DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Mutter stillte ihren siebenjährigen Sohn doch nicht – sagt das Zürcher Obergericht



Der Fall einer Mutter, die ihrem siebenjährigen Kind regelmässig die Brust gegeben haben soll, hatte hohe Wellen geworfen. Doch vom Fall bleibt – ausser Medienberichten – nichts übrig. Nachdem die Mutter bereits vom Bezirksgericht freigesprochen wurde, hat nun das Zürcher Obergericht nachträglich auch einen Strafbefehl gegen den Vater aufgehoben.

Die Zürcher Justiz war vom Vater auf den Plan gerufen worden: Er hatte in einem Trennungs- und Scheidungskampf gegen seine damalige Frau eine Anzeige erstattet, worauf die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen «mehrfacher Schändung» ermittelte.

Dabei geriet die Mutter wegen der Anschuldigung sexueller Übergriffe ins Visier der Strafverfolgungsbehörden – sie wurde vom zuständigen Bezirksgericht im Januar 2017 aber von den Vorwürfen rechtskräftig freigesprochen. Die strittigen Handlungen hätten nicht stattgefunden, befand das Gericht.

Der Vater war vor diesem Urteilsspruch von der Staatsanwaltschaft schon mittels Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt worden: Ihm wurde Gehilfenschaft zur Last gelegt, weil er die von ihm angezeigten Handlungen nicht unterbunden hatte und nicht eingeschritten war.

Ohne Täter auch kein Gehilfe

Auf ein Revisionsgesuch des Vaters hat das Zürcher Obergericht diesen rechtskräftigen Strafbefehl nun wieder aufgehoben: Denn ohne Tat könne der Mann keine Hilfe geleistet haben, schreibt das Obergericht in seinem Urteil. Mit dem Freispruch der Ehefrau sei auch die Grundlage für eine Verurteilung des Mannes entzogen worden.

Wegen der «gehässigen» Medienberichterstattung hatte der Vater zudem eine Genugtuung von 2000 Franken gefordert. Der Mann habe zwar «nicht mit einem derart grossen medialen Interesse an der Frage der moralisch und strafrechtlich noch vertretbaren Dauer des Stillens rechnen mögen», hält das Obergericht fest. Doch habe dieser das Verfahren mit seiner Anzeige selber ins Rollen gebracht. Damit liege auch eine gewisse Einwilligung vor, dass das Verfahren publik werde.

Allerdings sei der Mann durch einige Berichte für Personen aus seinem Umfeld identifizierbar geworden, was einen «nicht unerheblichen Eingriff in die Persönlichkeit darstellt». Eine Genugtuung von 1000 Franken sei für diese erlittene Unbill angemessen, hält das Obergericht fest.

Ein Verfahren wegen falscher Anschuldigung hat die Staatsanwaltschaft nicht eingeleitet. Ein hinreichender Verdacht sei nicht gegeben. Der Fall ist damit strafrechtlich abgeschlossen, wie es bei der zuständigen Staatsanwaltschaft auf Anfrage heisst. (sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Video des Tages: «Auf Tinder sind alle so: Ja. Nö. Nei. Geil, Titten!»

Video: watson/Gregor Stäheli, Emily Engkent

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Zwei frühere Genfer IS-Anhänger stehen vor dem Bundesstrafgericht

Vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona müssen sich seit Mittwochmorgen zwei Genfer wegen Widerhandlungen gegen das IS-Gesetz verantworten. Ihnen wird unter anderem Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen.

Die beiden heute fast 35 und 26 Jahre alten Angeklagten distanzierten sich bei der Befragung durch die vorsitzende Richterin der Strafkammer vom radikalen Islam und der Ideologie des IS. Der 26-Jährige war im Juni 2016 am Flughafen Zürich festgenommen worden. Auch …

Artikel lesen
Link zum Artikel