Schweiz
Gesellschaft & Politik

Faule Parlamentarier erhalten in Zukunft mehr Geld

Min Li Marti (SP-ZH) liest Zeitung waehrend einer Debatte im Nationalrat waehrend der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 15. Maerz 2016 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Eine Parlamentarierin liest während der Session Zeitung. Bild: KEYSTONE

«Wer nichts tut, wird belohnt» – faule Parlamentarier sollen mehr Geld kriegen

27.02.2018, 05:1227.02.2018, 06:01

Satte 140'000 Franken kassiert ein Nationalrat aktuell für sein Miliz-Mandat. Nun planen die Fraktionspräsidenten im Nationalrat aber eine kleine Revolution in Bundesbern. 

Das über Jahrzehnte gewachsene und verfeinerte System von Grundeinkommen, Spesenpauschalen, Sitzungsgeldern und weiteren Zulagen soll ersetzt werden durch eine flexible Pauschale. Diese soll etwa  eine höhere Arbeitsbelastung durch ein Kommissionspräsidium oder einen langen Anreiseweg berücksichtigen. 

Die Privilegien der Parlamentarier
National- und Ständeräte profitieren von zahlreichen Privilegien, von denen Normalbürger nur träumen können:
Den Ratsmitgliedern stehen laut «Blick» permanent 27 reservierte Plätze in einem Bundeshaus-nahen Parking zur Verfügung. Sind diese besetzt, dürfen die Parlamentarier dort gratis auf die übrigen Parkplätze ausweichen oder in ein anderes Berner Parkhaus gehen.

Im Bundeshaus hat es einen Postomat nur für Parlamentarier, obschon es rund um das Bundeshaus 20 Bancomaten hat. 

Wer als Mitglied einer parlamentarischen Kommission ins Ausland reist, erhält pro Tag 50 Franken für Roaming, egal ob es benutzt wird oder nicht. 

Weitere Privilegien findet ihr in der 43-seitigen Broschüre «nächster Halt Bundeshaus»

Für die Reformer steht eine mögliche Entbürokratisierung im Vordergrund: «Eine Vereinfachung des Entschädigungssystems ist überfällig», sagt etwa Grünen-Fraktionspräsident Balthasar Glättli dem Tages-Anzeiger. Unter dem Strich würden aber trotzdem alle Nationalräte etwa gleich viel Geld erhalten. «Da können wir uns diese absurde Erbsenzählerei gleich sparen», sagt Roger Nordmann (SP). Die Reform muss kostenneutral sein. 

«Wer nichts tut, wird belohnt.»
Roland Büchel, SVP

Aber es gibt auch laute Kritik an den Plänen. Gegner stören sich insbesondere daran, dass durch die Abschaffung der Sitzungsgelder vom Leistungsprinzip abgewichen wird. «Pauschalen benachteiligen jene, die wirklich Leistung bringen. Wer nichts tut, der wird belohnt», sagt etwa SVP-Nationalrat Roland Büchel zur Zeitung. Er befürchtet, dass immer weniger Leute an den Sitzungen teilnehmen. Faule Parlamentarier werden belohnt. 

Dass sich der Lohn für Parlamentarier, die kaum Kommissionssitzungen besuchen, erhöhen könnte, bestreiten die Befürworter der Reform nicht. Es sei bereits heute öffentlich einsehbar, welche Parlamentarier wie viele Abstimmungen schwänzen. Dies erhöhe den Druck. 

Nun muss sich der Ständerat mit dem Reformvorschlag auseinandersetzen. 

(amü)

«Erich Hess, wovor hast du mehr Angst als vor Ausländern?»

Video: watson/Nico Franzoni, Lya Saxer
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Interview mit neuem Uni Zürich-Rektor
«Ja, die Uni hat Fehler gemacht und der nächste Patzer wird folgen»
Mit zwei Problemen haderte die Universität Zürich in den vergangenen Monaten: Dem Fall Mörgeli und dem umstrittenen UBS-Sponsoring. Der neue Rektor Michael Hengartner nimmt Stellung.
Der neue Rektor der Universität Zürich, Michael Hengartner, räumt in den Fällen Mörgeli und UBS-Sponsoring Fehler ein. Einen Vertrag wie jenen mit der UBS werde die Uni künftig sofort veröffentlichen, sagte Hengartner in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Und die Entlassung der Titularprofessorin Iris Ritzmann «sei nicht gut gelaufen». Bei einer Universität dieser Grösse werde es aber immer Fehler geben, sagte er. «Ich garantiere Ihnen: Der nächste Patzer wird kommen.» Wichtig sei aber, dass Politik und Öffentlichkeit wüssten, dass die Uni Fehler aufgreife und alles tue, damit sie kein zweites Mal passierten. Die Uni wolle sich verbessern. Die Politik werde nicht mehr lange Geduld haben. Durch die Geheimhaltung des Sponsoring-Vertrages mit der UBS habe sich die Uni einen Bärendienst erwiesen, sagte der 47-Jährige weiter. Es sei klar, dass man solche Verträge künftig sofort veröffentlichen werde. «Sollte ein Geldgeber von uns verlangen, dass der Vertrag nicht öffentlich gemacht wird, werden wir das Geld nicht annehmen.»
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