Peter Spuhler hat das Herz auf dem rechten Fleck.
Das soll kein blöder Spruch sein.
Ende 2020 erteilte der hemdsärmelige Schweizer Unternehmer dem Verbrecher-Regime im Kreml eine Absage. Er stehe nicht – wie von Russland vorgesehen – für das Amt des Honorarkonsuls zur Verfügung.
Dann liess Wladimir Putin im Jahr 2022 seine Armee offiziell in die Ukraine einfallen – und Spuhler bezog erneut klare Position. Zwar konnte er nicht wie geplant seine Stadler-Rail-Züge ins kriegsversehrte Land liefern, dafür nahm er eine sechsköpfige ukrainische Flüchtlingsfamilie bei sich auf.
Der Vater arbeite im Stadler-Werk in Bussnang in der Endmontage, schrieb die «Neue Zürcher Zeitung» und liess einen aufschlussreichen Satz folgen:
Hier ist anzumerken, dass Spuhler durch eine harte Ausbildung ging. Er absolvierte in Isone im Kanton Tessin die Grenadier-Rekrutenschule. Der Leitspruch dieser Kampftruppe lautet «Semper Fidelis» – immer treu.
Einst galten die «Grenis» als wagemutige Draufgänger, die leichtsinnig ihre Gesundheit oder gar das Leben riskierten. Doch hat sich das Image über die letzten Jahrzehnte stark gewandelt. Die Schweizer Armee braucht mehr denn je keine Rambos, sondern durchsetzungsfähige Spezialisten, die als Team agieren.
Dazu passt, dass die Grenadier-Miliztruppen heute im sogenannten Kommando Spezialkräfte (KSK) mit dem AAD10 und anderen Profi-Einheiten trainieren.
Das KSK bildet alle Schweizer Elitesoldaten nach denselben Werten und Leitsätzen aus. Eine Auswahl davon möchte ich Peter Spuhler in Erinnerung rufen:
Und damit zur aktuellen Politik.
Ausgerechnet die Jungsozialisten haben sich in echter Grenadier-Manier in den Kampf gestürzt und eine erste Schlacht gewonnen: Die Schweiz diskutiert nun äusserst angeregt über Steuergerechtigkeit. Ein Thema, das viele Verantwortliche in Politik und Wirtschaft sträflich vernachlässigt oder totgeschwiegen haben.
In dieser dringend nötigen Debatte geht es nicht um «Wokeness» oder kriminelle Ausländer, sondern die einseitige Verteilung von Reichtum. Um die riesige Schere zwischen Arm und Reich. Um die Ungleichheit, die wegen der Folgen des Klimawandels weiter zunimmt und zu einer gefährlichen Destabilisierung führt.
Fast zehn Prozent der Schweizer Bevölkerung leben heute in prekären Verhältnissen. Am anderen Ende der Skala stehen die Multimillionäre und Milliardäre. Dazwischen befindet sich eine – zum Glück – immer noch grosse Mittelschicht. Und diese Haushalte sind es auch, die in der Schweiz die grösste Steuerlast tragen.
Die JUSO-Initiative mag weit über das Ziel hinausschiessen – und einzelne Exponentinnen stehen zu Recht wegen fragwürdiger Äusserungen in der Kritik.
Umso wichtiger ist eine besonnene Reaktion. Von einem waschechten Grenadier wie Peter Spuhler erwarte ich, dass er nicht die Drohkeule schwingt, sondern sich für konkrete Lösungen einsetzt. Dass er seine Macht und den politischen Einfluss nutzt, um die Schweiz weiterzubringen – statt mit Flucht ins Ausland zu drohen.
Wie wär's zum Beispiel damit:
* Gemäss einem SRF-«Rundschau»-Beitrag vom April wäre von den rund 600'000 Firmen in der Schweiz nur ein Bruchteil von der JUSO-Initiative betroffen. 99 Prozent haben weniger als 250 Angestellte und kämen unter der Freigrenze von 50 Millionen Franken zu liegen. Gleichzeitig ist bekannt, dass der ökologische Fussabdruck der Superreichen um ein Vielfaches zu gross ist.
Zur Aussage von Spuhler: Er ist nicht mehr Politiker, weswegen er getrost solche Aussagen ohne Gegenvorschlag machen darf/kann. Dafür sind ja die Politiker zuständig und werden von uns (und den Lobbisten) bezahlt.
Ist das System nicht gerecht – ja klar. Aber es ist illusorisch zu glauben, dass die Superreichen hier (steuerpflichtig) bleiben bei der Aussicht, die Hälfte ihres Vermögens zu verlieren. Das ist für mich nicht jammern, sondern sagen, was Sache ist.