Schweiz
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Eine Basler Firma hat einen Assad-Partner mit Substanzen versorgt, die für die Herstellung von Chemiewaffen verwendet werden können. (Symbolbild) Bild: shutterstock

Chemiewaffen für Assad-Partner – diese Basler Firma steckt hinter dem Export



Im Jahr 2013 wurde der Nervenkampfstoff Sarin gegen Zivilisten der syrischen Hauptstadt Damaskus eingesetzt. Die internationale Empörung war gross. Präsident Bashar al-Assad willigte schliesslich ein, seine Chemiewaffen und deren Ausgangsstoffe zu zerstören.

epa05158104 A handout photograph released on 13 February 2016 by the official Syrian Arab News Agency (SANA) shows Syrian President Bashar Assad giving an interview to the AFP news agency, in Damascus, Syria, 11 February 2016. According to SANA, Assad said during the interview that humanitarian problem of Syrian refugees and people inside the country 'is caused by terrorism, Western policies, and the embargo imposed on the Syrian people'.  EPA/SANA HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bashar al-Assad. Bild: EPA/SANA

Massgeblich beteiligt an der Vernichtungsaktion war das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) – rund eine Million Schweizer Franken wurde dafür beigesteuert.

Brenntag Schweizerhall AG und Novartis involviert

Letztes Jahr wurde bekannt, dass wenige Monate danach Isopropanol und Diethylamin von der Schweiz nach Syrien exportiert wurden. Beide Substanzen können als Ausgangsstoffe für die chemischen Kampfstoffe Sarin und VX verwendet werden.

Ein Bericht der SonntagsZeitung offenbart nun brisante Details. Sie ist in den Besitz von Dokumenten gelangt, die belegen, dass die Firma Brenntag Schweizerhall AG hinter dem Export steht.

ARCHIVBILD ZU DEN JAHRESZAHLEN 2018 VON NOVARTIS, AM MITTWOCH, 30. JANUAR 2019 ---- Gebaeude der Novartis auf dem Novartis Campus in Basel am Dienstag, 25. Oktober 2011.  (KEYSTONE/Georgios Kefalas)....Novartis building on the Novartis Campus in Basel, Switzerland, Tuesday, Oct. 25, 2011. Swiss pharmaceutical giant Novartis AG posted a 7 percent increase in third-quarter net profit Tuesday as it announced 2,000 job cuts in an effort to save US dollar 200 million annually. Novartis said it earned US dollar 2.49 billion during the period, up from US dollar 2.32 billion last year.  (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Bild: KEYSTONE

Die Dokumente offenbaren aber noch etwas anderes. Der Empfänger der Lieferung war die Firma Mediterranean Pharmaceutical Industries MPI – ein Lizenznehmer von Novartis. Das Basler Pharmaunternehmen erklärte, die Chemikalien dienten der Herstellung von Medikamenten.

Seco winkte Deal durch

Zwar können die beiden Substanzen tatsächlich für die Produktion von Arzneimitteln verwendet werden. Trotzdem ist es fraglich, warum jene Stoffe nach dem Einsatz von Sarin geliefert wurden. Und: Das für Exportkontrolle zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat die Lieferung genehmigt, obwohl der Empfänger nachweislich Beziehungen zu sanktionierten Personen und Firmen in der Entourage von Syriens Präsident Assad hat.

Der MPI-Vorsitzende Abdulrahman Attar unterhielt Geschäfte mit Assads Cousin Rami Makhlouf – und er ist laut der SonntagsZeitung ein «wichtiger Financier des Regimes». Makhlouf war zu jenem Zeitpunkt auf der Schweizer Sanktionsliste aufgeführt. Attar hingegen nicht.

FILE - In this April 24, 2010 file photo, Rami Makhlouf, a cousin of Syrian President Bashar Assad and one of that country’s wealthiest businessmen, attends an event to inaugurate a hotel project, in Damascus, Syria. A new report released Tuesday, June 12, 2018, by the Washington-based Center for Advanced Defense Studies, described Dubai’s real-estate market as a haven for money launderers, terror financiers and drug traffickers sanctioned by the U.S. in recent years. Among the highest-profile individuals named in the report is Makhlouf. (AP Photo, File)

Rami Makhlouf. Bild: AP/AP

Deshalb hatte man beim Seco offenbar keine Bedenken. Der Export der Brenntag Schweizerhall AG sei rechtens gewesen. «Wir sind an das Gesetz gebunden. Wir können einen Export nicht einfach wegen eines schlechten Gefühls ablehnen», rechtfertigt man sich beim Seco.

EDA nicht informiert

Inzwischen ist auch bekannt geworden, dass das EDA nicht über das Geschäft informiert wurde. «Wir waren überhaupt nicht auf dem Laufenden, was da geschieht. Wenn das Seco uns informiert hätte, hätten wir diese Lieferung natürlich abgelehnt», sagte ein Mitarbeiter.

Der Bundesrat forderte im April 2018 eine Aufklärung zur Endverwendung der gelieferten Stoffe. MPI übermittelte schliesslich ein paar Dokumente, die angeblich beweisen sollen, dass die chemischen Substanzen für die Produktion des Schmerzmittels Voltaren verwendet wurden.

Beim Seco war man zufrieden. Experten hingegen kritisieren, dass jenen Dokumenten keinen Glauben geschenkt werden darf. Allzu oft hätten Assad und sein Regime schon gelogen, wenn es um Chemiewaffen ging.

Vieles Unklar

Das Seco gab sich in der Affäre immer sehr bedeckt und gab nur so viel Preis, wie ohnehin schon öffentlich bekannt war. So wurde nicht nur der Name der Exportfirma verschwiegen. Dass ebenfalls Diethylamin geliefert wurde, hat man gegenüber der SonntagsZeitung erst im Rahmen ihrer Berichterstattung eingeräumt.

Ob die chemischen Substanzen wirklich für die Medikamentenproduktion verwendet wurden, ist unbekannt. Zweifel kommen besonders wegen eines Hinweises auf dem Lieferschein auf. Die Brenntag Schweizerhall AG vermerkte, dass Diethylamin gemäss EU-Bestimmungen dafür nicht geeignet sei.

Ebenso ist unklar, welche Rolle Novartis in der ganzen Affäre spielt. Beide Unternehmen wollten keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Chemiewaffenexperte Dan Kaszeta jedenfalls ist ausser sich. Würden die Substanzen in falsche Hände geraten, könnte das katastrophale Folgen haben. (vom)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bronko 17.02.2019 15:35
    Highlight Highlight Ein Solider Name: Brenntag Schweizerhall AG..! Der "Brenntag" von Schweizerhalle war am 1.11.1986.
    😳
    https://de.wikipedia.org/wiki/Grossbrand_von_Schweizerhalle
  • Addix Stamm 17.02.2019 11:05
    Highlight Highlight Schweizerische Populationkontrolle in Form von Dreck Tabak und Diesel in Afrika und jetzt noch mit Chemie?! Kaum zu glauben.
  • dancortez 17.02.2019 10:36
    Highlight Highlight Bürokratie und Profitdenken über Verantwortungsbewusstsein und gesunden Menschenverstand - die Schweiz, ein humanitärer Staat!
  • Addix Stamm 17.02.2019 10:14
    Highlight Highlight https://www.hli.org/resources/exposing-the-global-population-control/
  • Ridcully 17.02.2019 08:00
    Highlight Highlight Wobei Isopropanol grundsätzlich als eines der gebräuchlichsten Desinfektionsmittel eingesetzt wird. In jeder Arztpraxis und Spital wird massenhaft Isopropanol eingesetzt.
    Diethylamin ist das einfachste Amin und ist ebenfalls eine Grundzutat für extrem viele Anwendungsmöglichkeiten.
    Das ist, wie wenn jemand beschuldigt wird, illegal ein Haus zu bauen, weil er Wasser und Holz kauft.
    • auslandbasler 17.02.2019 08:30
      Highlight Highlight Was ja grundsätzlich nicht passiert. Aber wenn der zu einem Clsn gehört, der nachweislich immer wieder illegale Häuser baut und das auch jetzt gerade am machen ist, deshalb auch auf der Sanktionsliste des Baumarktes ist, tja, dann würde ich als Mitarbeiter schon so meine Fragen haben, du nicht? Aber man kann schon die Augen verschliessen. Und man kann auch ein Haus und Giftgas vergleichen.
    • MSpeaker 17.02.2019 09:07
      Highlight Highlight Ich denke auch, dass die beiden Stoffe an sich nicht bedenklich sind. Es geht aber um die Menge, die Papiere und an wen geliefert wurde. Und um die vertuschungsaktion seitens Novartis.

      Wenn man dem Henker Holzbalken und ein Seil verkauft, baut er vermutlich einen Galgen und nicht ein Zaun.
  • N. Y. P. 17.02.2019 07:56
    Highlight Highlight Also, langsam wird einem übel.

    Das Seco hat es vorsätzlich unterlassen, das EDA zu informieren. Und das EDA hat bestätigt, dass es den Deal natürlich abgelehnt hätte.

    Das Seco hat den Tod von Kindern in Syrien in Kauf genommen.

    Wer mit Firmen im Dunstkreis (Cousin) von Assad Geschäfte macht, sollte angeklagt werden.

    Wir sollten uns langsan schämen. Nur noch big business zählt. Selbst staatliche, bewiesene Morde gehen uns (kä Luscht) am Arsch vorbei. Wir kriechen den Mächtigen dieser Welt in den Hintern.
  • walsi 17.02.2019 07:40
    Highlight Highlight Zitat: "Allzu oft hätten Assad und sein Regime schon gelogen, wenn es um Chemiewaffen ging." Wenn es ums Lügen geht sind alle Länder ganz weit vorne mit dabei, USA, Russland, Ukraine, China usw. usf.

    Wenn das also der Massstab ist dürfte man mit Ländern wie den USA, China und Russland nur noch beschränkt Geschäfte machen.
    • ströfzgi 17.02.2019 09:05
      Highlight Highlight Und wo ist die Schweiz in deiner Aufzählung? Die gehört ja gemäss Artikel auch dazu.
    • äti 17.02.2019 11:14
      Highlight Highlight ... ich denke, es geht hier um Chemiewaffen.
    • Hierundjetzt 17.02.2019 11:30
      Highlight Highlight Der Artikel handelt vom Diktator Assad.

      Nicht vom lieben Russland, dass keiner Fliege was zuleide thut waisch. (wie uns systematisch aus St. Petersburg mitgeteilt wird)
    Weitere Antworten anzeigen
  • borael 17.02.2019 07:28
    Highlight Highlight Für mich unverständlich: wer Ertrinkende aus dem Meer rettet macht dich strafbar, wer Chemie für Giftgaswaffen verkauft nicht.
  • Dä isches gsi 17.02.2019 06:06
    Highlight Highlight Für Geld machen viele alles. Schämen sollten sie sich!!!
  • bebby 17.02.2019 05:59
    Highlight Highlight In solchen Fällen wäre es angebracht, auf das Gefühl zu hören...ist stelle mir das so vor: Seco Sachbearbeiter: „Das könnte für Chemiewaffen gebraucht werden.“ Chef: „haben Sie Beweise dafür?, nein? wo ist denn das Problem?“ Einfach nur traurig.
  • DJ77 17.02.2019 04:37
    Highlight Highlight Blablabla...wer Chemikalien für Kampfstoffe herstellt weiss dies ganz genau. Und wenn man das irrgendeinem Typen der mit einem Diktator in Syrien verwant ist verkauft, weiss das ganz genau. Ich bin sehr gespannt wie sich unsere Aussenpolitiker zu dem äussern werden...
    • Pafeld 17.02.2019 10:20
      Highlight Highlight Es gibt tausende von Anwendungsmöglichkeiten für Isopropanol und Diethylamin. Und sie können auch sehr leicht aus Aceton, respektive aus Ammoniak und Ethanol selbst in riesigen Mengen hergestellt werden. Wer k
    • Pafeld 17.02.2019 10:26
      Highlight Highlight (Teil 2... Dummes Handy...)
      Wer bei der Handhabung von iPrOH und NHEt2 sofort an Chemiewaffen denkt, denkt beim hören von Hufgetrappel auch an Einhörner. Es gibt tausende von wesentlich wahrscheinlicheren Anwendungsmöglichkeiten. Und wer die Herstellung von Chemiewaffen verhindern will, indem er solche Allerweltschemikalien schwer verfügbar machen will, hat entweder keine Ahnung von Chemie und/oder ist sonst nicht besonders gut gebaut hinter der Stirnfläche.
  • philosophund 17.02.2019 04:16
    Highlight Highlight „Beim Seco war man zufrieden.“
    Klar, wenn die Kohle fliesst ist man eben zufrieden. Ob diese mit Blut beschmiert ist ist egal.
    • Sauäschnörrli 17.02.2019 11:04
      Highlight Highlight Dank der Digitalisierungs siehst du dass nicht einmal mehr.

      „Gad mal luegä. Ja, dä Stutz isch druf.“
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