristige und präventive Arbeit zu leisten.»

«Im Fokus stehen auch die Ereignisse des vergangenen Freitags.»
Donat Richiger, Leiter offene Jugendarbeit St.Gallen

Jeweils zu zweit würden die Jugendarbeiterinnen und -arbeiter das Gespräch mit den jungen Menschen suchen. «Im Fokus stehen auch die Ereignisse des vergangenen Freitags. Vielleicht gibt es Jugendliche, die dabei waren, darüber reden oder gar eine Wiedergutmachung wünschen», sagt Richiger.

Beziehungspflege in Zürich

Nicht nur in der Ostschweiz, auch in Zürich patrouillieren Mitarbeitende der Jugendarbeit am Osterwochenende durch die Stadt. «Wir sind sicher am Freitag und Samstagabend jeweils zu zweit unterwegs», sagt Giacomo Dallo, Geschäftsführer der Offenen Jugendarbeit Zürich (OJA). Die Mitarbeitenden der Mobilen Jugendarbeit Zürich suchen Treffpunkte der jungen Erwachsenen auf und versuchen mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Dallo versteht den Frust der Jugendlichen, betont aber, dass nur sehr wenige Jugendliche wirklich Radau machen. Ein grosser Teil der jungen Menschen würde sich an die Regeln halten. «Gemessen an der Anzahl Menschen, die sich auf sehr engem Raum treffen, passiert in meinen Augen sehr wenig.»

«Gemessen an der Anzahl Menschen, die sich auf sehr engem Raum treffen, passiert in meinen Augen sehr wenig.»
Giacomo Dallo, Geschäftsführer Offene Jugendarbeit Zürich (OJA)

Und wenn es doch zu Ausschreitungen kommt? «Dann weisen wir unsere Mitarbeitenden an, sich nicht in Gefahr zu bringen.» Ganz zurückziehen würden sie sich aber auch nicht. «Häufig stehen 100 Meter nebendran viele Jugendliche, die nicht in die Krawalle involviert sind und Redebedarf haben.»

Um Ausschreitungen zu verhindern, hat die Zürcher Stadtpolizei die Präsenz an vielen öffentlichen Plätzen in den vergangenen Wochen erhöht. Die Erfahrung habe gezeigt, dass Ostern zum Partywochenende werden kann, schreibt der «Tages-Anzeiger».

Mit der Polizei arbeite man vor Ort oder in Kontakt mit den Jugendlichen nicht direkt zusammen. «Wir sind mit der Polizei vernetzt und tauschen uns regelmässig aus. Aber unsere Rolle vor Ort ist eine andere. Wir machen keine Interventionen und ermitteln nicht, wir suchen das Gespräch mit den jungen Menschen und machen Beziehungsarbeit.»

Offene Jugendzentren in Basel

In Basel setzt man neben der mobilen Jugendarbeit auch auf Jugendtreffs. «Fast alle Angebote für Jugendliche waren mehrere Monate geschlossen. Das ist eine lange Zeit», sagt Elsbeth Meier. Sie ist Geschäftsführerin der Jugendarbeit Basel. Einige Jugendzentren in der Stadt am Rhein werden deshalb auch teilweise an den Ostertagen offen sein.

Wenn auch mit coronabedingten beschränkten Platzzahlen. «Es kommt vor, dass wir Jugendliche wegweisen müssen, weil wir schon voll sind», so Meier. Dass der Bund die Massnahmen für junge Menschen im März gelockert hat, sei jedoch sehr wichtig gewesen. «Die Durststrecke für die Jugendlichen war wirklich lange. Ihnen fehlt der Raum, um sich zu treffen.» Sie sei froh darüber, dass man den Jugendlichen nun wieder Treffpunkte anbieten könne.

«Die Durststrecke für die Jugendlichen war wirklich lange. Ihnen fehlt der Raum, um sich zu treffen.»
Elsbeth Meier, Geschäftsführern Jugendarbeit Basel

Und das Angebot werde rege genutzt: Für viele sind die Jugendzentren wie ein zweites Zuhause. «Nach der Wiedereröffnung kam es schon vor, dass wir draussen eine Schlange hatten.» In einigen Zentren habe es aber auch Abwanderungserscheinungen gegeben. «Da wissen wir nicht genau, wo die Jugendlichen hin sind und wo sie sich neu treffen. Wir erwarten aber, dass sich das nach einiger Zeit wieder einspielt», sagt Meier.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

19 Cartoons, die das Erwachsensein illustrieren

1 / 21
19 Cartoons, die das Erwachsensein illustrieren
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Corona schisst a»: Eine Nacht am Bahnhof Stadelhofen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

88 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
roamside
02.04.2021 09:00registriert Februar 2019
Irgendwie lustig, wenn sowas wie in Sion in die schweizweiten Schlagzeilen kommt, nur weils an solchen Orten ungewöhnlich ist und man offenbar auch etwas dagegen unternimmt, während in Zürich seit Frühlingsbeginn jeden Abend am Seebecken sozusagen eine riesige Party mit 1000 bis 2000 Menschen stattfindet, ohne dass es irgendwen kümmert.
28922
Melden
Zum Kommentar
avatar
dä dingsbums
02.04.2021 09:19registriert April 2015
Wilde Party?

Sieht im Filmchen nicht viel anders aus, als wenn hier die Leute einkaufen gehen.
22019
Melden
Zum Kommentar
avatar
Lotta_80
02.04.2021 08:46registriert April 2020
Wen wunderts? Tut doch nicht so übertrieben jetzt, kümmert euch lieber um die Ü65 Massen in Ascona.
Als ich so jung war brauchte ich auch party etc.
Aber wiedermal haben die medien ihre zielscheibe
21281
Melden
Zum Kommentar
88
Mit Oligarchengeldern die Ukraine reparieren – daran tüfteln die Schweiz und die EU
Der Westen schmiedet Pläne, um russisches Oligarchengeld für den Wiederaufbau der Ukraine zu verwenden. Die Hürden dafür sind jedoch riesig.

600 Milliarden Dollar. So viel würde es kosten, die Ukraine nach dem Krieg wiederaufzubauen, schätzte der ukrainische Premierminister Denis Schmihal Mitte April.

Zur Story