Schweiz
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Die Medien interessieren sich aktuell mehr für Fluggäste als fürs Klima

Symbolbild: Menschen fliegen, ohne sich Gedanken über das Klima zu machen.
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Erst die Fluggäste, ums Klima kümmern wir uns später!

07.07.2022, 21:20
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Die Schweizer Medien werden kein Sommerloch haben dieses Jahr. Dieses wird vom Metathema der Stunde gefüllt: problematische Flugreisen.

Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Es ist Ferienzeit und die Schweiz fliegt viel – laut der Organisation «umverkehR» doppelt so viel wie ihre Nachbarländer. Also ist es ein objektiv relevantes Thema, über das berichtet werden muss.

Was allerdings stört, ist die Färbung der Berichterstattung. Denn als problematisch an den Flugreisen erscheinen bloss die logistischen Angelegenheiten der Airlines und der Passagiere. Der Umweltaspekt hingegen gar nicht mehr. Im Gegensatz zu vor zwei Jahren, als die Auswirkungen auf das Klima noch eher im Zentrum der Berichterstattung standen und nicht selten regelrechtes Flugreisen-Bashing betrieben wurde.

Die früher angeprangerten Fluggäste sind nun Objekte des Mitleids. Allein am letzten Samstag waren zu Ferienbeginn mehrere Reporterteams am Flughafen Zürich, um dort abgekämpfte Reisende zu interviewen, die von ihren Strapazen am Check-in erzählen – watson inklusive. Darauf folgten Serviceartikel, mit Titeln wie «Diese Flughäfen beliebter Ferienorte haben keine Probleme» oder «An welchen Tagen wirds an den Flughäfen besonders voll?».

Die Blick-Kollegen Reto Scherrer und Sven Ziegler reisten in einem Akt der Selbstaufopferung selbst zwei Tage mit dem Flugzeug durch Europa und berichteten in einem Liveticker über den erlebten «Horror». Vielen Dank an dieser Stelle für den Einsatz.

Aber: Weder das Flugreisen-Bashing aus der Präpandemie-Ära noch die gegenwärtige medial-ritualisierte Opferstilisierung des Flugpassagiers sind journalistisch sinnvoll. Man kann die derzeitigen Probleme der Luftfahrtindustrie und deren schädliche Auswirkungen auf das Klima durchaus gleichzeitig thematisieren.

Ich würde es mir wünschen.

Denn nebst dem Sommerloch existiert immer noch eines in der Ozonschicht. Und wie bereits erwähnt: Die Schweiz fliegt doppelt so oft wie ihre Nachbarländer – das ist zehnmal mehr als der Weltdurchschnitt.

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118 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Feinfilter
07.07.2022 22:23registriert Mai 2021
Danke für diesen Kommentar. Es scheint dass für einige das Fliegen von A nach B ein absolutes Menschenrecht ist. Kann man machen, aber bitte mit Ticketpreisen welche die ganzen Kosten für dieses Vergnügen abbilden.
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Wurstgesicht
07.07.2022 21:47registriert Dezember 2018
Es wäre vorallem dringend an der Zeit schon einfach mal die realen Kosten für.die Umwelt auch den Passagieren zu verrechnen.
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Trouble
08.07.2022 06:26registriert Februar 2016
In meinem Umfeld fliegen viele Personen und das mehr als einmal pro Jahr. Wenn ich frage, weshalb sie nicht den Zug nehmen, bekomme ich jedes Mal zu hören, der sei viel teurer als ein Flug. Da sollte man ansetzen. Es kann doch nicht sein, dass Flüge derart billig sind, dass sie den Zug ausstechen. So wird das nie etwas werden.
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