Schweiz
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Der Import von Baumwolle ist mitverantwortlich für die schlechte Ressourcen-Bilanz der Schweiz. bild: montage watson / shutterstock

4 Dinge, die du über den Overshoot Day in der Schweiz wissen musst

Heute hat die Welt den Overshoot Day erreicht. Die Schweiz lebt bereits seit dem 9. Mai auf Ökopump. Die Erklärung in vier Punkten.



Wie schneidet die Schweiz ab?

Was die ganze Welt heute erreicht hat, hat die Schweiz bereits am 9. Mai getan. Sie hat die natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die ihr eigentlich für das ganze Jahr zur Verfügung stünden und die Welt innert eines Jahres wiederherstellen kann. Das bedeutet: Um den Verbrauch der Schweiz zu decken, wären für dieses Jahr drei Planeten nötig. Und: Seit Mai leben wir auf Kosten anderer – vor allem künftiger Generationen.

Mit unserem Ressourcen-Verzehr liegen wir drei Monate über dem weltweiten Durchschnitt. Noch vor der Schweiz haben jedoch europäische Länder wie Luxemburg (16. Februar), Dänemark (29. März), Schweden (3. April), Finnland (6. April) oder Deutschland (3. Mai) den sogenannten Overshoot Day erreicht.

Wie hat sich die Schweiz seit 1970 entwickelt?

Es war nicht immer so, dass die Schweiz innerhalb von vier Monaten die Ressourcen fürs ganze Jahr aufbrauchte. 1970, in dem Jahr als die Welt zum ersten Mal auf Pump lebte, hatte die Schweiz ihre Guthaben Mitte August verbraucht. Bis in die 90er-Jahre wurden immer mehr Ressourcen verbraucht. Ab 2012 konnte das kritische Datum jedoch wieder leicht zurückgedrängt werden.

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bild: watson

Die leichte Verbesserung könnte laut Experten unter anderem mit der Verminderung des CO2-Ausstosses zusammenhängen. Denn dieser ist seit 1990 um 14 Prozent gesunken. 2017 betrug er 4,5 Tonnen CO2 pro Kopf, 1990 waren es noch 6,7.

Warum braucht die Schweiz so viele Ressourcen?

Trotz allem: Die Schweiz braucht mehr Ressourcen, als ihr die Natur zur Verfügung stellt. Drei Bereiche sind gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU) hauptsächlich dafür verantwortlich: Ernährung, Wohnen und Mobilität. Sie machen 70 Prozent der Umweltbelastung des Schweizer Konsums aus.

Die grösste Umweltsünde der Schweiz sind ihre CO2-Emissionen. 2016 machten diese rund 74 Prozent des Schweizer Fussabdrucks aus. Das hängt unter anderem mit dem Flugverkehr zusammen: Schweizer fliegen im Schnitt doppelt so viel wie der Rest von Europa. Ausserdem stiegen die Treibhausgas-Emissionen durch den Import von Waren und Dienstleistungen immer mehr an.

Ein weiterer Faktor für die schlechte Ressourcen-Bilanz der Schweiz ist der Import von Rohstoffen. Im Jahr 2015 machten laut einer Studie des BAFU Erze 17 Prozent des Material-Fussabdrucks aus.

Auch beim Wasser-Fussabdruck der Schweiz spielt der Import eine zentrale Rolle. Der grösste Anteil dieses Fussabdrucks wird in den USA verursacht, dies hauptsächlich wegen des dortigen Mandelanbaus. In Indien hingegen wird das Wasser für die Baumwollproduktion genutzt. Spanien verbraucht viel Wasser für den Traubenanbau. Der daraus produzierte Wein landet dann in den hiesigen Verkaufsregalen.

Was will die Schweiz dagegen tun?

Mit dem revidierten Energiegesetz will der Bund bereits nächstes Jahr den Gesamtenergieverbrauch pro Person um 16 Prozent senken. Ausserdem sollen künftig 6 Prozent der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Das Gesetz verbietet zudem den Bau von neuen AKWs.

Ab 2020 gilt für neu zugelassene Personenwagen ein Austoss-Zielwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer. Allgemein will man die CO2-Emissionen im folgenden Jahr um mindestens 20 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 senken.

Dazu unterstützt der Bund energetische Sanierungen neu mit 450 Millionen statt 300 Millionen Franken pro Jahr. Denn durch die Erneuerung von Fassaden- und Dachdämmungen, Heizungen oder den Einsatz von Solar-Panels kann ein grosser Teil der Energie eingespart werden.

Ausserdem fördert der Bund mit dem Technologiefonds Innovationen, die Treibhausgase oder den Ressourcenverbrauch reduzieren, den Einsatz erneuerbarer Energien begünstigen und die Energieeffizienz erhöhen. 25 Millionen Franken fliessen von den CO2-Abgaben in diesen Topf.

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