DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ein Richter in Olten sorgt mit zweifelhaften Aussagen für Empörung.
Ein Richter in Olten sorgt mit zweifelhaften Aussagen für Empörung. symbolBild: shutterstock

«Es war eine relativ milde Vergewaltigung» – Oltner Richter sorgt für Empörung

18.11.2021, 17:5319.11.2021, 12:14

Schon wieder hat sich ein Richter mit umstrittenen Äusserungen bei einem Vergewaltiger-Urteil in die Nesseln gesetzt. Diesmal in Olten.

Darum geht es:

Ein damals 24-jähriger Mann vergewaltigte im Februar 2018 eine 17-Jährige in einem Hotelzimmer. Vor Gericht sagte sie, sie habe klar gesagt, dass sie weder eine Beziehung noch Sex mit ihm wolle. Nachdem er daraufhin den Geschlechtsverkehr trotzdem erzwungen hatte, erhob sie Anklage gegen den jungen Mann. Er hingegen sprach von einvernehmlichem Sex.

Nun hat das Amtsgericht Olten-Gösgen den Mann schuldig gesprochen und ihn zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt; zwölf Monate muss er hinter Gitter, auf den Rest steht eine Probezeit von drei Jahren. Das vergleichsweise geringe Strafmass begründete der Amtsgerichtspräsident wie folgt: «Es war eine relativ milde Vergewaltigung, wenn man das überhaupt so sagen kann», sagte er laut dem Oltner Tagblatt. Die Tat habe im Vergleich zu anderen Fällen nur kurz gedauert und sei mit dem Minimum an nötiger Gewalt begangen worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte an der Hauptverhandlung drei Jahre Gefängnis und einen zehnjährigen Landesverweis gefordert. Die Verteidigung plädierte ihrerseits auf Freispruch.

Opferhilfe ist empört

Agota Lavoyer, Leiterin der Opferhilfe Solothurn, reagierte auf Twitter bereits auf die Urteilsbegründung. «Nein, kann man nicht, Herr Amtsgerichtspräsident», schreibt sie.

Erst vor wenigen Monaten sorgte das Basler Vergewaltigungs-Urteil für einen Aufschrei. Die Gerichtspräsidentin stand in der Kritik, weil sie dem Opfer unterstellte, auf die Männer «Signale ausgesendet» und «mit dem Feuer gespielt» zu haben.

Agota Lavoyer sagte damals gegenüber 20 Minuten, dass mit dem Urteil «Vergewaltigungsmythen zementiert» und der Täter somit entlastet werde. Die Begründung der Richterin findet sie «beschämend». Sie hoffe nun aber, dass das Urteil und der damit verbundene mediale Fokus «wenigstens unter Richterinnen und Richtern Diskussionen auslöst und sich etwas ändert.» Dem war offenbar nicht so.

(amü)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Sexismus in den Medien

1 / 11
Sexismus in den Medien
quelle: shutterstock / screenshot blick / bearbeitung watson
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Es braucht ein neues Vergewaltigungsgesetz» – so sieht der Vorschlag aus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wo Tabakwerbung erlaubt ist – und wo man sie verbieten will: Alles zum Tabakwerbeverbot
Am 13. Februar 2022 stimmen wir unter anderem über ein generelles Tabakwerbeverbot ab. Worum es bei der Vorlage geht – und wie der indirekte Gegenvorschlag aussieht, liest du hier.

Tabak schadet Kindern und Jugendlichen im Speziellen. Jegliche Werbung für Tabakprodukte, welche Minderjährige erreicht, soll deshalb verboten werden. Das verlangt die Initiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung», die das Tabakproduktegesetz dahingehend ändern will.

Zur Story