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Gesellschaft & Politik

SVP-Bundesrat Ueli Maurer und die Kontroverse rund um Kim de l'Horizon

17.10.2022, Hessen, Frankfurt/Main: Kim de l'Horizon ("Blutbuch") kommt zur Verleihung des Deutschen Buchpreises 2022 im Frankfurter R�mer. Ausgezeichnet wird der beste deutschsprachige ...
Kim de l'Horizon.Bild: keystone

SVP-Bundesrat Ueli Maurer und die Kontroverse rund um Kim de l'Horizon

Die Autorenperson, die den Deutschen Buchpreis gewonnen hat, wandte sich aufgrund einer umstrittenen Aussage direkt an den abtretenden SVP-Bundesrat. Vor den SVP-Delegierten ging Ueli Maurer auf die Diskussion ein und beklagte sich über die Woke-Kultur.
22.10.2022, 13:2623.10.2022, 12:46
Christoph Bernet / ch media

Kim de l'Horizon, schriftstellerisch tätige Person, die soeben mit dem Deutschen Buchpreis für ihr Erstlingswerk «Blutbuch» ausgezeichnet worden ist, wandte sich in einem fulminanten, in der NZZ erschienenen Essay an SVP-Bundesrat Ueli Maurer. Der abtretende Finanzminister hatte vor rund drei Wochen an der Pressekonferenz anlässlich seiner Rücktrittserklärung gesagt, ihm sei egal, ob auf ihn ein Mann oder eine Frau folge. «Solange es kein ‹Es› ist, geht es ja noch.»

Bei seiner Rede vor den SVP-Delegierten am Samstag in Luzern ging Maurer auf die von ihm ausgelöste Kontroverse ein, ohne de l'Horizons Namen zu nennen. «Mir ist es völlig egal, welches Geschlecht eine Person annimmt oder annehmen will. Das ist nicht die Aufgabe der Politik. Im Gegenteil, ich habe Bewunderung dafür, wenn jemand den Mut hat zu sagen, ich will so leben», sagte Maurer.

Aber wenn es gelinge, mit einem kleinen Wort mit zwei Buchstaben («Es») die Dekadenz der Gesellschaft aufzuzeigen, dann sei man in einer ernsten Situation. Der Aufschrei der Dauerempörten halle immer noch nach. Aber diesen Dauerempörten sei es egal, dass täglich Kinder verhungerten, dass Krieg herrsche, so Maurers Unterstellung: «Das sind keine Themen.»

«Wir müssen uns darum kümmern, dass sich der Staat, die Politik den wahren Problemen der Gesellschaft annimmt», sagte Maurer. Denn die «Woke-Diskussion», die die wahren Probleme verdränge, sei besorgniserregend. Die Delegierten quittierten Maurers Aussagen mit grossem Applaus.

Maurer wollte nicht mit de l'Horizon reden

De l'Horizon bezeichnet sich als nonbinär. In der NZZ schrieb die Autorenperson, sie sei durch die Aussage des Bundesrats verletzt worden. Denn später während derselben Pressekonferenz sprach Maurer nachdenklich über die drohende Spaltung der Gesellschaft. «Die Sorge, die ich habe, ist, dass wir den Minoritäten nicht genügend Rückhalt geben, den regionalen und gesellschaftlichen Minoritäten.» Im Essay fragte de l'Horizon den SVP-Magistraten: «Sind wir, die weder Mann noch Frau sind, wir ‹Es›, wir trans* und nonbinären Menschen, sind wir also keine Minderheit für Sie?» Und warf ihm vor: «Sie haben mir mein Menschsein abgesprochen.»

De l'Horizon lud Maurer dazu ein, zusammen ein Bier zu trinken. Sein Sprecher richtete via NZZ aus, der Bundesrat habe kein Interesse an einem Gespräch und wolle auch nicht in schriftlicher Form antworten: «Ihr Angebot zur Replik und das Gesprächsangebot nehmen wir so zur Kenntnis und danken für Ihr Verständnis, dass wir nicht darauf eingehen.» (aargauerzeitung.ch)

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