Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Kantonspolizisten im Gespraech mit der Bevoelkerung in Rupperswil AG, aufgenommen am Donnerstag, 24. Dezember 2015. Nach der Bluttat an einer 48-jaehrige Frau, ihren Soehnen im Alter von 13 und 19 Jahren sowie der 21-jaehrigen Freundin des aelteren Sohnes im aargauischen Rupperswil vom vergangenen Montag bleiben noch immer viele Fragen offen. Die Aargauer Kantonspolizei verteilt heute in Wildegg und Rupperswil an Tankstellen, Grossverteilern und Laeden Flugblaetter mit dem Zeugenaufruf. Gesucht werden Zeugen, welche die 48-Jaehrige am Montagmorgen gesehen oder mit ihr gesprochen haben. Offenbar hatte die Frau an zwei Orten Bargeld abgehoben, bevor sie Opfer des Toetungsdelikts wurde. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Hätten die Strafermittler den Täter von Rupperswil früher geschnappt, wenn das DNA-Profil vollständig hätte entschlüsselt werden dürfen? Bild: KEYSTONE

Ungelöst trotz DNA-Probe: Könnte eine Erbgutanalyse diese 3 Verbrechen aufklären?

Am Tatort in Rupperswil wurden DNA-Spuren des Täters gefunden. Eine Analyse ist verboten, deshalb konnte einzig ein Abgleich mit der DNA-Datenbank gemacht werden – ohne Treffer. Der Vierfachmord wurde dennoch aufgeklärt. Andere Fälle aber sind seit Jahren ungelöst. Könnte eine Erbgutanalyse helfen?



Das sei gelinde gesagt ein Skandal, sagte Georg M., der Partner der in Rupperswil ermordeten Carla Schauer, am Mittwoch in der «Rundschau». Die Ermittlungsbehörden hatten zwar die DNA des Täters, durften diese aber des Gesetzes wegen nicht analysieren. Warum Thomas N. dann doch gefasst werden konnte, ist nicht bekannt. Man habe wohl monatelang gesucht, und dabei die Lösung eigentlich schon auf dem Tisch gehabt, mutmasste Georg M.

Im Gegensatz zum Vierfachmord in Rupperswil bleiben andere Verbrechen ungelöst, obwohl ebenfalls DNA der mutmasslichen Verbrecher vorhanden ist. Hier sind drei Beispiele.

Die Vergewaltigung von Emmen

21. Juli 2015, 22.40 Uhr, Dammweg Luzern: Eine 26-Jährige wird auf dem der Reuss entlangführenden Weg von ihrem Velo gezerrt, in einen Waldstreifen geschleppt und vergewaltigt. Sie bleibt schwer verletzt liegen und ist seit dem Vorfall vom Hals abwärts gelähmt. Trotz Aussetzung einer Belohnung von 10‘000 Franken, einem vagen Signalement des Täters und einer DNA-Probe tappen die Ermittler im Dunkeln. Nach monatelangen Ermittlungen lädt die Polizei 371 Männer zum DNA-Test vor – ohne Treffer.

Der Taxi-Vergewaltiger von Kriens

Im Mai 2016 steigt eine 18-jährige Australierin nachts um 4 Uhr vor dem Bahnhof Luzern in ein Taxi und will nach Hause zu ihren Gasteltern in Kriens. Der Taxichauffeur bringt die junge Frau allerdings nicht an ihr Ziel, sondern biegt vorzeitig ins Industriegebiet Sternmatt ab und vergewaltigt sie mutmasslich im Auto.

Die junge Frau kann sich befreien, rennt zu ihren Gasteltern, die umgehend die Polizei alarmieren. DNA-Spuren, die an der jungen Frau gefunden wurden, wurden sichergestellt.

Update: Der mutmassliche Taxi-Vergewaltiger konnte überführt werden. Er sitzt seit dem 24. Mai in Untersuchungshaft.

Die erstochene Psychiaterin 

Am Abend des 15. Dezember 2010 gegen 18.30 Uhr will ein Patient zu seinem Termin bei der Psychiaterin. Er findet die 56-jährige Ärztin regungslos und mit schweren Verletzungen auf dem Boden ihrer Praxis im Zürcher Seefeld vor. Später wird bekannt, dass die Frau mit einem Messer erstochen worden war. In der Nähe der Liegenschaft waren mehrere Videokameras montiert – alles Attrappen. 

Die Polizei geht mit höchster Wahrscheinlichkeit davon aus, DNA des Täters sichergestellt zu haben. Das Zürcher Obergericht zitierte rund 300 Männer zum ersten Massen-DNA-Test der Schweiz. Der Fall bleibt bis heute ungelöst. 

Darum sind Erbgutanalysen verboten

DNA-Proben und -Datenbanken sind unerlässlich für die Polizeiarbeit, doch die ermittlerische Freiheit im Umgang mit DNA ist stark eingeschränkt.

Im Gesetz heisst es:

Bei der DNA-Analyse darf weder nach dem Gesundheitszustand noch nach anderen persönlichen Eigenschaften mit Ausnahme des Geschlechtes der betroffenen Person geforscht werden.

Bundesgesetz über die Verwendung von DNA-Profilen
quelle: admin.ch

Nach anderen Merkmalen zu forschen, beispielsweise Haar- und Augenfarbe, Statur oder die Einschätzung der Ethnie, ist verboten.

146 Tage Angst: Die Chronologie des Vierfachmords von Rupperswil

Kritik an Erbgutanalyse

Das hat mehrere Gründe: Kritiker befürchten, dass eine Lockerung der Gesetze den Kerngehalt der persönlichen Freiheit tangieren würde. Die Speicherung von Profilen ist ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Und damals, als das erste DNA-Gesetz in der Schweizer Verfassung verankert wurde, steckte die Forschung noch in den Kinderschuhen.

«DNA-Spuren können in die Irre führen, zum Beispiel durch Laborfehler oder wenn der Täter falsche Spuren legt.»

Stefan Thöni, Co-Präsident Piratenpartei Schweiz

Heute noch sind Experten skeptisch: Erbgutanalysen liefern nur Wahrscheinlichkeiten, keine klaren Ergebnisse, sie sind nicht zuverlässig und deshalb kaum hilfreicher als eine Zeugenaussage, so die Kritik. Ausserdem: Was, wenn das Profil ungenau ist, der Täter durch das Raster fällt und die Ermittlungen zu Unrecht kanalisiert werden?  

Gegenüber watson sagt die Piratenpartei, sie lehne es ab, dass tief in die Privatsphäre eingedrungen werden dürfe. «Zudem ist zu beachten, dass DNA-Spuren auch in die Irre führen können, zum Beispiel durch Laborfehler oder wenn der Täter falsche Spuren legt.»

Motion vom Nationalrat abgesegnet

Trotz der Kritik hält das Parlament das DNA-Gesetz aus dem Jahr 2005 für überholt. Bereits hat der Nationalrat eine Motion gutgeheissen, die eine Entschlüsselung der sogenannt «codierten» DNA erlauben soll.

Selbst unter Linken und Datenschützern stiess die Motion auf geringen Widerstand – anders als vor 16 Jahren, als das Parlament die vom Bundesrat vorgesehene ausführlichere Analyse aus Datenschutzbedenken wieder aus dem Gesetz kippte.

Das könnte dich auch interessieren:

Nach 27 Jahren kommt der Nachfolger der SMS – das musst du über RCS wissen

Link zum Artikel

Merkel beginnt bei Staatsbesuch plötzlich zu zittern – Entwarnung folgt kurz darauf

Link zum Artikel

Wetter: Nächste Woche wird's heiss

Link zum Artikel

Ohrfeige für Bundesanwalt vom Bundesstrafgericht – Lauber ist im FIFA-Fall befangen

Link zum Artikel

40 Millionen Liter Trinkwasser verschwunden? Das Rätsel von Tägerig ist gelöst

Link zum Artikel

OMG – wir haben Knoblauch unser ganzes Leben lang falsch geschält

Link zum Artikel

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Link zum Artikel

Ein 3-jähriges Mädchen zerstört eine Fliege – das macht dann 56'000 Franken

Link zum Artikel

«Kann man sich in einen guten Freund verlieben?»

Link zum Artikel

Brasilianische Spielerin schafft neuen Rekord

Link zum Artikel

Federer vor Halle-Auftakt: «Rasen hat seine eigenen Regeln – vor allem für mich»

Link zum Artikel

We will always love you – vor 60 Jahren veröffentlichte Dolly ihre erste Single

Link zum Artikel

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

15
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • EvilBetty 20.05.2016 11:46
    Highlight Highlight Sind ja drei ganz tolle Beispiele... was soll man mit einer DNA Spur anfangen wenn sie nirgend registriert ist? Da steht, entgegen der Meinung die einige zu haben scheinen, weder Name noch Adresse drauf.
    • mrcharliebrown 20.05.2016 12:12
      Highlight Highlight man kann körpermerkmale wie augenfarbe, grösse, geschlecht, gesundheitszustand mit gewisser wahrscheinlichkeit feststellen und den täterkreis unter umständen eingrenzen
    • EvilBetty 20.05.2016 12:56
      Highlight Highlight Gesundheitszustand? Wenn er/sie nicht grad eine Erbkrankheit hat...

  • TheBean 20.05.2016 11:28
    Highlight Highlight Solange der Staat nicht garantieren kann, dass der Datenschutz zu 100% gewährleistet ist, finde ich das schlicht und einfach eine Schnapsidee.

    Braucht es wirklich noch mal einen Fall à la RUAG? Staatlich unterstützes Ignorieren des Datenschutzgesetzes? Jep, so weit ist es schon gekommen.

    Bald ist dann die Identität von 1000 zu Massen-DNA-Tests verdonnerten Personen im Internet zu finden. Und alles nur, weil die Polizei einen braunhaarigen Schweizer zwischen 25 und 35 Jahren gesucht hat und da ziemlich viele Leute ins Schema gepasst haben.

    Nein Danke.
  • BigE 20.05.2016 10:20
    Highlight Highlight Glaubt die Piratenpartei wirklich, die Polizei hat nicht die Möglichkeiten und Erfahrung, echte von "gelegten" DNA-Spuren zu unterscheiden?
    • Randy Orton 20.05.2016 10:51
      Highlight Highlight Wie soll das gehen?
    • EvilBetty 20.05.2016 11:14
      Highlight Highlight Das würde mich jetzt auch mal interessieren wie das gehen soll. Bisschen zuviel CSI geguckt?
    • BigE 23.05.2016 21:06
      Highlight Highlight Nein, aber mehr Ahnung als die meisten hier.... ;)

      CSI ist etwa so nahe an der Realität wie James Bond....... *gg*

      Aber mit ein wenig Nachdenken kommt man da auch ohne Insiderwissen drauf.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Knut Atteslander 20.05.2016 10:04
    Highlight Highlight Zum Fingerabdruck (Google 2. Treffer):
    Das Ergebnis war äußerst peinlich für die Bundesbehörde, denn sieben Labors von 50, konnten keine Identität feststellen. Auch bei andere Testreihen in den USA lag die Fehlerquote der Daktyloskopen zwischen drei und 22 Prozent. Für ein wissenschaftliches Verfahren eindeutig zu hoch.

    Die korrekte Beurteilung der Fingerabdrücke beruht also auch zum großen Teil auf der Erfahrung des jeweiligen Experten.

    http://www.planet-wissen.de/gesellschaft/verbrechen/kriminalistik/pwiefingerabdruecke100.html
  • Kengru 20.05.2016 09:45
    Highlight Highlight Ich habe nicht viel ahnung von diesem gesetz aber ich finde, es soll erlaubt sein ab einer gewissen stufe für ein verbrechen DNA test durchzuführen. Natürlich nicht für jedes verbrechen
    • Randy Orton 20.05.2016 10:52
      Highlight Highlight DNA Tests sind na nicht verboten? Oder was meinen Sie damit, es sollte erlaubt werden DNA Tests durchzuführen?
    • Kengru 20.05.2016 12:16
      Highlight Highlight Randy als aller erstes muss du aufhören mich mit Sie zu ansprechen. Goht voll nit. Eben ich habe in diesem bereich nicht viel wissen, ich dachte DNA test sind allgemein verboten
  • Str ant (Darkling) 20.05.2016 09:35
    Highlight Highlight Ab dem Zeitpunkt ab dem die Polizei Legal DNA Spuren verwenden darf finde ich es eigentlich sinnig das sie dann auch alle Information erhalten um einen Fall zu lösen.
    Es muss das darumherum stimmen (Schutz der Privatsphäre and such) um Missbrauch zu verhindern oder zumindest zu minimieren

Niederlage für Thomas N.: Keine ambulante Therapie für Vierfachmörder von Rupperswil AG

Der 36-jährige Vierfachmörder von Rupperswil AG erhält keine ambulante Therapie während des Vollzugs seiner lebenslänglichen Freiheitsstrafe. Dies hat das Bundesgericht entschieden und die Beschwerde des Schweizers abgewiesen.

Das Aargauer Obergericht ordnete für den Mann eine ordentliche Verwahrung an. Gemäss Bundesgericht schliessen sich die Verwahrung und die Anordnung einer ambulanten therapeutischen Massnahme rechtlich aus. Dies geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil hervor. …

Artikel lesen
Link zum Artikel