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Neue Studie zeigt: Schweizer nehmen für kurze Wege höhere Mieten in Kauf

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So lebt die Schweiz: Lieber eine teure Stadtwohnung als etwas länger pendeln.Bild: KEYSTONE

Neue Studie zeigt: Schweizer nehmen für kurze Wege höhere Mieten in Kauf

17.02.2026, 00:3017.02.2026, 03:20

Trotz steigender Mieten sind die meisten Menschen in der Schweiz nicht bereit, für günstigeres Wohnen länger zu pendeln. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Vergleichsdienstes Comparis nahm nur knapp jede vierte Person beim letzten Umzug einen längeren Arbeitsweg in Kauf, um günstiger zu wohnen.

Gemäss der repräsentativen Umfrage hat nur eine Minderheit von 23 Prozent der Befragten beim letzten Umzug bewusst einen längeren Arbeitsweg in Kauf genommen, um bei den Wohnkosten zu sparen. 77 Prozent lehnten dies ab.

«Die Schweiz ist ein Land der kurzen Wege – und will das auch bleiben», sagt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser. «Viele zahlen lieber eine hohe Miete, als jeden Tag Zeit, Energie und Nerven im Pendelverkehr zu verlieren.»

Möglichst kurz und nah

Die maximale Akzeptanz für die Pendelzeit liegt für 38 Prozent der Befragten bei einer halben Stunde. 11 Prozent der Pendelnden waren gar nur bereit, bis zu 15 Minuten zu reisen. Eine Reisedauer von mehr als einer Stunde kam denn auch nur für fünf Prozent der Befragten infrage.

«Die halbe Stunde ist eine psychologische Grenze», erklärt Büsser. «Alles darüber wird als Dauerbelastung empfunden.» Internationale Studien zeigen seit Jahren, dass lange Pendelwege die Lebenszufriedenheit deutlich senken. «Pendeln wirkt wie eine tägliche Zusatzsteuer auf das Wohlbefinden», sagt Büsser. «Und diese Steuer will kaum jemand dauerhaft zahlen.»

Auch die zurückgelegten Distanzen waren mehrheitlich kurz: Die Hälfte der Befragten gab an, jeweils weniger als 16 Kilometer zu pendeln. Insgesamt legen 68 Prozent der Pendelnden eine Strecke von weniger als 31 Kilometern zurück. «Diese Zahlen zeigen, dass der Wunsch nach kurzen Wegen derzeit noch stärker ist als der Preisdruck auf dem Wohnungsmarkt», sagt Büsser.

Unterschiede zeigten sich bei Geschlecht und Alter: Männer akzeptieren längere Wege für günstigere Mieten mit einem Anteil von 27 Prozent eher als Frauen (20 Prozent). Bei den 18- bis 35-Jährigen nahmen 27 Prozent einen längeren Weg in Kauf, bei den über 56-Jährigen waren es nur 19 Prozent.

Am liebsten mit dem Auto

Das Auto ist in der Schweiz mit 50 Prozent das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel der pendelnden Bevölkerung. Die Autonutzung nimmt mit der Strecke zu und erreicht bei Distanzen über 80 Kilometern den klaren Spitzenplatz der Verkehrsmittel. Der öffentliche Verkehr (ÖV) wird insgesamt von 33 Prozent der Befragten genutzt. Im Bereich bis 5 Kilometer nutzt knapp ein Viertel der Pendler den ÖV. Dieser Anteil steigt bei Distanzen von 16 bis 30 Kilometer auf 40 Prozent der genutzten Verkehrsmittel.

Für die Umfrage befragte das Marktforschungsinstitut innofact im Dezember 2025 im Auftrag von Comparis 1049 erwachsene Menschen in der ganzen Schweiz. (pre/sda)

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41 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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pinguin77
17.02.2026 04:53registriert Juni 2014
bei grösseren Entfernungen vom Arbeitsort oder Lebensmittelpunkt kommt ja im persönlichen Budget dann zu den Mietkosten noch die Erhöhung von Pendelkosten dazu (nicht nur zeit- auch geldmässig).
Ausserdem für die Allgemeinheit der Ausbau verkehrstechnischer und sonstiger Infrastruktur...
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Dörfu
17.02.2026 06:17registriert Januar 2019
Und das RAV meint 1,5 Stunden Arbeitsweg sei noch zumutbar 🤪
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Thomas1987
17.02.2026 06:43registriert Oktober 2020
Mehr Homeoffice wäre eigentlich eine sinnvolle Lösung wo es machbar ist. Weniger Pendelstress, weniger Stau, bessere Work-Life Balance, Wohnort muss nicht mehr so nahe beim Arbeitgeber sein, Arbeitgeber muss weniger Bürofläche mieten, usw.

Aber in gewissen Branchen wie in der Industrie wurde die Möglichkeit zu Homeoffice leider wieder komplett abgeschafft.
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